Sonntag, 1. Mai 2016

Dann bin ich halt eine Tussi...

Heute beginnt der Monat, in dem ich hoffentlich ziemlich unauffällig und dezent die Zwanziger verlassen werden. Da ich mich oft noch wie ein Teenie fühle, kommt mir das noch etwas komisch vor. Ich gehöre auch zu den Menschen, die bei solchen Ereignissen etwas ins Grübeln kommen und gerne immer mal wieder Bilanz ziehen. Ich habe Euch bereits hier erzählt, was ich meinem kleinen „Ich“ sagen würde. Als ich den Text nochmal gelesen habe, fiel mir ein weiterer Satz ein, den ich der jungen Pinella sagen möchte und das kam so…
Wie alle Kinder wurde auch ich von den Menschen in meiner Umgebung fleissig bewertet und oft auch kritisiert. Bereits hier habe ich geschrieben, dass viel später in meinem Leben festgestellt habe, dass gerade Dinge, die ich eigentlich immer als eine Schwäche angesehen habe, später zu meinen grössten Stärken wurden. Als Kind habe ich verzweifelt versucht stiller zu werden und weniger zu sprechen. Heute bin ich froh, dass es nicht geklappt hat, weil aus meiner Freude an der Kommunikation und dem Interesse die Geschichten der Anderen zu hören mein Beruf wurde.

Ich musste mir es mir ebenfalls immer mal wieder gefallen lassen, dass man mich als „Tussi“ bezeichnete. Ja, mir waren Kleidung und mein äusseres Erscheinungsbild von ganz klein an wichtig. Das stimmt. Wie ich schon oft auf meinem Blog geschrieben habe, gab mir das seit jeher ein Gefühl der Ordnung und des Respektes gegenüber mir selber. Dass ich dafür beurteilt und öfter noch verurteilt wurde, tat mir weh.

Vielleicht hat sich der oder die eine oder andere von Euch lieben Leserinnen und Lesern auch schon solche Festlegungen und Beurteilungen anhören müssen?

Während meinem Studium musste ich einmal ein Referat über die Bedeutung von Wörtern halten. Was gibt einem Wort seine Macht? Dazu stellte ich ein Essay vor, in dem es um Rassismus ging. Die Autorin sagt, dass Wörter dann verletzen, wenn wir selber ihre negative Bedeutung anerkennen. Es ging dabei vor allem um die Bezeichnung von farbigen Menschen in den Vereinigten Staaten. Das Fazit war also, dass ein Wort oder eine Aussage nur dann negativ ist, wenn ich ihm als Bezeichnete diese Macht zugestehe…

Kürzlich fiel mir genau dieses Essay wieder ein. Es ist die Summe der Dinge, Eigenschaften, Fähigkeiten und auch Fehler und Schwächen, die uns zu einem einzigartigen Menschen machen. Für mich gehören meine Freude am Kochen und Essen, meine grosse Liebe zur Geschichte und zu royalen Hochzeiten, meine Begeisterung für natürliche Medizin (die der Signore ganz und gar nicht teilt, obwohl er dann doch jeweils dankbar für meine Leinsamen-Halswickel ist), aber auch meine Ängstlichkeit, mein oft zu viel Denken und mein Ungeduld halt einfach zu mir. Und wenn es mich als Ganzes komplett macht und den Menschen aus mir macht, den ich sein soll, dann bin ich halt eine Tussi!

Denn für mich bedeutet das, dass ich auf mich achte und mich selber dadurch wertschätze. Es bedeutet aber auch, dass ich andere ermutigen kann das Gleiche zu tun und sich wert zu schätzen. Über Schminke kann man diskutieren, das muss nicht per se sein. Aber sich selber gut zu pflegen und seinem Körper innerlich mit guter Ernährung und Äusserlich mit der richtigen Pflege Gutes zu tun ist ein urmenschliches Bedürfnis und für mich etwas sehr Wertvolles und Wichtiges. Und wenn „Tussi“ für genau das steht, dann trage ich diese Bezeichnung mit Stolz und Dankbarkeit!

Und wenn wir schon beim Thema sind: Bei Kiko gibt es im Moment eine wundervolle Limited Edition. Ich habe mir die Lip-Pencils davon gekauft und bin begeistert. Die Farben sind ein Traum und halten extrem lange. Auch der Fix’Make-Up-Spray von Clarins hat es mir angetan. Er duftet himmlisch nach Rosen und ich bilde mir ein, dass damit das Make-Up wirklich besser hält.

