Mittwoch, 1. Juli 2015

Ist Grillieren wirklich männlich…?

"Grillieren ist männlich." Mit diesem Satz auf den Aushängen an den Zeitungsständen machte kürzlich eine grosse Schweizer Tageszeitung auf sich aufmerksam. Es war übrigens eine sonst seriöse, schon fast altehrwürdige Zeitung. Dieser Satz war für mich mit ein Grund, eben diese Ausgabe nicht zu kaufen. Seit jeher habe ich wegen der Betonung von Männlichkeit beim Grillieren eine grosse Aversion dagegen... Das hat sich kürzlich bei einem Kurs, an den mich die liebe Kathrin von www.kuisine.ch eingeladen hat und bei dem ich nützliche Dinge rund um das Grillieren gelernt habe, geändert. 
Kurz aber noch zurück zu meiner Grill-Abneigung. Die entstand dadurch, dass ich alleine beim Gedanken daran, dass die Frau alles vorzubereiten hat und sich der Mann dann an den Grill stellt, Ausschlag und Zustände bekomme. 

Es soll mir bitte einmal jemand erklären, warum Männer angeblich so viel besser sind beim Grillieren? Warum stellen sich selbst die Männer, die sonst in der Küche keinen Finger krumm machen an den Grill und fantasieren plötzlich etwas über Garzeiten oder Fleischsorten. Ich überlasse sehr gerne einem Mann den Platz am Grill, der auch etwas von Fleisch versteht. Ansonsten sehe ich keinen Grund, warum Männer am Grill im Vorteil sein sollten (und nein, auch das "Männerkönnenbesserfeuermachenalsfrauen-Argument" lasse ich nicht gelten - ich zumindest bekomme das auch problemlos hin).

Dazu muss ich kurz eine Anekdote aus unserer Italienzeit erzählen. Der Signore und ich waren dort regelmässig bei seinem Capo zum Essen eingeladen. Da dieser Chirurg ist, beschäftigt er sich quasi täglich beruflich mit Sehnen, Fett, Muskelsträngen und Knochen. Der gute Mann überträgt die Erläuterungen aber auch sehr gerne auf die Fleischzubereitung, erkennt einen Schinken alleine an seiner Struktur (was einmal zu erheblichen Diskussionen mit seiner Frau führte, als wir sie zum Berner-Platte-Essen zu uns eingeladen haben - das ist eine Spezialität aus dem Kanton Bern und ich weiss nicht, ob die je zuvor in Florenz gekocht worden ist;). Zusätzlich ist er nicht nur ein unglaublich unterhaltsamer und liebenswürdiger Gastgeber, sondern auch ein erstklassiger Koch! Wenn sich also ein solches Kaliber an den Grill stellt, habe ich ganz und gar nichts einzuwenden. Allen selbsternannten Möchtegern-Grillmeistern rate ich, sich von mir fern zu halten.

Wie das denn im Hause Pinella beim Grillieren läuft, fragt Ihr Euch jetzt vielleicht? Das ist so: Obwohl oder vielleicht auch weil der Signore regelmässig Fleisch und Knochen mit Skalpell, Hammer und Säge traktiert, ist er privat nicht sonderlich am Kontakt damit interessiert (ausser es liegt fertig zubereitet und ohne Knochen daran auf seinem Teller).

Dazu kommt, dass wir bisher nie einen Grill hatten und auch keinen Balkon oder Garten. Das höchste aller Gefühle ist ein kleiner Elektrogrill, den meine Schwester dem Signore schenkte, weil er eine meiner Nichten gehütet hat. Sonderlich hart hat der Signore übrigens nicht für diesen Grill gearbeitet. Er hat die Kleine, sie war damals knapp ein Jahr alt, in einen Berg aus Kissen gepackt und gewartet, bis sie friedlich schlief. Danach ist er daneben ebenfalls tief und fest eingeschlafen (wohlgemerkt, er war vorher auf einem anstrengenden Kongress und ziemlich müde). Als ich heim gekommen bin, schlief der Signore immer noch, die Kleine war aus ihrem Kissenberg herausgekrabbelt und dabei dem Signore an den Haaren zu ziehen und auf seiner Brille herum zu kauen. Ein Bild für die Götter;) 

Wer von uns im Endeffekt das Grillgut zubereitet oder auch mal verkohlen lässt, entscheiden wir in der Regel spontan. Gerne stehen wir auch zusammen vor unserem kleinen Grill, grinsen uns verklärt an und freuen uns über das Gemeinschaftserlebnis...
Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift… Zurück zu diesem Grillkurs auf dem Gurten (dem Hausberg der schönen Schweizer Hauptstadt Bern). Die Migros hatte Food-Blogger anlässlich ihrer Aktion „100 neue Sommer Ideen“ (hier geht’s zur Internetseite dazu) zu einem Grillkurs auf den Gurten eingeladen. Dazu gehörte eben auch Kathrin. Sie war so lieb, dass sie mich als Begleitperson mitnahm, weil sie dachte, dass mich dieser Kurs interessieren könnte. Was wir alles zubereitet haben, könnt Ihr hier auf der Seite von Kathrin und auch hier auf dem wundervollen Foodblog „zum fressn gern“, dessen Schöpferin ich auf dem Gurten ebenfalls kennen gelernt habe, sehen.

