Samstag, 16. Juli 2016

Zu Besuch bei Traudl…

Im Frühling wurde ich zu einer traumhaften Medienreise ins schöne Meran eingeladen. Dort habe ich Traudl Schwienbacher getroffen, die mich unsagbar inspiriert und beeindruckt hat. Im Auftrag der Agrarzeitung www.schweizerbauer.ch schrieb ich einen Bericht über sie, den ich gerne auch noch mit Euch teilen will.

 „Die Natur ist die höchste Hochschule“

Im Südtiroler Ultental lebt, arbeitet und wirkt die Bäuerin Traudl Schwienbacher. Als Vordenkerin und Gründerin der Ultner Winterschule hat sie viel zum Erhalt der Natur und der Arbeitsplätze im Tal beigetragen.

«In der Natur ist alles, was wir zum Leben brauchen», ist Traudl Schwienbacher, Bäuerin aus dem Ultental im Südtirol, überzeugt. Als Gründerin der Winterschule Ulten und der Naturlebensschule Ulten gilt sie als Vordenkerin mit viel Durchhaltewillen.

Ihre Liebe zu den Tieren und Pflanzen zeigte sich bereits in jungen Jahren. «Mit 12 Jahren habe ich mir mein erstes Lämmchen gekauft», erzählt sie. Wolle spielt immer noch eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Auf ihrem Hof bietet sie Kurse zur natürlichen Wollverarbeitung, dem Färben mit Pflanzen, Spinnen und Filzen an. Wolle sei das natürlichste Material überhaupt und für den menschlichen Körper die beste Kleidung. «Wolle passt sich dem Menschen an, reguliert Wärme und Kälte und auch das Schwitzen.» So trägt Traudl Schwienbacher selber ausschliesslich Kleider aus Wolle oder Seide und schwört auch auf Bettwäsche aus diesen Materialien.

Lebenswertes Ulten
Als Vordenkerin gilt Traudl aber nicht nur im Bereich Bekleidung. Als gebürtige Ultnerin liegt ihr das Wohl ihres Tales am Herzen, und früh begann sie sich Gedanken darüber zu machen, wie die Bauernhöfe erhalten und die Abwanderung der Menschen verhindert werden kann. «Wir müssen die Rohstoffe aus unserem Tal auch hier veredeln. Damit können Arbeitsplätze geschaffen und die Abwanderung verhindert werden.» So sorgte Traudel in ihrem Amt als Gemeindeassessorin im Rahmen des Projektes «Lebenswertes Ulten» beispielsweise dafür, dass die Schafwolle aus dem Tal, welche früher weggeworfen wurde, wieder für das Herstellen von Filz, Polster und Matratzen verwendet wird.

Geliebter Wald
«Mein Name ist Waltraut und dementsprechend hat der Wald einen besonders grossen Platz in meinem Herzen.» Seit jeher habe das Ulten-Tal einen reichen Baumbestand. «Weil das Holzen an den steilen Hängen zu mühsam wurde, wurde irgendwann nur noch Holz aus anderen Gegenden und sogar aus Übersee für den Bau unserer Häuser verwendet.»

Auch gegen diesen Missstand setzte sich Traudel Schwienbacher zur Wehr. «Wir versuchten herauszufinden, wo der Schuh bei den Bauern drückt und führten dazu Befragungen durch.» In Arbeitsgruppen wurden Konzepte zur Nutzung dieser wertvollen Rohstoffe entwickelt. Heute wird im Tal wieder geholzt. «In den letzten Jahren wurden jährlich im Schnitt 350000 Euro für das Holz aus dem Tal an die Bauern ausgezahlt.»

