Montag, 30. Mai 2016

Paradiesisches Meran...

Kürzlich erhielt ich eine wundervolle Einladung zu einer Reise ins Meraner Land. Wie ich Euch bereits mehrmals erzählt habe, kommen meine Vorfahren aus dem Südtirol und daher habe ich mich riesig über die Gelegenheit gefreut, mir diese Gegend einmal gründlich ansehen zu dürfen. 
Die Kuraufenthalte der Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sissi, auf dem Schloss Trauttmansdorff begründeten im 19. Jahrhundert Merans Ruf als Kurstadt. Das milde Klima und die üppige Vegetation machen die Stadt zum mediterranen Zentrum des Südtirols. Nicht nur aufgrund der Kurgäste aus aller Welt, sondern auch wegen ihrer bewegten Geschichte gelten die Südtiroler als weltoffen. Ich war beispielsweise schwer beeindruckt davon, wie mühelos zwischen der deutschen und der italienischen Sprache hin und her gewechselt wurde.

Aus dem Zusammenleben der deutschen und italienischen Volksgruppen entsteht ein besonderes Lebensgefühl, das sich im Alltag widerspiegelt. Besonders in der Küche des Südtirols vereinen sich die besten Eigenschaften der alpenländischen und der mediterranen Kochkultur.

Meran besticht durch ein reiches kulturelles Angebot und durch die grosszügig angelegte Badelandschaft der Therme Meran. Gleichzeitig können von dort in kurzer Zeit die umliegenden Täler und Berge erreicht werden. Sie laden nicht nur zu Wanderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, sondern auch zum Entdecken und Geniessen der alpinen Bräuche, der Gastlichkeit und der intakten Natur ein. Auf www.meranerland.com findet Ihr alle wichtigen Informationen über die Region und die verschiedenen Angebote.

Von der Schweiz aus ist das Südtirol bequem mit dem ÖV oder mit dem Auto unter anderem Via Zernez über den Nationalpark, Müstair und Mals zu erreichen.

Obwohl ich fast nicht weiss, wo ich anfangen oder besser gesagt aufhören soll, habe ich versucht eine Liste meiner Favoriten aus dem Meraner Land zusammen zu stellen.

1.     1. Meran als Stadt selber hat mich wirklich verzaubert. Irgendwie liegt immer noch der Glanz des österreichischen Kaiserhofes über der Stadt. Zusätzlich ist diese zweisprachige Mischung aus Deutsch und Italienisch genau nach meinem Geschmack. Dazu kommt, dass Meran nicht nur ein Shoppingparadies ist, sondern auch kulturell viel zu bieten hat (dafür blieb leider etwas wenig Zeit, aber ich werde das sicher ganz bald bei einem weiteren Meranbesuch nachholen).

2.      2. Die bereits erwähnt, hat es mir die Küche des Südtirols extrem angetan. Diese Mischung aus deftigem Essen mit der mediterranen Küche ist einfach einmalig. Ich hätte den ganzen Tag nur essen können. Dazu kommt, dass viel Wert auf den Erhalt der ursprünglichen Produkte gelegt wird. So bekommt man zum Beispiel überall das wirklich gute, getrocknete Schüttelbrot zum Essen serviert. Im Laden „Pur Südtirol“ konnten wir uns dann vor der Heimreise nochmal mit Produkten aus dem Meraner Land eindecken. Solltet Ihr nach Meran reisen, ist ein Besuch im „Pur Südtirol“ eigentlich Pflicht. Hier findet Ihr mehr Informationen dazu: www.pursuedtirol.com Sollte ich Euch jetzt neugierig gemacht haben, gibt es via den Onlineshop die Möglichkeit Produkte in die Schweiz oder nach Liechtenstein liefern zu lassen.

3.      3. Zur Küche des Südtirols gehören natürlich auch die erstklassigen Weine aus diesem Gebiet. Bei einer Führung und anschliessenden Degustation in der Kellerei Meran hatte ich die Gelegenheit die besten Tropfen aus dieser Region zu probieren. Unter www.kellereimeran.it findet Ihr weitere Informationen über die Produkte und die Öffnungszeiten der genossenschaftlich organisierten Kellerei.

