Dienstag, 29. September 2015

Erinnerungen festhalten...

Kennt Ihr das auch, dass es manchmal Momente gibt, die man unbedingt festhalten möchte? Habt Ihr auch hin und wieder den Wunsch, Dinge, Erlebnisse oder Gefühle in einer Schatztruhe aufzubewahren, damit Ihr sie immer wieder hervorholen könnt? Da ich stark über das Visuelle funktioniere, habe ich mich entschieden, ein paar Erinnerungen an einer Wand in unserem Eingangsbereich festzuhalten. So sehe ich etwas Schönes, bevor ich aus dem Haus gehe und werde von lieben Erinnerungen empfangen, wenn ich zurückkomme. So einfach ist das.
Das Karussell auf den Fotos befindet sich auf der Piazza della Repubblica in Florenz. Die Bilder hat die liebe Kathrin von www.kuisine.ch gemacht, als sie den Signore und mich letzten Herbst in Florenz besucht hat. Ich habe es schon ein paar Mal erwähnt (zum Beispiel hier), dass es auf dem Kaufhaus La Rinascente an diesem Platz auf einer Dachterrasse ein Kaffee gibt. Dazu muss man sagen, dass die Preise dort völlig überrissen sind. Weil sich von dort aus ein einmalig schöner Ausblick auf die Stadt und bis an die Hügel rund um Florenz bietet, habe ich die hohen Preise gerne in Kauf genommen. Es gibt wenige Dinge, die so wundervoll sind, wie den Sonnenuntergang auf dieser Dachterrasse zu geniessen. Und komme was da wolle, will ich das noch in diesem Jahr wieder erleben. Egal, wenn ich den Signore dafür am Silvesterabend nach Florenz schleifen muss;) Leider haben wir in diesem Jahr bei der Ferienplanung wegen unseren beruflichen Verpflichtungen kläglich versagt...

Deshalb musste also umso dringender die Erinnerungswand mit all den schönen Bilder her. Dazwischen habe ich mir auch noch ein Bild von meiner verstorbenen Oma als junges Mädchen aufgehängt. Ich finde dieses Foto einfach einmalig schön. Schon nur deshalb, weil man sieht, wie viel Mühe sie sich gegeben hat auf dem Bild hübsch und ordentlich auszusehen. Das ist dann zusätzlich eine kleine Erinnerung an mich, dass ich anständig aussehe, wenn ich aus dem Haus gehe. Meine Oma hat noch beim letzten Mal, als sie ihr Haus verlassen hat und schon sehr krank war, einen Blick in den Spiegel geworfen und ihre Haare ordentlich gekämmt.

Grundsätzlich finde ich das Auswählen, Positionieren und Gruppieren von Bildern immer sehr schwierig. Bereits mein Kunstlehrer am Gymnasium hat uns immer gepredigt, dass man bei der Gestaltung auch einmal eine Fläche freilassen sollte, damit sich das Auge entspannen kann. Dasselbe höre ich bis heute, von den Grafikern und Layoutern in der Redaktion. Deshalb habe ich versucht die Bilder in unserer Wohnung etwas zu gruppieren (hier könnt Ihr ein weiteres Beispiel dafür sehen), damit noch genügend weisse Wand übrig bleibt. Bei meiner Erinnerungswand hielt ich es bei der Menge der Bilder dann doch eher nach dem Motto „klotzen statt kleckern“.

Gegen die Gemäldesammlungen, die ich in Florenz gesehen habe, ist das aber noch heilig. Einmal sassen wir spät in der Nacht noch bei einem netten, älteren Herrn bei einem letzten Absacker und ich war zu dieser späten Stunde und wegen zu viel Alkohol schon reichlich müde. Um mich wach zu halten, habe ich die Bilder in seinem Wohn und Esszimmer gezählt. Im Wohnzimmer waren es 72 Stück und im Esszimmer „nur“ 54 oder so – wegen Müdigkeit und Alkohol kann ich nicht zu hundert Prozent garantieren, dass ich wirklich alle Bilder gezählt habe. Aber Ihr könnt Euch so die Grössenordnung vorstellen. Vermutlich waren es sogar noch mehr. In Florenz ist das aber völlig normal – ich habe noch in anderen Häusern so viele Bilder gesehen. Beispielsweise in unserer Wohnung, die wir ja möbliert gemietet haben. Da waren es pro Raum aber nur so 15 Stück. Die waren dafür riesig und wurden sofort von mir abgehängt, kaum waren wir eingezogen;)
Jedenfalls habe ich nun eine Wand, die mich jeden Tag an schöne Dinge, Orte und liebe Menschen erinnert und freue mich sehr darüber!

Ich wünsche Euch, dass Ihr auch einen Weg findet, Eure Sehnsüchte und Erinnerungen festzuhalten!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Ich bin auch eine Erinnerungsammlerin. Ich klebe so viel in mein Tagebuch jedes Jahr, dass es meist nach den Sommerferien aus dem Lein geht.... Gerne würde ich Bilder in Massen aufhängen. Aber meine Mitbewohner sehen das etwas anders.....
    Herzlichst
    yase

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  2. Ich schließe mich an: Auch ich bin eine Erinnerungssammlerin und auch ich bevorzuge Bilder, um Erinnerungen lebendig zu halten (neben Düften). Die Idee Erinnerungen der Wand in Eurem Eingangsbereich "festzuhalten", finde ich wunderbar. Wir haben nur einen kleinen Flur, aber auch dort hängt ein Bild (von meinem Lieblingsesel aus unserem Tierpark), dass mich jeden Morgen an einen wunderschönen Tag erinnert. Ein guter Start in den Tag.

    Liebe Grüße
    Nicole

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  3. Signora,
    das ist wundervoll!!! Und die Bilder sind so fantastisch und schmecken so gut auf den Augen!!!
    Hab eine feine Zeit
    Elisabeth

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