Sonntag, 3. Januar 2016

Casa di Giulietta oder warum ich keine Dramen mag...

Grosse Liebesgeschichten vermögen mich ja durchaus zu faszinieren. Für eine der grössten und bekanntesten konnte ich mich bisher jedoch nicht begeistern: Für Julia und Romeo (ja, bei Shakespeare geht es den anderen Weg rum, aber seien wir ehrlich, das ist einfach unhöflich und das sind die Italiener nicht). Trotzdem wollte ich bei unserem Besuch in Verona vor einigen Wochen (hier habe ich bereits darüber berichtet) unbedingt die Häuser sehen, wo angeblich die Familien Capulet und Montague gewohnt haben. Heute nehme ich Euch dahin mit. Auch deshalb, weil ich selber schrecklich neugierig war und wissen wollte, wo Julia und ihr Romeo gelebt, geliebt und gelitten haben, und ich vermute, dass es viele von Euch auch interessieren könnte.
Ich habe bereits etliche Versionen des Dramas gesehen, welches William Shakespeare im Jahre 1597 schrieb. Und ich habe mich wirklich bemüht diese tragische Liebe zu verstehen. Aber irgendwie bin ich dafür einfach zu pragmatisch… Sicher lässt einem der Liebeskummer dumme Dinge tun, aber sich deshalb gleich zu vergiften oder in ein Schwert zu stürzen finde ich reichlich übertrieben. 

Kurz zur Erklärung für alle diejenigen, denen der Stoff nicht mehr ganz präsent ist: Die Familien Capulet und Montague leben in Verona und sind verfeindet. Ihre Kinder Julia und Romeo verlieben sich und werden heimlich von einem Mönch getraut, obwohl Julia einen anderen Mann heiraten sollte. Damit sie der Hochzeit entgehen kann, erhält sie vom Mönch einen Trank, der sie in einen todesähnlichen Schlaf versetzt. Romeo weiss von alle dem nichts, da er aus der Stadt verbannt wurde, weil er seinen besten Freund, der von einem Capulet umgebracht wurde, gerächt und den Täter erstochen hat. Als Romeo zurück in die Stadt kommt, findet er Julia in der Gruft, wo sie immer noch in todesähnlichem Schlaf liegt, bis die Wirkung des Trankes nachlässt. Romeo denkt, dass sie tot sei, trinkt seinerseits einen richtigen Gifttrank und stirbt. Derweilen erwacht Julia, sieht den sterbenden Romeo und stürzt sich aus lauter Verzweiflung in das Schwert ihres Geliebten. Fertig.

Ja, diese Geschichte ist ganz und gar nicht erbauend. Trotzdem wurde das Haus der Familie Capulet zur Pilgerstätte für verzweifelte Verliebte. Dass es die unglücklich Liebenden je gab, ist historisch übrigens nicht belegt. Bekannt wurde das Haus der Julia auch durch den Film „Letters to Juliet“, in dem ein Paar nach Jahrzehnten wieder zusammenfindet, nachdem eine junge Journalistin im Namen der „Sekretärinnen der Julia“ einen Brief beantwortet hat, den die mittlerweile alte Frau als junges Mädchen an Julia geschrieben und in die Wand ihres Hauses gesteckt hatte. Hier geht‘s zum Filmtrailer.
Weil bei unserem ersten Besuch gerade ein chinesisches Filmteam beim Haus der Julia einen Film drehte und die Szenerie reichlich unromantisch war, musste der Signore am nächsten Tag nochmal mit mir dorthin. Im sonnigen Morgenlicht und ohne Filmteam gefiel mir dann der Innenhof mit dem Balkon (der übrigens erst Anfang letzten Jahrhunderts dort angebracht wurde und ursprünglich ein Sarkophag war) viel besser.