1.      4. Nicht nur Meran selber, sondern auch die Gegend darum herum gefiel mir wahnsinnig gut. Besonders beeindruckt war ich vom Ultental, wo ich die Bäuerin und Vordenkerin Traudl Schwienbacher kennen lernen durfte. Über sie gibt es so viel zu erzählen, dass ich ihr dann noch einen eigenen Beitrag widmen will. Aber auch das Mittagessen bei Sepp und Liesi am Falschauerhof im Ultental war wiederum ein Gedicht. Lisi kocht ausschliesslich mit Produkten vom Hof und ich konnte mein Glück über das gute Essen, das uns in einer alten Holzstube auf einem mit weissem Leinen gedeckten Tisch serviert wurde fast nicht fassen. 
Ihr seht, ich komme aus dem Schwärmen nicht raus. Irgendwie war es für mich auch ein bisschen eine Reise zu meinen Wurzeln und ich will auf jeden Fall so bald wie möglich wieder zurück und hoffe, dass ich auch Euch diese Gegend schmackhaft machen konnte!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Sonntag, 22. Mai 2016

Die Feste feiern, wie sie fallen…

Aktuell werden rund um mich herum runde Geburtstage gefeiert. Das ist vermutlich normal, denn wenn man Freunde im gleichen Alter hat, dann summieren sich die Feste. Mama Pinella hat immer wieder zu uns gesagt, man solle die Feste feiern, wie sie fallen. Sie hielt nichts von nachgeholten Feiern und hat dementsprechend versucht jeden Geburtstag für uns Kinder besonders zu gestalten. Aber von ihren Geburtstagstischen, Blumen und Geschenken habe ich Euch ja schon oft erzählt. Nun feierte letzte Woche die kleine Schwester vom Signore ihren 30. Geburtstag und ist damit wohl definitiv nicht mehr so klein. Und weil der Signore ihr eine Rede vorbereitet hatte, habe ich ihm passend dazu eine Geburtstagstorte für seine Sorella vorbereitet.
Ich muss dazu ganz ehrlich gestehen, dass ich einfach alle Elemente, die meine Traumtorte haben sollte, in diese Torte eingebaut habe. Erdbeeren, viel Rahm, helles Biskuit, Mandeln, viel Rosa, etwas Limoncello und goldene Perlen.

Auf der Feier wurde ich dann von verschiedenen Leuten darauf angesprochen, dass das doch schrecklich aufwändig und schwierig sei, eine solche Torte zu backen.

Daher habe ich spontan entschieden ein paar Tortenbacktipps für Euch aufzuschreiben.

Der Biskuit: Nehmt Euch zum Backen des Biskuits genügend Zeit, ein gutes Rezept (wie zum Beispiel das hier) und berechnet die Menge sorgfältig anhand der Grösse Eurer Backform. Denn wenn die Torte etwas hermachen soll, kann es gut sein, dass Ihr eine doppelte Menge Teig machen müsst.

Weil die Torte zweistöckig werden sollte, habe ich mit Rahmfestiger und Pulvergelatine dafür gesorgt, dass die Füllung nicht in sich zusammenfällt. Dazu habe ich 500 Gramm Erdbeeren im Blender mit zwei Esslöffeln Zucker gemixt. Dann habe ich zwei Päckchen Pulvergelatine dazu gegeben. Gleichzeitig habe ich 7dl Rahm mit 6 TL Sahnesteiff geschlagen, dem ganzen noch etwas rote Lebensmittelfarbe hinzugefügt, damit die Torte schön Rosa wird und habe dann den Rahm und die Erdbeermasse gut vermischt. So bekam ich eine schöne Basis für die Füllung und den Überzug der Torte.

Damit die Torte schön feucht bleibt, habe ich 3 Esslöffel Limoncello mit 5 Esslöffeln Wasser vermischt und jede Biskuit-Schicht damit beträufelt, bevor ich sie mit fein geschnittenen Erdbeeren und zum Schluss mit der Rahmmasse bestrichen habe.

