Samstag, 10. Oktober 2015

Die regierende Anna und die Pavlova…

Wenn Essen poetisch ist, dann ist es gut. Das ist einer meiner strikten Grundsätze. Ich habe schon mehrmals darüber geschrieben, dass beispielsweise in Italien das Essen oft viel interessantere Namen hat, als das bei uns der Fall ist (hier und hier und hier findet Ihr spannende Beispiele dafür). Wenn also eine Süssspeise den Namen einer russischen Tänzerin trägt und herrlich opulent aussieht, dann kann sie nur gut sein. Ich spreche von der berühmten Anna Pavlova, nach der mein heutiges Rezept benannt wurde. Ich wollte schon lange selber eine Pavlova machen, habe es dann aber immer etwas versäumt. Dank meiner grossen Schwester Madame Gaianna (hier gehts zu ihrem Blog), habe ich das Projekt nun doch endlich realisiert…
Kürzlich war ich etwas knitterig, dazu noch erkältet und sehnsüchtig, weil der Signore einmal mehr nach Amerika gereist war. Also kam meine liebe, grosse Schwester zu Besuch und hat mich aufgeheitert. Schon lange hatte sie die Idee, Merengueherzen selber zu machen. Da man dazu die gleiche Masse benötigt, wie für die Pavlova, traf sich das perfekt. Wir haben also einen ganzen Tag lang gebacken und herumgewerkelt und ich habe meinen Kummer ganz schnell vergessen. Danke liebe Schwester! Hier findet Ihr den wundervollen Schokoladenkuchen von der Madame Gaianna.

Ich für meinen Teil habe mich dann eben auf die Pavlova konzentriert. Das Geniale daran ist, dass Ihr die kleinen Baiserböden vorbereiten und einige Wochen an einem trockenen, kühlen Ort aufbewahren könnt. So habt Ihr immer ein Dessert vorbereitet, wenn unerwartet Gäste vorbei kommen sollten. Ihr müsst einzig noch etwas Rahm schlagen und auf den Böden verteilen und das Ganze mit frischen Früchten oder Beeren verzieren. Ich habe beispielsweise Zwetschgen verwendet, die ich kurz etwas in Portwein gewendet habe. Meine Mama hat mir nämlich einen wahren Zwetschgen-Segen von den Bäumen meiner Eltern zukommen lassen.

Und hier noch das Rezept für die absolut geniale Merenguemasse (für 6 kleine Pavlovas oder eine grosse).

Zutaten: 125g Zucker, 50g Wasser, 80g Eiweiss, 30g Zucker

Zubereitung: 125g Zucker mit 50g Wasser zusammen kochen, bis sich der Zucker aufgelöst und 124 Grad erreicht hat. Eiweiss mit dem zweiten Teil Zucker zur Hälfte aufschlagen und dann den Zuckersirup langsam beigeben. Idealerweise wir die Masse nun kaltgeschlagen. Das heisst, dass man die Schüssel mit der Masse in eine Schüssel mit Eiswasser stellt und die Masse mit einem Schwingbesen weiterrührt, bis sie abgekühlt und fest ist. Danach wird die Meringuemasse in einen Dressiersack gegeben und in der passenden Form auf ein Blech gespritzt. Im Anschluss die Merengues im auf 100 Grad vorgeheizten Backofen während zwei Stunden trocknen lassen (damit die Feuchtigkeit entweichen kann, sollte der Ofen einen kleinen Spalt mit Hilfe einer Kelle offengehalten werden).
In unserer Familie gibt es übrigens in jeder Generation eine Anna. Die Älteste davon nennen wir jeweils die regierende Anna;) Als ich ein Kind war, lebte beispielsweise noch unsere sehr unterhaltsame und lustige Grosstante Anna aus Frankreich (sie war dahin ausgewandert) und niemand sang Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper so hingebungsvoll und auch ein bisschen falsch wie sie. Ich mochte Tante Anna sehr! Irgendwie scheint es am Namen zu liegen, dass diese Menschen liebenswürdig, gesellig und lustig sind. Und nun ratet mal, wer die neue regierende Anna ist… Ich bin es nicht;)

Ich wünsche Euch ein wundervolles, zuckersüsses Wochenende!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

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