Mit der Gründung der Winterschule Ulten, die berufsbegleitend besucht werden kann, hat Traudel Schwienbacher einen grossen Beitrag zum Erhalt des Handwerks des Alpenraums geleistet. Die Teilnehmer können verschiedene Module aus den Bereichen Holzverarbeitung, Flechten, Pflanzenverarbeitung, Permakultur, Textilverarbeitung und Gesundheit und Natur belegen. Zusätzlich können tageweise direkt bei Traudl Schwienbacher Kurse zu bestimmten Themen besucht werden. «Dieses Angebot richtet sich auch an Leute, die einen längeren Anreiseweg haben.»

Ein weiteres Standbein hat sich die umtriebige Bäuerin mit ihrem Kräuterreich und der Naturschule, in der sie Kurse rund um das Thema Kräuter anbietet, aufgebaut. Zusammen mit  ihrer Tochter Franziska vertreibt sie Naturprodukte wie Tees, Gewürze und Kosmetika aus Kräutern. Diese werden nicht nur im eigenen Hofladen, sondern auch in verschiedenen Läden im ganzen Südtirol verkauft.

Kraft aus der Natur
Wie sehr Einflüsse von aussen das Leben verändern können, hat die Familie Schwienbacher am eigenen Leib erfahren müssen. In den 1950er-Jahren verlor sie ihren Erbhof, die Scheune und neun Hektar Kulturgrund wegen einem Stauseebau.  Der Hof wurde bereits im Jahre 1358 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Wie ein Mahnmal liegt der See direkt unter dem neu gebauten Wegleithof. Bitterkeit merkt man Traudl Schwienbacher deshalb aber keine an. Im Gegenteil, die 72-Jährige wirkt immer noch voller Tatendrang und Energie.  

«Jeden Morgen mache ich einen stündigen Spaziergang durch den Wald.» Danach fühle sie sich bereit für den Tag, und sie bringe jedes Mal zwei Hände voll Pflanzen mit. «Das reicht. Wir Menschen brauchen gar nicht so viel. Alles was wir brauchen, lässt der Herrgott draussen wachsen. Er hat uns aber auch einen freien Willen gegeben. Für uns pflücken und uns die Sachen einschoppen kann er nicht auch noch», erklärt Traudl Schwienbacher in ihrer typisch bodenständigen Art. Für ihre vielen Projekte und Ideen erhielt sie immer wieder aus der Natur die nötige Energie. Denn eines steht für sie fest: «Die Natur ist die höchste Hochschule, an der wir Menschen studieren können.»
Weitere Informationen zum Programm der Ultner Winterschule finden sich im Internet unter: www.winterschule-ulten.it. Unter www.kraeuterreich.com werden die Kräuterprodukte aus dem Ultental vorgestellt.

Hier habe ich Euch übrigens bereits über die wundervolle Stadt Meran berichtet. Wenn ich die Gelegenheit bekomme an solche Orte zu reisen und das auch noch als Arbeit bezeichnen kann, dann fühle ich mich wirklich als unglaubliches Glückskind;)

Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag!
Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Wenn man möchte, kann man viel erreichen. Hut ab vor dem Eifer und dem Elan der Frau!
    Danke fürs Teilen
    Herzlichst
    yase

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  2. Liebe Signora Pinella,
    eine bewundernswerte Frau. Traudel Schwienbacher hat meine volle Hochachtung!
    Ich hatte übrigens auch schon ein Lämmchen mit 4! Allerdings wurde daraus ein ziemlich wütender Bock, so dass in mein Opa verkaufen musste! Leider...doch die Sehnsucht nach einer Herde Schafe ist komischerweise noch da!
    Wundervoller Bericht, wundervolle Foto´s ...danke dafür!
    Alles Liebe
    Karen

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  3. Liebe Signora Pinella,
    eben bin ich zurück aus dem Land der Pizzen und feinen Gelaties (wir waren am Gardasee), da gluschtest du mit feinen Canellonis und zeigst diese wunderbaren Geschichten und Bilder, Daumen hoch. Der "Buechnüsslikranz" ist eine Wucht!
    Liebe Grüsse Simone

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