Das Haus des Romeos liegt nur wenige Minuten vom Haus der Julia entfernt, ist aber wesentlich weniger gut besucht. Es wirkt auch reichlich düster und passt gut zu meiner Vorstellung von blutrünstigen Veroneser Familien. Aber eben, auch ich bin aus purer Neugierde dahin gegangen und wollte sehen, wo sich das Drama angeblich abgespielt hat. Romantisch gestimmt hat es mich aber ganz und gar nicht. Da finde ich beispielsweise die Komödie „Was ihr wollt“ von Shakespeare wesentlich unterhaltsamer und vergnüglicher. Offenbar sorgen tragische Geschichten aber einfach für mehr Aufmerksamkeit (hier habe ich Euch bereits von der Julia aus Florenz erzählt, die aber Beatrice heisst).

Einzig der Gedanke gefällt mir, dass unglücklich Verliebte einen Ort haben, an dem sie ihr Herz ausschütten können. Das ist schön. Da Verona nicht riesig ist und man bei einem Bummel durch die Innenstadt sowieso daran vorbei kommt, könnt Ihr Euch die Häuser an der Via Cappello 23 und an der Via della Arche Scaligere 2-3 gerne ansehen.

Und auch wenn er schrecklich kitschig ist, der Film „Letters to Juliet“ macht einem wesentlich glücklicher als „Romeo und Julia“ im Original. Die männliche Hauptfigur im Film sagt einmal, dass er einfach auf den Balkon gestiegen wäre und Julia mitgenommen hätte, anstatt darunter herum zu säuseln. Fazit des Filmes ist es dann auch, dass es für wahre Liebe nie zu spät ist. Das gefällt mir viel besser. Ich finde es wichtig, an die Liebe zu glauben, seinen Lieben zu sagen, dass man sie gerne hat und dem Ganzen dann aber auch Taten folgen zu lassen.

Verona hat übrigens noch viel mehr zu bieten als Dramen und Tragödien und ist wirklich eine Reise wert. Mir hat die Stadt sehr gefallen und solltet Ihr einmal die Gelegenheit haben dorthin zu fahren, müsst Ihr es unbedingt tun.
Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche und hoffe, dass Ihr wahre Liebe findet oder bereits gefunden habt und von Liebeskummer verschont bleibt! Und nun muss ich aufhören zu schreiben, weil der Post schon viel zu lang ist und ich dem Signore jetzt einen dicken Kuss geben will;)

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. Ich finde die italienische Version des Musicals „Romeo e Giulietta“ sehr gelungen und bisher fast die beste Umsetzung des Stoffes, die ich kenne. Hier bekommt Ihr einen kleinen Einblick (diese Szene lässt einemauch erahnen, warum das Stück eben keine Komödie sondern ein Drama ist...).

Kommentare:

  1. Auf dem Balkon stand ich auch schon...
    Annette

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    1. Da hast Du mir etwas voraus! Bis dahin hab ichs nicht geschafft;)
      Herzlichst, Signora Pinella

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  2. Im Grunde mag ich Opern ja sehr. Aber leider enden die fast immer mit mehreren Toten.... Shakespeare
    Blieb mir erspart. Aber Verona wäre doch schön, mal zu sehen
    Herzlichst
    yase

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    1. Genau. Verona ist wirklich eine Reise wert!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  3. Wieso haben die einen Sarg aussen am Haus befestigt? Ein Sarkophag ist doch ein Sarg... oder irr ich mich?

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    1. Ja, das stimmt. Das ist ein Sarg. Vermutlich war das eine billige Variante an einen schönen Balkon zu kommen;)
      Du kennst ja die italienische Mentalität...
      Herzlichst, Signora Pinella

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  4. Leider könntest du da durchaus Recht haben :-)))!

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  5. Du bist auf seltsame Weise aus meinem Dashboard herausgefallen. Auf der Blogseite schaue ich nicht immer, was es Neues gibt.
    DA ich aber deine Posts schon vermisst habe, dachte ich mir, oh, da stimmt was nicht. Und siehe da, Signora Pinella macht Kränzchen und war bei R.u J. in Veraona... und ich hätte es glatt verpasst. DAs letzte mal war ich in VErona vor mehr als 30 JAhren. Wie die Zeit vergeht???
    Sei ganz liebe gegrüßt,
    Angelika

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