 Ich habe den oberen- und unteren Tortenteil zuerst getrennt voneinander ausgearbeitet, damit zum Beispiel auch der Rand mit den Mandelplättchen schön aussieht. Danach habe ich den unteren Teil auf die Tortenplatte gegeben und den oberen sorgfältig darauf gesetzt. Das Ganze stellte ich einige Stunden in den Kühlschrank, damit sich die Torte etwas setzten konnte.

Zum Schluss habe ich die Torte mit Erdbeeren, echten Rosen und Goldperlen garniert. Ihr wisst ja, für mich geht nichts über Tortendeko mit echten Blumen (hier habe ich Euch erzählt, wie man die Blumen dafür haltbar machen kann).

Ihr seht, Tortenbacken braucht zwar etwas Zeit und Geduld, ist aber eigentlich gar nicht so schwer. Und weil man die Feste feiern soll, wie sie fallen, mache ich mich nun an die Vorbereitung meines eigenen grossen Tages… Ich werde Euch davon berichten und wünsche Euch einen wundervollen, rosaroten, zuckersüssen Sonntag!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Montag, 16. Mai 2016

Passeggiata durch Locarno…

Dass der Signore und ich immer mal wieder Heimweh oder eben Nostalgia nach Italien haben, sollte Euch bekannt sein. Da trifft es sich wunderbar, dass die Mama vom Signore sich kürzlich eine Ferienwohnung im Tessin zugelegt hat (hier habe ich bereits darüber berichtet). So fahren der Signore und ich nun regelmässig in den italienischsprachigen Teil der Schweiz und stellen uns vor, dass wir wieder in Italien wären. Ich fühle mich dann jeweils unsagbar inspiriert – vor allem auch kulinarisch – und das hat wiederum für Euch liebe Leserinnen und Leser den Vorteil, dass mir hier auf dem Blog die Inspirationen aus dem Süden nicht ausgehen. So nehme ich Euch heute mit auf eine Passeggiata durch Locarno.
Wir beginnen unseren Spaziergang am See und wenn etwas Zeit übrig bleibt, dann geniessen wir die Bäderwelten und den Blick über den See im Lidospa (im Moment ist es aber geschlossen, da es bis im September revidiert wird). Hier gibt es mehr Informationen dazu: http://www.lidospa-locarno.ch/

Nach dem Baden geht’s zum Kaffeetrinken auf die Piazza Grande, wo den ganzen Sommer über verschiedenen Festivals stattfinden. Mir kommt es sehr gelegen, dass direkt an der Piazza Grande verschiedene Warenhäuser sind. Ich stöbere besonders gerne durch deren Haushaltsabteilung und habe dabei einige wundervolle Bücher mit Rezepten aus der Tessinerküche entdeckt. Aber dazu gleich noch mehr.

Sowieso kommt jetzt langsam der Hunger und deshalb geht es von der Piazza aus weiter in die Altstadt ins wundervolle Restaurant „Cittadella“. Dort bekommt der Liebhaber der italienischen Küche alles was sein Herz begehrt und erst noch in hervorragender Qualität und im stimmungsvollen Ambiente serviert. Weitere Informationen dazu gibt es unter http://cittadella.ch/de/

Und für alle diejenigen, die jetzt nicht die Möglichkeit haben postwendend zu einem leckeren Essen ins Tessin zu fahren, hier ein Rezept für ein wirklich leckeres, italienisches Essen. Inspiriert dazu wurde ich von einem Rezept vom Blog www.zumfressngern.ch Die Autorin ist eine wahre Kochmeisterin, scheut sich nicht vor ausgefallenen Sachen und gibt mir immer wieder den Anstoss Neues zu probieren. Sie hat unsagbar leckere Ziger-Gnocchi gemacht (hier geht’s zum Rezept und Ihr findet viele wichtige Informationen zum Thema Ziger bzw. Ricotta). Ich habe das Ganze etwas modifiziert und angepasst (weil ich einfach sehr gerne Kartoffeln mag und die für mich unbedingt in Gnocchi rein gehören, dafür habe ich komplett auf die Eier verzichtet) und daraus wurden „Ricotta-Gnocchi à la Signora Pinella“.

