Freitag, 20. Februar 2015

Einfach dankbar sein, Erbsmus und Hamsterbacken…

Wer die Gegenwart unzufrieden verachtet, dem kommen selten Tage des Friedens – sagte einst Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, einer der bekanntesten Schweizer Schriftsteller. Ich habe viele Bücher von Gotthelf gelesen und mag ihn wohl auch deshalb, weil er die Gegend beschreibt, aus der ich stamme. Und ich muss Gotthelf zustimmen, wem es nicht gelingt, im Hier und Jetzt und seiner Lebenssituation glücklich zu sein, der wird es auch in Zukunft nicht.
Ich habe in den letzten Monaten auch sehr zu diesen Menschen gehört, die sich mit dem Sein in der Gegenwart schwer taten. In Italien habe ich meine Familie, meine Freunde und die Schweiz vermisst und als der Signore Anfang Jahr nach Amerika gereist ist, habe ich  ihn vermisst. Ich habe mich schwer getan mit den Widrigkeiten des Lebens und mich oft beim Jammern aufgehalten. Als ich am letzten Wochenende Zuhause war und mich ausgiebig beklagt habe, wurde es meiner Mutter zu viel und sie nahm mich mit zum Winterwandern auf einen nahe gelegenen, kleinen Pass, auf den ich schon immer als kleines Kind mit ihr zum Spazieren ging. Und als ich so missmutig hinter ihr durch den Schnee trottete, realisierte ich plötzlich, wie schön die Welt um mich herum ist, wie der Schnee glitzerte und die Sonne warm auf unsere Köpfe scheint.

Ich stellte fest, wie oft ich mich auf die Hindernisse auf meinen Weg konzentriere, anstatt auf den Weg, der daran vorbei führt, zu achten. „Ich zähle täglich meine Sorgen“, heisst es doch in einem alten Schlager. Oh ja, Sorgen zählen kann ich auch gut. Im Angesicht der Natur und der unglaublichen Schönheit unserer Welt, konnte ich aber plötzlich gar nicht anders, als mich vor dieser Pracht zu verneigen und dankbar zu sein. Das Leben ist nicht nur wundervoll – auch wenn mir das so passen würde. Aber es ist auch kein Wunder, dass es schwierig wird, die Hürden zu meistern, wenn man nur die Hindernisse im Auge behält. Diese paar Stunden im Schnee haben mir deutlich gezeigt, wie heilsam ein Spaziergang an der frischen Luft sein kann und dass es immer wieder gut und wichtig ist, die eigene Perspektive zu überdenken und auch einfach mal nur dankbar zu sein.

Mir wurde auch bewusst, wie dankbar ich dafür sein kann, dass ich Menschen um mich habe, die ihr Leben mit mir teilen und die für mich da sind. So war das beispielsweise gestern, als ich meine Weisheitszähne herausoperieren lassen musste. Ich war wirklich ziemlich von der Rolle (irgendwie habe ich es geschafft, mein Delirium in einer Videobotschaft festzuhalten, die ich dann an Freunde und Familie geschickt habe und die für viel Erheiterung sorgte – und nein, damit werde ich mich hier ganz sicher nicht zum Affen machen) und hätte es garantiert nicht alleine Nachhause geschafft – also wurde ich von Mama und Papa Pinella abgeholt und in mein altes Kinderzimmer verfrachtet. Und damit nicht genug. Weil das Essen mit unglaublich dicken Hamsterbacken nicht wirklich einfach ist, hat mir Papa Pinella ein Erbsmus gekocht.
Papa Pinellas Erbsmus ist für mich ein Seelentröster erster Güte. Es schmeckt immer gleich und ist immer unglaublich lecker. Und weil es mir so gut tut, möchte ich heute das Rezept und damit ein Stück vom Duft und Geschmack meiner Heimat mit Euch teilen. Beim Fotografieren der Suppe hat mir die liebe Kathrin von www.kuisine.ch geholfen, die mir einen Krankenbesuch abgestattet hat;)

Zubereitung: Zuerst die fein geschnittene Zwiebel in Öl andünstet und dann das restliche Gemüse dazu geben, weiter dünsten und mit dem Wasser ablöschen. Die Erbsen und etwas Salz dazu geben und das Ganze im Dampfkochtopf aufkochen lassen (Papa Pinella hat noch betont, dass die Suppe nach dem Aufkochen nicht noch ein zweites Mal aufgekocht werden darf, da sie sonst dazu neigt anzubrennen). Den Dampf ablassen, den Deckel entfernen, die Suppe nach Belieben nachwürzen und servieren.

Zutaten: 250 Gramm gelbe Erbsen, 2 gewürfelte Karotten, 1 fein gewürfelte Kartoffel, 1 kleiner, fein geschnittener Lauch, 1 klein geschnittene Zwiebel, 1 Liter Wasser, Salz, Pfeffer und allenfalls Kräuter zum Würzen.
Ich wünsche Euch allen da Draussen, dass Ihr gerade an diesem Wochenende Zeit findet, um in die Natur zu gehen und für die Dinge dankbar zu sein, die in Eurem Leben gut sind (egal, wie viele Widrigkeiten es daneben gibt)!


