Sonntag, 1. November 2015

Essen von der Strasse…

„Nun sag, wie hast Du’s mit dem Essen“, scheint mir oft die Gretchenfrage zu sein. Während es in Goethes Faust noch um Religion ging, habe ich den Eindruck, dass das Essen in unserer Zeit immer mehr deren Platz eingenommen hat. Das Thema beschäftigt mich schon eine ganze Weile und weil ich auf diesem Blog oft und gerne über das Essen schreibe und das Geniessen gerne zelebriere, will ich heute ein paar Gedanken dazu mit Euch teilen. Dazu habe ich Bilder vom Streetfoodfestival in Zürich, welches der Signore und ich kürzlich besucht haben.
Kurz zur Erklärung, was denn ein Streetfoodfestival überhaupt ist. Eigentlich sind ja Jahrmärkte seit meiner frühsten Kindheit meine ganz persönlichen Streetfoodfestivals. Ich liebe es, wenn es nach gebranntem Zucker, gebratenen Würsten und frittierten Apfelküchlein riecht und ich versuche immer so viele Jahrmarktsspezialitäten wie möglich zu essen. Dazwischen bummle ich durch die Stände mit Krimskrams, den ich nicht brauche, hindurch und bin einfach nur glücklich und zufrieden. Der Krimskrams fällt an den Streetfoodfestivals weg. Dort ist voller Fokus aufs Essen in jeglicher Art und Form. Dieses wird an Ständen oder von Wagen aus verkauft. Das Schöne an den Festivals ist, dass sich die Verkäufer wirklich bemühen besondere Dinge anzubieten. Oft sind es ganz kleine Unternehmen, die kulinarische Trouvaillen verkaufen. Einfach göttlich. Wobei wir wieder bei der Religion wären…

Ich bin wirklich begeistert von der Idee dieser Festivals. Ich mag es, dass sich die Anbieter bei ihrem Essen viel überlegen und die Produkte mit Liebe und Respekt behandeln. Ich bin aber auch der Meinung, dass das Zusammensein und das „Sichumeinentischversammeln“ die Essenz des Essens sein sollte. Ich bin mit drei älteren Geschwistern aufgewachsen und bei uns war das gemeinsame Essen am Abend immer ein wichtiges Ritual. Als meine älteste Schwester auszog, war ich noch klein und sie hat mir jeden Abend am Tisch gefehlt. Bis heute gibt es für mich nichts Schöneres, als wenn alle zusammen – mittlerweile mit Partnern und meinen drei wundervollen, kleinen Nichten – an einem Tisch sitzen und essen. Was dabei gegessen wird, ist für mich zweitrangig. Obwohl ich gestehen muss, dass ich in dieser Beziehung verwöhnt bin. In unserer Familie sind ausnahmslos alle gute und leidenschaftliche Köche und es hat immer etwas Leckeres auf dem Tisch. Meine Eltern haben uns auch immer dazu angehalten, für das Essen dankbar zu sein und so wird bei uns vor jeder Mahlzeit für das Essen gedankt. Das ist ein sehr schönes Ritual, das ich auch einmal in meiner Familie weiter geben möchte.

So kam ich nach dem Streetfoodfestival zur Erkenntnis, dass ich es wundervoll finde, wie das Essen dort zelebriert wird und dass ich es schätze, so eine riesige Auswahl an leckeren Dingen zu haben. Aber trotzdem schmeckt auch das einfachste Gericht noch tausendmal besser, wenn es zusammen an einem grossen Tisch mit Familie und Freunden gegessen wird.
In dem Sinne wünsche ich Euch einen wundervollen Sonntag und hoffe, dass auch Ihr Euch an einen grossen Tisch voller liebe Menschen setzten dürft!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. Daten und Informationen für Streetfoodfestivals in der Schweiz findet Ihr unter www.streetfood-festivals.ch und www.street-food-festival.ch

Kommentare:

  1. Liebe Signora
    Gestern war ich in Winti in der Industriehalle am Streetfoodvestival und habe es sehr genossen, Sachen zu versuchen von denen ich nicht einmal den Namen wiederholen kann. Mir gefällt dein Vergleich mit Jahrmärkten, ich sehe in diesen Märkten aber auch eine weltoffene und unkomplizierte Art, sich höchst vergnüglich zu verpflegen eben gerade ohne Familientisch und aufwändiges Vorbereiten. Ich war in den Ferien in Ländern wo sich grosse Teile der Menschen mit Streetfood ernähren und bin seitdem am Überlegen, wie ich meine Energie, die so ein Familienmahl ja auch fordert, etwas altruistischer investieren könnte. Danke für deinen Blog, dem ich sehr gerne folge, der mich beflügelt und manchmal auch nachdenklich stimmt. Herzlich Monica

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  2. Auch wenn ich nicht wirklich gerne grossartig koche: wenn der Tisch vergrössert werden muss, wenn Stühle geholt werden müssen, wenn alles Lacht und viele da sind: dann bin ich glücklich.
    Herzlichst
    yase

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  3. Meine liebe Signora,
    wie schön du wieder geschrieben hast, und weil es hier passt, erzähle ich dir von einem Brauch - nach dem Essen - in PL.
    Man bedankt sich, wenn man aufsteht, und zwar überall, ob es in der Mensa ist oder am Familientisch. Und der Koch, die Köchin bedankt sich auch: Für die Gesellschaft und das gemeinsame Sitzen. Das ist auch schön. Ein Dankesgebet am Anfang des Essens hat mir auch immer sehr gut gefallen. Meine Oma hätte keine Mahlzeit anders angefangen. Das hat auch so herrlich diszipliniert.
    Bis bald mit lieben Grüßen,
    Angelika

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  4. Liebe Signora Pinella
    Essen und vor allem geniessen ist für mich auch sehr wichtig. An einem Streetfoodfestival war ich jedoch noch nie. Deine Bilder sehen aber sehr toll aus.
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche. Bis bald!
    Herzlichst
    Gabriela

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  5. Liebe Signora Pinella,
    so ein Food -Festival wäre was für meinen Mann. Der liebt gutes Essen über alles. Ich bin eigentlich eher nicht so eine gute Esserin, aber das Zusammensitzen und Lachen mit anderen Menschen liebe ich sehr, vor allem, wenn es dann noch eine heiße Tasse Kaffee gibt:)!
    Ich wünsche dir noch eine schöne Woche.
    Ganz liebe Grüße,
    Christine

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