Zutaten (wenn Ihr es als Primo Piatto serviert, reicht dieses Rezept für vier Personen, als Hauptgang würde ich die doppelte Menge machen): 400g mehlig kochende Kartoffeln, 120g Ricotta, 100g Mehl, Salz, Muskatnuss.

Zubereitung: Zuerst die Kartoffeln schälen, in kleine Würfel schneiden und im Salzwasser weichkochen, das Wasser abgiessen und die Kartoffeln auskühlen lassen. Die ausgekühlten Kartoffeln mit der Gabel oder dem Kartoffelstampfer zerdrücken, den Ricotta, das Mehl, Salz und gemahlener Muskatnuss dazu geben und alles zu einem homogenen Teig verkneten. Diesen zu langen Teigwürsten ausrollen, in kleine Teile schneiden und daraus runde Kugeln formen. Die Gnocchi werden nun in heisses Wasser nicht mehr ganz kochendes Wasser gegeben (wenn das Wasser noch kocht, neigen die Kugeln dazu zu zerfallen). Wenn sie obenauf schwimmen, sind sie bereit, können mit der Schöpfkelle aus dem Wasser gefischt und mit Salbeibutter (dazu einfach Salbei in heisser Butter andünsten) oder mit einer mediterranen Sauce aus Tomaten, Zucchini und Auberginen (ich habe mich hier für diese Variante entschieden) serviert werden.

Das Besondere an diesem Rezept ist der Ricotta (der in der Schweiz Ziger genannt wird). Er gibt dem Rezept einen spannenden Twist und ist ein gesunder Eiweisslieferant (wenn Ihr die Gnocchi also als Hauptgang serviert, braucht Ihr gar kein Fleisch mehr dazu).
Und nun habe ich schon wieder Hunger… Das passiert mir immer, wenn ich Rezepte für Euch aufschreibe;) Ich denken aber, dass es wirklich gut und wichtig ist, dem Essen genügend Zeit zu widmen. Kürzlich habe ich mir auf Netflix die vierteilige Serie „Cooked“ angesehen. Auch da wurde betont, wie viel gesünder Essen für uns Menschen ist, das aus frischen Zutaten zubereitet wurde. Dazu kommt, dass ich den sozialen Aspekt vom gemeinsamen Kochen und Essen extrem mag. Die besten Gespräche ergeben sich immer beim Essen oder wenn man danach zufrieden und glücklich und mit vollem Bauch zusammen sitzt und über Gott und die Welt spricht.

Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche und viel Zeit und Energie fürs Kochen und Essen!

Herzlichst, Eure Signora Pinella  

Donnerstag, 12. Mai 2016

Nur fünf Minuten...

Die Kelten gaben ihre Geschichten und ihr Wissen nur mündlich weiter, weil sie dachten, dass sie ihre Magie verlieren würden, wenn sie in geschriebene Worte gebannt würden. Ich finde die Kelten ja durchaus faszinierend, aber diese Haltung gegenüber dem Schreiben kann ich nicht verstehen. Ich liebe Bücher und das geschriebene Wort - ja, fast so sehr wie den Signore;) 
Wenn ich lese, nehme ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr wahr, was um mich herum passiert. Ich beginne mich zu vergessen und lebe nur noch in der Welt zwischen den Buchdeckeln. Wenn der Signore und ich in die Ferien gehen, legen wir oft Lesetage ein. Ich habe das Glück, dass mein Mann Bücher genau so mag wie ich und oft tauschen wir sie nach dem Lesen direkt aus und unterhalten uns ausgiebig darüber. 

Wenn ich nicht so viel Zeit habe, sind Koch- und Sachbücher, die ich in kleinen Etappen lesen kann, die perfekte Lösung für mich. Sie inspirieren mich und helfen mir beim Abschalten. Im Moment befinde ich mich gerade wieder so in einer Phase, die einfach sehr intensiv ist und viel von mir abverlangt. Zeiten ganz alleine mit einem Buch sind für mich dann der allergrösste Luxus.

