Samstag, 9. Mai 2015

Grazie cara Mama...

Mama Pinella ist was den Muttertag anbelangt sehr unaufgeregt. Sie gehört definitiv nicht zu diesen Müttern, die einem das Gefühl geben, dass sie grosse Geschenke und Besuche erwarten. Wenn man sie fragt warum das so ist, sagt sie oft, dass meine Geschwister und ich das ganze Jahr über lieb und grosszügig zu ihr seien. Das hat aber auch seinen Grund. Meine Mama ist der wohl dankbarste Mensch, wenn es ums Beschenken geht. Wenn wir ihr als kleines Kind irgendetwas unglaublich Schreckliches gebastelt haben, schaffte sie es trotzdem uns das Gefühl zu geben, dass es schön sei und dass sie sich darüber freut. So macht es mir bis heute Freude, wenn ich mir ein Geschenk für sie einfallen lassen darf. Wenn ich dazu aber bis jetzt noch keine Zeit gehabt hätte, würde ich ihr einen Schokoladenkuchen backen. Weil das für Mama Pinella aber nicht nötig ist, da ich sonst bereits ein passendes Geschenk gefunden habe, verrate ich Euch das Rezept für den schokoladigsten aller Schokoladenkuchen, der so üppig ist, dass es schon fast dekadent ist. Wenn Ihr ihn aber mit viel Liebe backt und verziert, ist er das ideale Geschenk zum Muttertag.
Für die Agrarzeitung „Der Schweizerbauer“ habe ich bereits vor einer Woche einen Artikel über den Muttertag geschrieben, zu dem ich auch noch das Rezept von meinen Rosenkuchen (siehe hier) veröffentlicht habe. Für diesen Artikel habe ich mich zum ersten Mal etwas genauer mit dem Muttertag und dessen Entstehung auseinander gesetzt. Hier ein Auszug aus dem Text:

Seinen Ursprung hat der Muttertag in der amerikanischen Frauenbewegung. Die Methodistin Anna Marie Jarvis organisierte am 12.Mai 1907 zum Todestag ihrer Mutter eine Gedenkfeier in der Methodistenkirche in Grafton im Bundesstaat West Virginia in den Vereinigten Staaten. Von da an setze sie sich für die Etablierung dieses Tages ein. Im Jahre 1914 erliess der US-Kongress eine Resolution und erklärte den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Feiertag. 1917 wurde zum ersten Mal in der Schweiz Muttertag gefeiert.

Als die Kommerzialisierung des Muttertages begann, distanzierte sich seine Begründerin Anna Marie Jarvis davon, weil dies nicht die Idee des Feiertages gewesen sei. Es wäre aber wohl im Sinne der Begründerin des Muttertages gewesen, seine Mutter oder Ehefrau mit einem selbstgebackenen Kuchen zu überraschen, ein paar schöne Stunden mit ihr zu verbringen und ihr einmal Danke zu sagen.

Dass der Muttertag ausgerechnet aus der Frauenbewegung heraus entstanden ist, finde ich besonders interessant. Und als ich dann ein bisschen weiter darüber nachgedacht habe, kam ich zum Schluss, dass nicht nur die Frauen, welche wirklich Kinder geboren haben, ein Dankeschön verdient hätten. So viele Frauen um mich herum sind in irgendeiner Form „Mütter“. Sei es, dass sie eine Beruf haben, wo sie jeden Tag Kinder betreuen, ihnen Dinge lehren und sie fördern, sei es, dass sie anderen Menschen beistehen, sie schützend durch schwierige Situationen begleiten, pflegen, heilen und ermutigen. Grundsätzlich finde ich es schwierig, wenn man die Geschlechter zu sehr auf typisch männliche oder typisch weibliche Eigenschaften reduziert. Die Mütterlichkeit ist ja aber bereits sprachlich per se eine urweibliche Eigenschaft. Und ich glaube fest, dass sie mehr oder weniger ausgeprägt in jeder Frau schlummert. Wenn ich eine Frau treffe, bei der ich spüre, dass sie fähig ist, Empathie für mich und meine Lebenssituation aufzubringen, dass sie mir geduldig zuhört und dass sie sich mit mir freuen kann, ohne zickig zu werden oder missgünstig zu sein und mich auch noch ermutigt und trotzdem ehrlich zu mir ist, dann habe ich das Gefühl, dass sie wie eine Mutter ist. So definiert sich für mich Mütterlichkeit. Gerade in Situationen, in denen es einem vielleicht nicht so gut geht, sind solche Menschen Gold wert. Alle diese ganz normalen, bodenständigen Frauen, die trotzdem jeden Tag ein bisschen Superheldinnen sind und die der Welt damit immer wieder zum Segen werden, haben ein grosses Dankeschön verdient!
Und für den Fall, dass Ihr einer lieben Frau in Eurem Leben mit mehr als nur Worten Danke sagen möchtet, habe ich hier noch das Rezept für den wundervollsten, schokoladigsten Schokoladenkuchen aller Zeiten.

Zubereitung: Die Schokolade zusammen mit der Butter schmelzen (ich stelle sie dafür in einer Feuerfesten Schüssel in den Ofen, den ich ja sowieso vorheizen muss). Gleichzeitig die Eier und den Zucker schaumig schlagen. Danach alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren und in eine vorgefettete und mit Kakaopulver bestäubte Form (ungefähr 15cm Durchmesser) geben. Den Kuchen bei 150 Grad 40 Minuten backen und dann auskühlen lassen. Ich finde es besonders schön, wenn man Kuchen mit frischen, essbaren Blüten verziert. So bekommt die Mama die Schokolade und die Blumen in einem. Ich habe meine essbaren Blüten im Globus gefunden.

Zutaten: 60g dunkle Schokolade (mit mindestens 60 Prozent Kakaoanteil), 60g Butter, 70g Rohzucker, 1 gehäufter Esslöffel Schokoladenpulver, 2 Eier, 1TL Vanilleextrakt, je nach Geschmack 1TL Obstbrand, essbare Blüten für die Deko.
Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende! Geniesst es zusammen mit Euren Lieben und sollte niemand daran denken Euch den Kuchen zu backen, dann backt ihn einfach selber (vorausgesetzt, dass Ihr Schokolade mögt, sonst nehmt Ihr wohl besser den oben erwähnten Rosenkuchen). Es lohnt sich und Ihr habt es verdient;)

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Wie schön, meine liebe Signora, so schön dekoriert und fotografiert, mmmh es duftet!
    Und wie interessant du über den Muttertag schreibst!
    Sag mal, meine liebe Bäckerin, ist tatsächlich kein Mehl im Kuchen?
    Verlockend, sehr verlockend :-)
    Bis bald,
    Angelika

    AntwortenLöschen
  2. Ja liebe Angelika, in den Kuchen kommen weder Mehl noch Bachpulver. Darum ist er soooooo lecker. Wie eine überdimensionierte Praline;)
    Herzlichst, Signora Pinella

    AntwortenLöschen