Heute habe ich Euch ein bisschen in mein Herz schauen lassen… Manchmal muss das sein. Ich hoffe, dass Ihr gerade am heutigen Tag ein bisschen Zeit findet, Dinge zu überdenken und Wörtern Eure eigene Bedeutung zu geben!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Liebe Signora und Sorella Pinella dein Post macht mich nachdenklich.... etwas hast du vergessen! Du bist eine liebevolle Schwester, Tochter und Frau und gehst mit deinen Mitmenschen sehr einfühlsam und aufmerksam um. Deine Liebe zu schönen Dingen ist bewunderswert! Lasse einfach das Zweifeln an dir selber sein, traue dir so viel zu, wie du es uns allen auch zutraust. Dann wirst du wahre Wunder erleben. Sei lieb zu deiner Seele. Und noch was, es würde mich schon interessieren, wie du das Wort "Tussi" definierst. Für mich bist du nämlich keines! Sondern einfach eine hübsche, adrette und gepflegte Frau. Herzlich, deine Sorella Anna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich meinte das eigentlich überhaupt nicht negativ, sondern wollte damit sagen, dass es unsere eigene Entscheidung ist, was für uns gilt und was nicht. Wie gesagt, ich wurde für das auf mich achten als Tussi bezeichnet und wenn das so ist, dann bin ich gerne eines! Wie bereits gesagt, Worte sind das, was wir ihnen zugestehen zu sein... Ich hoffe, dass nun klarer ist, was ich sagen wollte?!
      Hetzlichst, Signora Pinella

      Löschen
  2. Keine Ahnung, wie oft ich hörte: lach nicht so laut! Pfeiffe nicht! Klettere nicht in Bäume, sei nicht so neugierig..... Wie oft genau ich mich über mein überlautes, viel zu wirbeliges, und in alles Dimensionen ausuferndes Wesen geschämt habe. Es vergingen viele Jahre, bis ich verstand und akzeptieren konnte, dass ich so, wie ich bin, gut und richtig bin.
    Ja, ich lache gerne, man kann das schon mal hören ☺️, Summen oder Pfeiffen kann ich immernoch, gerne während einer alltäglichen Arbeit. Wirbelig ist mein zweiter Vorname, und das, was man Neugier nannte, ist im Grunde mein aktives und tiefes Interesse am Andern. Deswegen gibt es heute Menschen, die mich sehr gern haben.
    Es ist ein Weg, zu sich selber.
    Deine Worte helfen mir einmal mehr, besser über meine Worte nachzudenken, bevor ich etwas sage. Weil jeder Worte mit anderen Werten besetzt.
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  3. Wie gäbig ist es doch, eine Person als Tussi abzustempeln und in einer Schublade zu versorgen...
    Ob du dich als Tussi fühlst, kommt drauf an, welchen Wert du dem Wort gibst, genau so wie dus beschreibst. Vielleicht hat deine Erkenntnis, das auch positiv zu sehen, auch mit deiner Reife und deinem Älterwerden zu tun? In dem Sinne ist es auch nicht "schlimm", wenn du die Zwanziger verlässt. Die Dreissiger fägen nämlich auch sehr (abgesehen die 40er bis jetzt auch ;-)).
    Solange du dich mit dir so wohl fühlst, ist es doch einfach schön, da zu sein.
    Geniess es! Liebe Grüsse Simone

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Signora,
    der Name Tussi steht eigentlich für eine hübsche attraktive Frau (ich habe auch eine Bekannte mit den Namen Tusnelda, Spitzname Tussi) und ich kann da nichts negatives entdecken! Wer möchte nicht hübsch, attraktiv und gepflegt sein.
    Ich bin gerne eine tussige, starke, selbstsichere Frau, die weiß was sie will. Die fest mit beiden Beinen am Boden steht und so machen Sturm stand hält.
    Und nach deinen Posts zu schließen du auch, da bin ich mir ganz sicher!

    Sei du selbst!
    Alle anderen sind bereits vergeben!
    (Oskar Wilde)

    Alles Liebe
    Karen

    AntwortenLöschen