Neu habe ich für mich ein Buch entdeckt, welches zwar nicht viel Text und noch weniger Bilder hat, einem aber trotzdem sehr gut tut und das ist das „The Five Minute Journal“. Hier erfahrt Ihr mehr darüber. Das gibt es übrigens nicht nur als Buch, sondern auch als App. 

Die Idee dieses Journals ist, dass man sich jeden Morgen und jeden Abend fünf Minuten Zeit nimmt und ein paar Fragen beantwortet. Am Morgen schreibt man sich drei Dinge auf, für die man dankbar ist und drei Dinge, die man tun will, um den Tag gut zu meistern und man überlegt sich einen Leitsatz für den Tag. Am Abend nimmt man das Buch nochmal zur Hand und schreibt drei wundervolle Dinge auf, die an diesem Tag passiert sind. Ich mag ehrlich gesagt die App noch lieber als das Buch, weil ich oft unterwegs bin, mich die App aber an das Ausfüllen erinnert und ich es so nie vergesse. Oft spreche ich dann auch mit dem Signore darüber und es fallen uns im Gespräch dann noch viel mehr Dinge ein, für die wir dankbar sind. 

Dieses bewusste Aufschreiben und Festhalten des Guten ist für uns in ganz kurzer Zeit zu einem schönen und wichtigen Ritual geworden. Und da können die Kelten noch tausendmal sagen, dass man Geschichten nicht zwischen Buchdeckeln einsperren sollte. Mir tut es gut, wenn ich das mache und es erinnert mich an die schönen Dingen und ans Dankbar sein!

Ich hoffe, dass ich Euch eine kleine Inspiration zum Abschalten und Festhalten des Schönen geben konnte! Ich bin davon so begeistert, dass ich es einfach mit Euch teilen musste…

Herzlichst, Eure Signora Pinella 

Donnerstag, 5. Mai 2016

Mörderisches Florenz...

Es gibt einen Ort in Florenz, den ich Euch bisher vorenthalten habe: Es ist die Gegend „Oltrarno“ – also der wundervolle Teil der Stadt Florenz auf der anderen Seite des Flusses. Vom Stadtzentrum her erreicht man „Oltrarno“ am schnellsten über die Ponte Vecchio (auch über diese Brücke will ich jetzt dann unbedingt mal noch schreiben). An trüben kalten Wintertagen hat diese Seite von Florenz etwas sehr Mystisches und ganz selten sogar ein bisschen etwas Unheimliches. Deshalb habe ich passend dazu eine Auswahl an Florenz-Krimis und sogar eine wahre Gruselgeschichte für Euch.
Solltet Ihr mal nach Florenz kommen, müsst Ihr Euch unbedingt Zeit für einen Spaziergang auf der anderen Seite des Arnos nehmen. Mich zieht es immer in den Giardino Bobboli. Dieser Park gehört zum Pallazzo Pitti, den sich die Medici Familie bauen liess, weil sie nicht mehr im Palazzo Vecchio wohnen wollten. Auch der Palazzo Pitti ist ein Besuch wert.

Mich begeistern aber besonders die engen Gassen und die alten Häuser „Oltrarno“. Die Stadt hat auf dieser Seite ein anderes Tempo. Auf http://www.firenze-oltrarno.net/deutsch/ findet Ihr viele gute und interessante Informationen zum Stadtteil auf der anderen Seite des Flusses.

Oltrarno muss ich aber auch immer an den Maresciallo Salvatore Guarnaccia aus den Büchern von Magdalen Nabb denken. Das Büro der Carabinieri befindet sich in diesen Krimis direkt beim Palazzo Pitti. Die britische Autorin Nabb hat lange in Florenz gewohnt und ist 2007 auch dort gestorben. 14 Fälle lässt sie den Maresciallo in und rund um Florenz lösen. Ob sein Büro immer noch Oltrarno liegt, das weiss ich nicht sicher. Denn vor einigen Jahren wurde im Norden der Stadt in der Nähe des Industriegebietes ein riesiger Neubau für die Carabinieri errichtet. Ausgebildet werden sie aber übrigens immer noch in einer Kaserne nahe vom Arno (nicht  Oltrarno, sondern ganz in der Nähe von meinem geliebten Mercato Sant‘ Ambrogio) und jeden Morgen wenn ich in die Sprachschule gegangen bin, kamen mir eine Gruppe junger (das gutaussehend schreibe ich in Klammern, weil der Signore hier mitliest) künftiger Carabinieri beim Morgensport entgegen gejoggt…

