Montag, 27. Juli 2015

Zeitreise in die Normandie…

Wir gehen heute auf Reisen. Ja ich nehme Euch mit in die Normandie. Denn da war ich schon viel zu lange nicht mehr und da mir mein Bruder letzte Woche von eben dort wundervolle Bilder und einen unglaublich leckeren Brie mitbrachte, dachte ich, dass ich diese Zutaten zu einer virtuellen Reise und einem leckeren Rezept verarbeiten könnte. Dazu gesellten sich die Johannisbeeren aus dem Garten von Mama Pinella, welche sie nicht nur eigenhändig gepflückt, sondern auch noch fotografiert hat. Das Ganze ist also ein Gemeinschaftswerk von Fratello, Mama und Signora Pinella.
Die Normandie ist mir aus meiner Kindheit in bester Erinnerung. Wir haben dort jeweils Bauern, die von der Schweiz ausgewandert sind, auf ihrem Hof besucht. In dem Gebäude auf dem Bild mit dem grossen Baum, haben wir geschlafen. In der Nacht sind wir vom Haupthaus über den Kies dorthin getappt, während die Fledermäuse über unsere Köpfe flogen und die Grillen zirpten. Romantik pur…

Unsere Eltern haben uns aber auch in alle möglichen Museen und Kirchen geschleppt. Wir erhielten Erläuterungen über die Landung der Alliierten am 6. Juni 1944, über die normannische Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer im 11. Jahrhundert und das Wirken und Schaffen der Impressionisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wir besuchten den Mont-Saint-Michel, die Kanalinsel Jersey, die Badeorte Deauville und Trouville und das wundervolle Honfleur.

Wenn die ganze Familie Pinella zusammen in die Ferien reiste, war es meistens laut, nicht immer harmonisch und es gab gutes Essen. Denn Papa Pinella ist ein wirklich hervorragender Proviantmeister. Seine Laugenbrötchen mit Bündnerfleisch sind absolut legendär. 

Weil es für meine Eltern schlicht zu teuer war, mit einer sechsköpfigen Rasselbande jeden Tag in einem Restaurant zu essen, haben sie für uns oft Proviant eingepackt. So lernte ich früh regionale Spezialitäten kennen und schätzen. 

Und was gibt es Schöneres, als an der Omaha Beach im feinen, hellen Sand zu sitzen und luftiges, frisches Baguette mit Camembert oder Brie zu essen. Nachdem ich mittlerweile nicht nur den Film „Der längste Tag“, sondern auch noch „Saving private Rian“ und „Band of Brothers“ (die letzte Folge dieser Serie wurde übrigens nicht in Bayern, sondern im wunderschönen Berner Oberland gedreht und ich kenne etliche Statisten persönlich, da sie damals unter anderem am Gymnasium vom Signore gecastet wurden) gesehen habe, weiss ich nicht, ob ich es noch gleich gut geniessen könnte.
Die Spezialitäten mag ich aber immer noch. Und als mir letzthin auch noch eine liebe, normannische Freundin, die nun mit ihrem Mann aus Bayern in der Schweiz lebt, von ihrer Hochzeit berichtete, bei der es gebackenen Camembert gab, stand für mich fest, dass ich auch den Brie von Fratello Pinella so essen will. Und weil es einfach so unglaublich gut geschmeckt hat, habe ich auch für Euch das Rezept für gebackenen Brie in der Teigtasche auf Jungsalat.

Zubereitung: Den Brie in kleine Stücke schneiden, diese auf zwei quadratische, übereinander gelegte Teigblätter verteilen, etwas Lavendel darüber streuen, ein paar Johannisbeeren dazu geben, die Teigblätter zu einem Bündel zusammen fassen, den Schnittlauch darum binden und das Ganze 10 Minuten im auf 150 Grad vorgeheizten Ofen backen. Derweilen die Salatsauce vorbereiten. Dazu werden 1 Esslöffel Weisswein- oder Apfelessig, 2 Esslöffel Öl, 1 Teelöffel Moutarde de Dijon und etwas Salz gut vermischt. Den Salat auf einem Teller anrichten und die Sauce darüber geben. Dann die Teigtaschen aus dem Ofen holen, auf den Salatteller geben, die Kerne darüber verteilen und den Honig über Salat und die Teigtaschen träufeln.

Zutaten: Etwas rezenterer Brie de la Normandie (am besten natürlich direkt importiert), hauchdünne Teigblätter (im gut sortierten Grosshandel erhältlich), flüssiger Honig, Essig, Öl, Moutarde de Dijon, Salz, eine Handvoll Johannisbeeren, Lavendel, Schnittlauch, frisch gepflückter Jungsalat.
Glaubt mir, der rezente Brie, die sauren Johannisbeeren, der Senf und die Süsse des Honigs werden in Eurem Gaumen ein Geschmacksfeuerwerk erster Güte entfachen. Je nachdem wie gross Eure Portionen sind, könnt Ihr sie als Vor- oder Hauptspeise servieren.

Ich wünsche Euch „Bon Appétit“!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. mmmh, meine liebe Signora, das klingt ja formidable.
    Du hast einen feinen Stil, ich freue mich immer, wenn ich einen Post von dir lesen darf.
    Liebe Grüße zur Abwechslung aus meiner Heimat,
    Angelika

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  2. Vielen Dank liebe Angelika! Dann bist Du ja ganz nahe von mir, wenn Du in Deiner "alten" Heimat bist? Oder zumindest nicht mehr so arg weit weg;)
    Herzlichst, Signora Pinella

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  3. Magnifique!!! Das ist ja wundervoll, so ein Kurztrip an den Atlantik mit all den Schönheiten und Köstlichkeiten und als Zugabe auch noch das Lebensgefühl verpackt.
    Danke, jetzt geht der Tag wieder munter weiter
    Elisabeth, die dir eine wundervolle Zeit wünscht.

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  4. Liebe Signora Pinella, ich habe erst Deine Zeilen und die Bilder mit allen Sinnen gelesen :)) und jetzt schon ist das Feuerwerk erster Güte in mir entfachtet! Meine Portion kann nicht groß genug sein, hihi. Mit diesem wundervollen Normandie Post hast Du mein Herz erobert, sodass ich meeeeeeeehr davon und keinen Post von Dir verpassen möchte. So begeistert bin ich auch darüber, wie Du über Deine Kindheit erzählst und die Stimmung, Charme und Leichtigkeit so wundervoll mit Worten und Bildern rüber bringst. Hab lieben Dank dafür und ich wünsche die alles Liebe und fröhliche Zeit, Grażyna

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