Donnerstag, 27. November 2014

Der Kipfel, der Kapfel, der knusprige Bratapfel…

Musstet oder durftet Ihr zu Weihnachten oder für den St.Nikolaus auch Gedichte auswendig lernen? Meine Mama hat das jedes Jahr mit allen meinen drei Geschwistern und mir gemacht. Ich kann noch heute mehr oder weniger flüssig den ganzen Knecht Ruprecht von Theodor Storm herunter beten. 

Als ich noch etwas kleiner war, ging es trivialer zu und her. Damals sagte ich dem Nikolaus das Gedicht vom Bratapfel auf. Meine Mama legte immer grossen Ehrgeiz an den Tag, wenn es darum ging, uns Gedichte beizubringen - dagegen hatte sie keine grossen sportlichen Ambitionen für uns. Was vielleicht im Nachhinein gesehen auch besser war. Gedichte lernen lag mir definitiv mehr;). 

Der Bratapfel
Kinder, kommt und ratet, was im Ofen bratet! Hört, wie's knallt und zischt. Bald wird er aufgetischt, der Zipfel, der Zapfel, der Kipfel, der Kapfel, der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller, holt einen Teller,
holt eine Gabel! Sperrt auf den Schnabel für den Zipfel, den Zapfel, den Kipfel, den Kapfel, den goldbraunen Apfel!
Sie pusten und prusten, sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken, sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel, den Kipfel, den Kapfel, den knusprigen Apfel. 

(Volkstümlich)

Kürzlich fiel mir eben wieder dieses Gedicht ein. Ich mag Bratäpfel unglaublich gerne. Es gibt wenige Dinge, die mich mehr betören, als der süsse Bratapfelduft. Eben der Kipfel, der Kapfel, der gelbrote, goldbraune, knusprige Apfel…

Und weil ich heute die liebe Kathrin von kuisine.ch zum Mittagessen zu Besuch hatte und sie unglaublich gerne Süsses hat (am liebsten etwas Saftiges) und gleichzeitig auch den Geschmack von Zimt, Vanille, Kardamom und Ingwer liebt, war es für mich naheliegend, dass es zum Dessert Bratäpfel mit Vanillesauce gibt. Und weil sie so wunderbare Bilder macht, habe ich ihr meine kleine Kamera (ich wünsche mir eben gaaaaaanz fest eine neue, weil ich mit meiner wirklich an Grenzen stosse) in die Hand gedrückt und sie gebeten die Bratäpfel und meine Weihnachtsdeko zu fotografieren. Danke vielmals (Kathrin bringt sogar mit mickrigen Nikon D3100 gute Bilder hin)!

Wie ihr sehen könnt, habe ich mir nun so origamimässig, gefaltete Weihnachtsbäume zugelegt. Ich bin ja immer noch so schrecklich traurig, dass mir unser geliebter Tannenbaum (die Geschichte dazu gibt es hier)  gestohlen wurde. Daher kompensiere ich das nun mit einem ganzen Tannenwald – ich habe bewusst nicht versucht, den alten Baum zu ersetzen. Das wäre gar nicht möglich und würde mich nur traurig machen.
Die Krippenfiguren sind aus einer Holzschnitzerei in Brienz (hier geht’s zum Onlineshop). Der Signore schenkt mir jeweils zu Weihnachten eine Figur. In Italien sind Krippen ja unglaublich wichtig. Viel wichtiger als Weihnachtsbäume. Da in meinen Adern ein paar Tropfen deutsches und auch ein paar Tropfen italienisches Blut fliessen, verbinde ich die Traditionen gerne zusammen.

Und nun noch das Bratapfelrezept

Zutaten: 6 Äpfel, 200g gemahlene Haselnüsse oder Mandeln, 100 g Saurer Halbrahm, 3 Esslöffel Puderzucker, 1 dl Orangensaft, Weihnachtsgewürz (ich mag dafür am liebsten Aladins Kaffeegewürz von Sonnentor mit Kardamom, Zimt, Ingwer, Piment, Nelken, Vanillepulver und Macis).

Zuerst den oberen Teil der Äpfel abschneiden und als Deckel aufbewahren. Die Äpfel aushöhlen. Die Haselnüsse mit dem Sauerrahm, dem Puderzucker, den Gewürzen und einem Schuss Orangensaft vermischen. Dann den Rest des Orangensaftes etwas mit Wasser verdünnen und in eine feuerfeste Form geben. Die Äpfel mit der Masse füllen, mit dem Deckel zudecken, in die Auflaufform geben und das Ganze eine Stunde bei 150 Grad im mittleren Teil des Ofens backen.

Besonders schön ist es natürlich, wenn man einen Holzofen hat. Denn früher wurden die Bratäpfel dort drin zubereitet.

Zu den Äpfeln könnt Ihr gut Vanille-Eis oder Sauce servieren. Das ist sehr lecker!

So, nun mache ich mich an die letzten Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt vom Samstag (mehr Infos gibt es hier). Ich bin schon mächtig aufgeregt. Deshalb freut es mich auch, dass mich Kathrin begleitet, mir hilft und sicher wunderbare Bilder machen wird. Ihr dürft Euch also freuen!
Ich wünsche Euch allen einen wundervollen Tag voller süssem Zimt- und Apfelduft (für alle, die das mögen: Es gibt im Drogeriemarkt Müller eine wunderbare Weihnachtsduftkerzen-Serie mit genau diesen Gerüchen)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Dienstag, 25. November 2014

Faszination Perle di Fiume...

