Freitag, 29. Mai 2015

Pinella Spinella und die Cannoli…

Im Berner Oberland, dem schönsten Ort der Welt, wo ich zufälligerweise auch geboren wurde und aufgewachsen bin, wird eine etwas verrückte Person unter anderem auch Spinello genannt (ich kenne den Begriff durch die liebe Signora Rossi - wer das ist, erfährt Ihr hier). Spinello bedeutet, dass jemand etwas durchgeknallt ist oder eben spinnt. Diese Bezeichnung passt in mehrerer Hinsicht gut zu mir (und das nicht nur, weil ich in Tat und Wahrheit spinnen kann – also nicht nur im Kopf, sondern so richtig mit Wolle, Flachs und Spinnrad). Ich bin durchaus auch immer wieder etwas eine Spinella. Denn während ich letztes Jahr, als wir in Florenz gewohnt haben, immer wieder über Heimweh geklagt habe, plagt mich nun die Sehnsucht nach Italien. Vor allem die Lebensweise und die Cucina Italiana mit ihren leckeren Zutaten fehlen mir einfach. 
Es ist erstaunlich, wie viele kleine oder auch grössere Dinge und Gewohnheiten aus Italien sich in unserem Alltag fest eingebürgert haben. Man bringt vielleicht Signore und Signora Pinella aus Italien heraus, nicht aber ein kleines Stückchen Italien aus Signore und Signora.

Das geht so weit, dass wir wirklich nur noch guten, starken Espresso (ganz selten vielleicht einmal einen Cappuccino) trinken. Er muss nicht nur sehr gut sein, sondern darf eine herkömmliche Espressotasse auch nicht mehr als bis etwas über die Hälfte füllen (mehr über die italienische Kaffeekultur habe ich übrigens hier geschrieben und hier habe ich Euch unsere Kaffeemaschine vorgestellt). Das geht so weit, dass wir lieber gar keinen Kaffee haben, als irgendwas so Schreckliches wie beispielsweise eine Instandbrühe…

Wir haben seit dem Jahr in Florenz etwas Probleme die Regeln bei Fussgängerstreifen zu beachten. Man kann ja gut auch noch bei Rot laufen – also in Italien geht das, wenn man schnell genug ist;) Und es wird gehupt beim Autofahren. Jederzeit. Ohne geht gar nichts mehr! Und wir tun uns unglaublich schwer mit der der Genauigkeit der Schweizer. Oder besser gesagt der gegenseitigen Kontrolle.

Letzthin wurden wir angeschnauzt, weil wir zur falschen Zeit Glas entsorgen wollten. Wohlgemerkt, wir konnten nicht einmal aus dem Auto aussteigen und wurden schon von einem übereifrigen Anwohner zusammen gestaucht. Es blieb gar keine Zeit das Schild zu lesen, auf dem stand, wann man Glas entsorgen darf. In Florenz wurde am Sonntag sogar gehandwerkert und es wäre niemandem in den Sinn gekommen, Zeiten für die Glasentsorgung vorzugeben.

Ich sage nicht, dass in Italien alles besser ist. Wer sich beispielsweise die Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosenquote (besonders bei jungen Menschen) und die politischen Probleme in diesem wundervollen Land anschaut weiss, dass viele Dinge alles andere als rosig sind. Trotzdem vermisse ich Italien immer wieder. 

Und wenn ich nicht nach Italien fahren kann – das mache ich übrigens nächste Woche endlich wieder – dann fülle ich für den Signore und mich ein paar Cannoli und serviere dazu guten Kaffee. Cannoli sind frittierte, gefüllte Teigröhren. Obwohl ich eine Friteuse besitze, traue ich mir noch nicht zu, die Cannoli selber herzustellen. 

Solltet Ihr sie aber einmal per Zufall schon fertig frittierte Teigröhren finden, dann ist es eine besonders leckere Variante, wenn Ihr 200g Ricotta mit 2 Esslöffeln Puderzucker, der Schale einer halben Bio-Orange, einem Esslöffel Orangensaft und einer Messerspitze Vanilleextrakt vermischt, diese Creme in einen Spritzbeutel gebt und damit die Cannoli füllt. Vor dem Servieren werden sie mindestens eine Stunde in den Kühlschrank gestellt und danach noch mit Puderzucker bestäubt.

Ruckzuck habt Ihr den perfekten, erfrischenden, italienischen Nachtisch (in Italien gibt es natürlich noch viel exklusivere Varianten davon - aber für den Einstieg geht meine einfache auch). Denn alle, die nicht komplett pazzi (verrückt auf Italienisch) oder eben Spinellos sind, werden dieses Dessert lieben.
Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag und ein erholsames Wochenende! Und seid ruhig einmal etwas verrückt – manchmal tut das ganz gut!

Herzlichst, Eure (S)Pinella;)

Kommentare:

  1. Hört sich toll an!
    Neben eine Glassammelstelle zu wohnen ist bestimmt anstrengend, wenn zu jeder tages-und nachtzeit Glas entsorgt wird.
    Und ganz ehrlich: am Sonntagnachmittag möchte ich einmal im Garten sitzen können, ohne irgendwelche Hammer oder Rasenmäher....
    Herzlichst
    yase - die nicht nur Schweizer Blut in sich trägt

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    1. Das stimmt liebe Yase. Wir hatten das in Florenz auch;) aber es ist immer der Ton, der die Musik macht...
      Herzlichst, Signora Pinella

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  2. Weißt Du was, meine liebe Signora, ich darf - ja, das Wort passt - im August 11 Tage in die Toskana. Wie ich mich freue. Das ist für uns furchtbar teuer mit unserem polnischen Geldbeutel. 11 Tage (und nur die Ferienwohnungskosten) kosten so viel, wie wir in Polen nach allen monatlichen Kosten für einen Monat brauchen. Ich liebe Italien und seine Kunst, seine Farben und Köstlichkeiten. Wir sind bei einem Winzer untergebracht.
    Wie deine Bilder leuchten, wunderschön.
    Übrigens, die Polen sind auch lockerer als z.B. die Deutschen. Manchmal gehen sie zu locker mit den Verkehrsregeln um... da heißt´s schwer aufpassen.
    Viel Spaß in Italien
    bis bald,
    Angelika

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    1. Liebe Angelika,
      ja, die Toskana ist sogar für uns Schweizer nicht mehr besonders günstig. Umso mehr freut es mich, dass Ihr dorthin reist. Ich merk es immer wieder, wenn ich in Italien bin, dass dieses Land ein besonders reiches kulturelles Erbe hat. Mi piage tantissimo!
      So sind die Völker halt unterschiedlich... Ist ja auch gut so!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  3. Liebe Signora Pinella,
    solche lecker gefüllten Canolli würden mich jetzt auch "anmachen". :-)
    Deine Bilder sind so schön, besonders das zweite Bild mit Deinen schönen Händen und den roten Nägeln ist klasse!!
    Und die Rosen könnten nicht besser zu diesem leckeren italienischen Nachtisch passen.
    Liebe Grüße und danke, dass Du uns in Deine italienische Welt mitgenommen hast. :-)
    Liebe Grüße
    ANi

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    1. Danke liebe ANi für Deine lieben Worte und Komplimente! Man sieht wohl einfach, dass ich Italien wirklich vermisse...
      Herzlichst, Signora Pinella

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