Meine neu gewonnen Erkenntnisse habe ich nun letzten Sonntag teilweise bereits bei einer kleinen Grillparty mit dem Signore anwenden können. Weil Sie Euch vielleicht auch etwas nützen oder inspirieren, fasse ich sie hier kurz für Euch zusammen.

- Erstens habe ich den Weg zurück zu Marinaden gefunden, die teilweise aus Grillsauce bestehen. Denn lange habe ich daran geglaubt, dass ein gutes Stück Fleisch ausschliesslich mit puren Aromen aus Gewürzen und Kräutern oder maximal mit etwas Senf oder Honig in Kontakt kommen dürfe. Im Grillkurs haben wir verschiedene Marinaden zubereitet und auch Grillsaucen verwendet. Inspiriert davon habe ich in Rom eine Liquid-Smoke-Rauchsauce gekauft. Gleichzeitig besorgte der Signore eine leckere Jack Daniels Barbecue-Sauce. Beim Praxistest habe ich festgestellt, dass mit diesen Zutaten eine sehr gute Marinade hergestellt werden kann.

- Zweitens lernte ich Tasmanischen Pfeffer kennen. Diese Pfeffersorte hat es mir sofort angetan (und das nicht nur, weil ich ein grosser Fan von Mary aus Dänemark, der Frau des zukünftigen dänischen Königs, bin, welche ebenfalls aus Tasmanien stammt).

- Drittens bekam ich einen  neuen Zugang zu gegrilltem Gemüse. In Italien wird das Gemüse ja eher dünn geschnitten gegrillt und häufig so als Beilage serviert. Leider gelingt das den Köchen nicht immer so gut… Im Kurs auf dem Gurten wurden verschiedene Gemüsesorten liebevoll mit Olivenöl, Kräutern, Knoblauch und Salz mariniert und waren eine wundervolle Beilage zum Grillfleisch.

- Viertens lernte ich endlich, wie man richtig Fleisch bindet und ein Fleischthermometer verwendet. Da muss ich aber noch etwas üben, bevor ich Euch mehr darüber berichten kann.

- Fünftens gab es zusätzlich wundervolle Desserts vom Grill. Aber auch dazu möchte ich ein anderes Mal mehr sagen. Vielleicht dann, wenn sich der Signore und ich endlich für einen Grill entscheiden konnten und den gekauft haben.

- Die sechste Erkenntnis hatte ich schon vor dem Besuch des Grillkurses auf dem Gurten: Grillieren kann unglaublich männlich sein, wenn ein Mann wirklich etwas davon versteht… Aber wirklich nur dann!!!
Ich hoffe, dass ich Euch ein paar neue Inputs zum Grillieren oder zumindest ein paar Denkanstösse geben konnte;)

Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Was für ein Post :))))
    Hier grilliert der Lieblingsmensch fast gezwungen. Ich finde, im Sommer darf er sich gerne hin und wieder der Essenszubereitung widmen. Auch wenn ich das ganze Drumrum liefere...
    Herzlichst
    yase

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    1. Dein Lieblingsmensch hat ja auch viel Erfahrung mit Feuermachen usw. Dann ist dieses Gabenorientierte Arbeitwn perfekt;)
      Herzlichst, Signora Pinella

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  2. Liebe Signora Pinella

    vielen Dank für die lieben Worte. Ich habe mich auch sehr gefreut, dich auf dem Gurten zu treffen.

    Der Grillkauft steht in dem Fall noch? Gibt vielleicht auch wieder eine lustige Story für den Blog ;-)

    Liebe Grüsse

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    1. Ich würd mich sehr über ein Treffen freuen!!!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  3. Liebe Theresa,
    mein Mann ist auch ein ganz überzeugter "Griller". Mittlerweile haben wir
    drei Grills und er macht da wirklich sehr leckere Sachen, auch super Pizza
    oder Brot backen. Und ich freu mich einfach, wenn ich nichts mit dem kochen
    zu tun habe :-). Dein Post ist wunderschön und ich glaube wir werden heute
    noch grillen - das Wetter ist ja genial dazu.
    Lg Christiane

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    1. Kann ich meinen Mann zu Deinem Mann in einen Kurs schicken? Das wäre super;)
      Herzlichst, Signora Pinella

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