Sonntag, 19. Juni 2016

Eat, Pray, Love...

Als der Signore und ich in Italien gelebt haben, befanden wir uns in einer Art Blase. Weil das soziale Umfeld eingeschränkt war, waren wir wahnsinnig aufeinander konzentriert. Oft kam es mir vor, als wären wir zwei kleine Kinder, die sich an den Händen halten um sich gegenseitig Mut zu machen. Zusätzlich hatten wir den Luxus, dass wir unser Leben sehr frei gestalten und uns viel Zeit füreinander nehmen konnten. Seit wir zurück und beide im Berufsleben eingespannt sind, tun wir uns oft etwas schwer damit ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit zu finden… Aus diesem Grund habe ich kürzlich unsere Lightbox (wir haben sie hier bei der lieben Baumhausfee gefunden) mit den Worten „Eat, Pray, Love“ bestückt.
Den Film mit dem gleichnamigen Titel finde ich übrigens ziemlich seicht. Obwohl die Idee das eigenen Leben zu überdenken und sich eine Auszeit zu nehmen, um zu den wesentlichen Dingen zurück zu finden, gar nicht schlecht ist. Ich habe den Eindruck, dass nicht nur wir, sondern so viele Menschen um uns herum so stark von ihrer Arbeit gefordert werden, dass für gutes Essen, für das bewusste Leben und die Zeit mit den Liebsten wirklich zu wenig Raum bleibt. Termine müssen oft monatelang im Voraus vereinbart werden, da man sonst keine Zeit füreinander findet.

Auch der Signore und ich sind mit der Rückkehr in die Schweiz in diesen Strudel geraten. Ob das auch daran liegen mag, dass wir aus Florenz, der Stadt des Rinascimento, der Künste und es Genusses, nach Zürich gezogen sind, kann ich nicht genau sagen. Zürich ist eine Stadt der Wirtschaft und des Handels, die stark vom Reformator Zwingli und seiner Haltung gegenüber der Arbeit geprägt wurde. Der Soziologe und Ökonom Max Weber hat sich bereits intensiv dieser Frage gewidmet (hier geht’s zum Wikipedia Artikel über seine Abhandlung der Protestantischen Ethik). Obwohl der Signore noch nie zuvor so viel geforscht hatte wie in Italien, kam der Genuss dabei nie zu kurz. Wenn er am Sonntag die Ergebnisse mit seinem Vorgesetzten besprechen musste, wurde das Ganze kurzerhand mit einem gemütlichen Barbecue im Garten verbunden (was im Fall vom Signores Capo ein Park mit dazugehöriger Villa und Pool war, was mir natürlich sehr gefiel).

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, den drei Zauberworten Essen, Beten und Lieben wieder mehr Gewicht und Platz einzuräumen, mich besser zu fokussieren, gut zu überlegen was wichtig ist und was nicht und Tempo aus unserem Leben zu nehmen. Obwohl wir Frauen uns gerne rühmen mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können, trifft das für mich definitiv überhaupt nicht zu. Wenn ich etwas gut machen will, dann muss ich mit ganzem Herz und Verstand bei dieser einen Sache sein.

Und nun wollt Ihr vielleicht noch wissen, was das denn mit Erdbeeren und Frappé zu tun hat? Weil ich so glücklich bin, dass man nun Schweizer Erdbeeren bekommt, beschloss ich daraus Eis zu machen. Ich war aber gleichzeitig mit tausend anderen Dingen beschäftigt, habe die Masse noch warm und zu früh in die Eismaschine gegeben und es kam, wie es kommen muss, sie ist mir kristallisiert. Danach hatte ich keine andere Wahl als das Ganze wider aufzutauen und mit Milch zu einem Frappé zu verrühren… Obwohl es für mich dann gar nicht so schlimm war, da es kein Getränk gibt, das mich so glücklich macht wie Erdbeer-Frappé. 

Für alle Nichtschweizer Leser: Frappé ist unser Wort für Milchshake. Und solltet Ihr etwas Erdbeereis oder besser noch frische Erdbeeren, Milch und nach Belieben eventuell etwas Rahm im Haus haben, dann könnt Ihr alle diese Sachen zusammen pürieren und habt ein wundervolles, leckeres Sonntagsdessert, das nach Milch, Erdbeeren und Glück schmeckt.

Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag und hoffe, dass Ihr auch fürs Wesentliche Zeit findet!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Ich mache Dinge auch nur dann gut, wenn ich mich darauf konzentriere. Nebenbei geht das nicht....
    Bin nicht sicher, ob das der reformatorische Gedanke ist. Eher tendiere ich dazu : Geld ist Macht , zu denken.....
    Erdbeeren mag ich am liebsten frisch. Frappé aus Erdbeeren geht gar nicht....
    Herzlichst
    yase

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  2. So sind die Geschmäcker verschieden;) Weber hat ja einfach die ökonomischen Folgen der Reformation beschrieben und ist heute ja auch nicht unumstritten. Mich beschäftigt in letzter Zeit einfach oft die Frage, wie lange und weit die Geschichte einer Stadt oder Gegend die Menschen in der Gegenwart beeinflusst... Ich glaube, dass dieser Punkt nicht unterschätzt werden darf!
    Herzlichst, Signora Pinella

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  3. Liebe Signora Pinella,
    ich liebe Erdbeer-Frappé und ich liebe den Film „Eat, Pray, Love“.
    Man kann auch mit ganz wenig, ganz glücklich sein und werden. Nach den Tod meiner Mutter genieße ich viel mehr. Den Duft der Rosen, das Lachen meiner Kinder, den Sonnenuntergang,ein gutes gesundes Essen...Es geht mir seither eigentlich viel besser und ich bemühe mich, nicht immer perfekt sein zu müssen, mich auf eine Sache zu konzentrieren, das Auto öfter stehen zu lassen und Geld nicht die Macht zu geben, die es hat!
    Dir von Herzen alles Liebe!
    Karen

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  4. Liebe Signora Pinella,
    den Film habe ich auch gesehen. Ich fand ihn auch etwas seicht, bin aber von dem Grundsatz angetan.
    Die Geschichte einer Stadt und ihrer Gegend beeinflusst den Menschen auf jeden Fall.
    Wenn man in sich hinein hört, kann man es selbst spüren. Die Hektik einer Großstadt macht etwas anderes mit mir als ein alte Stadt, wie zum Beispiel Siena. Das ist ein spannendes Thema.
    Liebe Grüße von Heike

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  5. Huhu, Frappe? Ich liebe ihn? Viel zu selten wird er hier in Deutschland richtig gemacht oder verstanden was man möchte ;) Tolles Thema hast du da mal angesprochen, sorry war ablenkt von den Leckereien :) Es ist immer schwierig den Mittelweg zu finden.....
    Liebste Grüße
    tascha
    taschasdailyattitude.blogspot.de

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  6. das ist wirklich ein wunderschöner Post und die Bilder sehr gelungen! Vermisse dich! Liebe Grüsse aus Wien! <3

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