Die Zeiten vom Gutaussehen sind bei Guarnaccia definitiv schon eine Weile vorbei. Er hat mit seinem Übergewicht kämpfen und wird deshalb immer wieder von seiner Frau ermahnt, als gebürtiger Sizilianer tut er sich mit den Florentinern etwas schwer, er bezeichnet sich selber als etwas langsam im Kopf und löst seine Fälle trotzdem immer meisterhaft, nicht ohne vorher genügend Spannung zu erzeugen. Die Bücher gibt es nicht nur gedruckt, sondern auch gelesen als Hörbuch. Obwohl Magdalen Nabb Britin ist, hat sie Florenz und seine Lebenswelten sehr gut erfasst und beschrieben. Hier findet Ihr weitere Informationen zur Autorin und ihren Büchern.

In seinem zehnten Fall widmet sich der fiktive Charakter Guarnaccia übrigens einer Mordserie, die sich tatsächlich zwischen den Jahren 1968 und 1985 in Florenz ereignet hat. Da die Geschichte wirklich grausig ist und mir alleine der Name „Das Monster von Florenz“, unter dem der Mörder bekannt wurde, ein Schauer über den Rücken jagt, erspare ich Euch hier die Details. Ihr könnt Sie ein bisschen abgeschwächt bei Magdalena Nabb im Buch „Das Ungeheuer von Florenz“ nachlesen. Solltet Ihr stärkere Nerven haben, kann ich Euch auch das Buch „Die Bestie von Florenz“ von Douglas Preston empfehlen. Dieses Buch soll übrigens laut Wikipedia mit George Clooney in der Hauptrolle verfilmt werden. Ich habe mich auf Nabbs Version beschränkt, während sich der Signore die ganz harten Fakten von Douglas Preston angetan hat. Das ist ja zum Glück freiwillig.
Vielleicht habt Ihr ja gerade an diesem freien, verlängerten Wochenende etwas Zeit zum Lesen? Ich habe mich wieder etwas um die Gestaltung des Blogs gekümmert und die einzelnen Rubriken (Kontakt, Reisen, Inspirationen usw.) mit Bildern versehen, welche die wundervolle Jennifer März (hier geht’s zu ihrer Website) gemacht hat. Sie ist eine unsagbar begabte Fotografin und ein sehr liebenswürdiger Mensch. Solltet Ihr also auf der Suche nach einer wirklich guten Fotografin sein, dann seid Ihr bei ihr an der richtigen Adresse. Sie reist übrigens gerne und viel und ist daher fast überall für Shootings zu haben!

Da dieser Post sonst unendlich lang wird, höre ich jetzt auf. Danke übrigens auch für Eure Rückmeldungen zu meinem letzten Beitrag. Manchmal juckt es mich einfach ehrlich zu sein und zu sagen, was mich bewegt…

Herzlichst, Eure Signora Pinella 

Sonntag, 1. Mai 2016

Dann bin ich halt eine Tussi...

Heute beginnt der Monat, in dem ich hoffentlich ziemlich unauffällig und dezent die Zwanziger verlassen werden. Da ich mich oft noch wie ein Teenie fühle, kommt mir das noch etwas komisch vor. Ich gehöre auch zu den Menschen, die bei solchen Ereignissen etwas ins Grübeln kommen und gerne immer mal wieder Bilanz ziehen. Ich habe Euch bereits hier erzählt, was ich meinem kleinen „Ich“ sagen würde. Als ich den Text nochmal gelesen habe, fiel mir ein weiterer Satz ein, den ich der jungen Pinella sagen möchte und das kam so…
Wie alle Kinder wurde auch ich von den Menschen in meiner Umgebung fleissig bewertet und oft auch kritisiert. Bereits hier habe ich geschrieben, dass viel später in meinem Leben festgestellt habe, dass gerade Dinge, die ich eigentlich immer als eine Schwäche angesehen habe, später zu meinen grössten Stärken wurden. Als Kind habe ich verzweifelt versucht stiller zu werden und weniger zu sprechen. Heute bin ich froh, dass es nicht geklappt hat, weil aus meiner Freude an der Kommunikation und dem Interesse die Geschichten der Anderen zu hören mein Beruf wurde.