Herzlichst, Eure Signora Pinella mit den dicken Hamsterbacken…;)

Kommentare:

  1. Liebe Theresa,
    au backe - ich hoffe, dass es Dir bald wieder gut geht und Dich Deine
    nicht mehr vorhandenen Weisheitszähne nicht mehr plagen. Und Du hast
    ganz recht, wir sollten alle viel dankbarer sein. Ich denke, dass es uns
    hier allen richtig gut geht, wir wohnen in einer total schönen, sicheren
    Gegend, wo kein Krieg und keine Not herrscht und da jammert man
    schon mal auf ziemlich hohem Niveau. Ich erwisch mich da selbst schon
    auf oft. Schön, dass Du diesen Post geschrieben hast und uns wieder
    auf den Boden zurückholst...
    Lg Christiane

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    1. Danke liebe Christiane! Ich hab den Post auch geschrieben, damit es mir selber wieder einmal so richtig bewusst wird. Den Zähnen geht es langsam besser. Ich bin nur noch ein halber Hamster;)
      Herzlichst, Signora Pinella

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  2. Liebe Therese!
    Danke für den wunderschönen Post! Bei den Gabuspitzbildern wurden ganz viele Kindheitserinnerungen wach!
    Und seit meiner Hamsterbackenzeit kann ich keine Staldencrème mehr essen...

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    1. Oh Staldencrème muss ich unbedingt auch in meinen begrenzten Speiseplan aufnehmen. Danke für den Tipp liebes Mattli! Gell der Schalenberg ist eben immer wieder schön?!
      Herzlichst, Therese

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  3. Gute Besserung! Und danke für den Einblick in deine Seele
    Herzlichst
    yase

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    1. Danke liebe Yase!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  4. Guten Morgen,
    nicht immer ist es leicht mit dem Hier und Jetzt klar zu kommen und oft ist man über eine Kleinigkeit verärgert, die den Tag "versaut". Besser, wenn auch das nicht leicht ist, jedem Tag sein Gutes abzugewinnen und sich daran aufzubauen. Deine Fotos sind Balsam für die Seele und ich nehme sie jetzt mit in den Tag und bin glücklich und zufrieden, dass ich mit meinen Augen das Wunderwerk der Natur erleben kann....meine Sinne sind geschärft für den Frühling mit all seinen schönen Seiten. Zumindest zeigt er sich hier von seiner besten Seite.
    Liebe Grüße ins Wochenende - Stine -

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    1. Danke für Deine lieben Worte Stine! Ich freu mich auch auf den Frühling, wenn es wieder wärmer wird und die Natur erwacht!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  5. Guten Morgen liebe Therese
    Es ist manchmal schon erstaunlich, wie gut frische Luft und etwas Bewegung tut. Deine Bilder sind sehr schön.
    Ich drück dich und wünsche dir ein einen guten Tag.
    Herzlichst
    Gabriela

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    1. Danke liebe Gabriela! Ich werde mich heute wieder etwas nach Draussen wagen. Langsam geht es mir wieder besser!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  6. Meine liebe Signora Pinella :-), die liebe Mutter Natur, ja, manchmal schützen wir uns vor ihr, wenn sie sich zu arg von ihrer rauen Seite zeigt, aber meistens gibt sie uns schnell Frieden, schöne Gedanken und unerwartete Höhenflüge von denen aus man nach unten schauen und Distanz gewinnen kann.
    Ich wünsche dir eine schnelle Heilung und noch viele gute Süppchen, vielleicht mal eine etwas indische Rote Linsen Suppe mit einem Hauch Zitrone. Da war sie schon wieder, die liebe Mutter Natur mit ihren duftenden Gaben,
    liebe Grüße
    Angelika
    ...und ganz lieben Dank für all die schönen Bilder und Gedanken

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    1. Liebe Angelika,
      vielen Dank für den Tipp mit der Linsensuppe. Die klingt sehr lecker und ich mag Linsen sehr! Werd das gleich mal ausprobieren!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  7. Ein wunderschöner Eintrag mit beeindruckenden Fotos, zu Gedanken anregend, die frau sich durchaus öfter machen sollte.. ;-)
    Und die Suppe muß ja köstlich sein.

    Viele Grüße
    Elena

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    1. Danke liebe Elena! Ja, die Suppe ist wahrhaftig lecker!
      Herzlichst, Signora Pinella

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  8. Ciao Signora!
    Leben! Leben! Leben! und zwar jetzt! Nicht immer ganz einfach - aber wer will das schon - gute Gedanken, meine Liebe und das Ebsmus passt wundervoll in die grauen Tage. Mal sehen, was zu Hause ist!
    Hab eine feine Zeit
    Elisabeth

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    1. Danke liebe Elisabeth! Ich bemühe mich im Moment täglich darum, den Moment zu geniessen und nicht über das Morgen zu grübeln.
      Herzlichst, Signora Pinella

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  9. Wahre Worte!!! Ich habe leider auch den Hang dazu, dem Schönen oft weniger Gewicht zu schenken als dem Schweren im Leben. Dabei muss ich eigentlich sagen, dass es in meinem Leben nichts gab, was wirklich schwer oder schlimm war!!! Auch wenn sich das im Moment oft anders angefühlt hatte. Bisher wurde ich Gott sei Dank vor vielem bewahrt und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Ich überlege mir aber ernsthaft mit meiner Familie einen Einsatz in einem Drittweltland zu machen, damit diese Dankbarkeit auch mal wieder tief ins Herz rutscht! Deine Worte haben sehr gut getan und die Bilder sind eine Augenfreude!

    Danke für den CD Tip ;-)!

    Herzlichst
    Melanie

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