Ich musste mir es mir ebenfalls immer mal wieder gefallen lassen, dass man mich als „Tussi“ bezeichnete. Ja, mir waren Kleidung und mein äusseres Erscheinungsbild von ganz klein an wichtig. Das stimmt. Wie ich schon oft auf meinem Blog geschrieben habe, gab mir das seit jeher ein Gefühl der Ordnung und des Respektes gegenüber mir selber. Dass ich dafür beurteilt und öfter noch verurteilt wurde, tat mir weh.

Vielleicht hat sich der oder die eine oder andere von Euch lieben Leserinnen und Lesern auch schon solche Festlegungen und Beurteilungen anhören müssen?

Während meinem Studium musste ich einmal ein Referat über die Bedeutung von Wörtern halten. Was gibt einem Wort seine Macht? Dazu stellte ich ein Essay vor, in dem es um Rassismus ging. Die Autorin sagt, dass Wörter dann verletzen, wenn wir selber ihre negative Bedeutung anerkennen. Es ging dabei vor allem um die Bezeichnung von farbigen Menschen in den Vereinigten Staaten. Das Fazit war also, dass ein Wort oder eine Aussage nur dann negativ ist, wenn ich ihm als Bezeichnete diese Macht zugestehe…

Kürzlich fiel mir genau dieses Essay wieder ein. Es ist die Summe der Dinge, Eigenschaften, Fähigkeiten und auch Fehler und Schwächen, die uns zu einem einzigartigen Menschen machen. Für mich gehören meine Freude am Kochen und Essen, meine grosse Liebe zur Geschichte und zu royalen Hochzeiten, meine Begeisterung für natürliche Medizin (die der Signore ganz und gar nicht teilt, obwohl er dann doch jeweils dankbar für meine Leinsamen-Halswickel ist), aber auch meine Ängstlichkeit, mein oft zu viel Denken und mein Ungeduld halt einfach zu mir. Und wenn es mich als Ganzes komplett macht und den Menschen aus mir macht, den ich sein soll, dann bin ich halt eine Tussi!

Denn für mich bedeutet das, dass ich auf mich achte und mich selber dadurch wertschätze. Es bedeutet aber auch, dass ich andere ermutigen kann das Gleiche zu tun und sich wert zu schätzen. Über Schminke kann man diskutieren, das muss nicht per se sein. Aber sich selber gut zu pflegen und seinem Körper innerlich mit guter Ernährung und Äusserlich mit der richtigen Pflege Gutes zu tun ist ein urmenschliches Bedürfnis und für mich etwas sehr Wertvolles und Wichtiges. Und wenn „Tussi“ für genau das steht, dann trage ich diese Bezeichnung mit Stolz und Dankbarkeit!

Und wenn wir schon beim Thema sind: Bei Kiko gibt es im Moment eine wundervolle Limited Edition. Ich habe mir die Lip-Pencils davon gekauft und bin begeistert. Die Farben sind ein Traum und halten extrem lange. Auch der Fix’Make-Up-Spray von Clarins hat es mir angetan. Er duftet himmlisch nach Rosen und ich bilde mir ein, dass damit das Make-Up wirklich besser hält.

Heute habe ich Euch ein bisschen in mein Herz schauen lassen… Manchmal muss das sein. Ich hoffe, dass Ihr gerade am heutigen Tag ein bisschen Zeit findet, Dinge zu überdenken und Wörtern Eure eigene Bedeutung zu geben!

Herzlichst, Eure Signora Pinella