Heute habe ich ein letztes Mal Perlenbilder für Euch. Na ja, ich werde sicher immer wieder über meine Perlenliebe schreiben. Aber jetzt gibt es dann erst einmal eine Pause. Diese hier muss ich euch aber noch zeigen. Denn, wann hat Frau schon so viele schöne Perlen im Haus? Im Moment kombiniere ich sie sehr gerne zu dicken Strickjacken. Dann bin ich zwar warm verpackt, fühle mich aber trotzdem elegant gekleidet.

Ich habe übrigens eine sehr schöne Strickjacke in Florenz auf dem Markt gefunden. Ich hatte früher immer grosse Vorurteile gegen Kleidungsstücke vom Mark. Aber ich muss sagen, dass man auf dem schönen Mercato Sant'Ambrogio doch immer wieder sehr hochwertige Sachen findet. Ich habe deshalb für den Weihnachtsmarkt am kommenden Samstag (weitere Infos gibt es hier), für den auch alle die Perlenketten sind, Halstücher mitgebracht, die sich sogar zu den Perlen kombinieren lassen.

Das sind übrigens alles sogenannte Fluss- oder Barockperlen. „Sono Perle di Fiume“, betont Perlenhändler Ali immer. Der verkauft die Perlen auf dem Mercato. Wie ich sie knüpfe, habe ich Euch hier bereits gezeigt.

Im Arno, dem Fiume, der durch Florenz fliesst, werde ich wohl keine Flussperlen finden. Denn er ist wirklich unglaublich schmutzig. Für mich war das am Anfang sehr komisch, da die Gewässer in der Schweiz so sauber sind, dass man praktisch in jedes ohne Bedenken baden gehen kann. In Florenz würde ich das eher sein lassen… Trotzdem ist es schön dem Arno entlang zu spazieren und die warme Herbstsonne zu geniessen.

Ich habe übrigens festgestellt, dass die Perlen eigentlich jede Sorte Frau faszinieren. Bisher dachte ich immer, dass es den Silber- und den Goldschmucktypen und die Frau mit eher alternativem Schmuck usw. gibt. Bei den Perlen habe ich bisher keine Systematik gefunden. Die scheinen Typenübergreifen und absolut unabhängig vom Alter zu funktionieren. Das finde ich schön.

Die liebe Gabriela vom Blog Gwie (hier gehts zu ihrem Blog) und die liebe Kuhmagda (hier gehts zu ihrem Blog) haben übrigens wunderschöne Bilder von den Perlenarmbändern gemacht, die ich ihnen geschenkt habe. Das hat mich sehr gefreut! Das sind übrigens zwei wunderbare Blogs! Schaut dort unbedingt vorbei!!!

Ich glaube, das Geheimnis der Perlen liegt darin, dass sie absolut zeitlos sind und in der richtigen Form von jeder Altersklasse getragen werden können. Daher bin ich auch so froh, dass die Halsketten und Armbänder für die kleinen Marktbesucher auch noch fertig wurden.

Nun wünsche ich Euch einen schönen Tag voller Perlenglanz!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Sonntag, 23. November 2014

Eine richtige Ribollita als Dankeschön...

Mögt Ihr die Stille am Sonntagmorgen auch so sehr wie ich? Alles ist ruhig hier, der Signore schweift noch durchs Traumland und sogar unsere lauten, italienischen Nachbarn geben keinen Mucks von sich – das ändert sich dann, wenn sie um zehn den Fernseher anstellen, um die Messe zu sehen. Jedenfalls habe ich nun wunderbar Zeit, um Euch endlich das Rezept für die „richtige“ Ribollita zu verraten. Denn diese Suppe ist die absolut perfekte Mahlzeit für kalte Novembertage.
Ich habe Euch ja bereits im Post über die orientalische Ribollita (hier geht’s zum Rezept) erzählt, dass ich diese Suppeneintöpfe mit den warmen Küchen und der ländlichen Atmosphäre der Toskana verbinde. Daher zeige ich Euch auch noch einige Bilder vom Weingut Le Filigare, über das ich hier und hier bereits geschrieben habe. So ist für mich die richtige Toskana, die mir in diesem Jahr in Italien sehr ans Herz gewachsen ist. Je näher der Abschied kommt und je mehr ich über alle die Dinge, die ich gesehen und erlebt habe, nachdenke, umso mehr realisiere ich, wie sehr mich die Zeit hier verändert hat. Es war bei Weitem nicht immer alles Frieden, Freude, Eierkuchen oder Dolce Vita. Oft kostete es mich einiges an Überwindung und auch Disziplin den Alltag in einem Land, das mir am Anfang noch sehr fremd war, zu bewältigen. 

Gerade durch den Blog, als ich begonnen habe bewusst nach den schönen Dingen zu suchen, damit ich sie Euch zeigen kann, habe ich immer mehr das Schöne und Liebenswerte an Italien und den Menschen hier zu entdecken begonnen. Es ist eben immer eine Frage des Fokus. Sobald ich Negativität und Pessimismus abgelegt habe, hat sich mein Herz für Italien geöffnet. Mich freut es auch immer sehr, dass Ihr liebe Leserinnen und Leser mir so liebe Rückmeldungen zu meinen Posts gebt. Ihr glaubt gar nicht, was das einem bedeutet, wenn man den ganzen Tag alleine Zuhause im Büro sitzt und sich sonst mit niemandem austauschen kann.
Zum Dank hier nun das Rezept für die wundervolle (wenn man den Käse weg lässt komplett vegane) Ribollita.

Zutaten: 200 g weisse Bohnen, 100 Gramm Kichererbsen, 1 Zwiebel, 1 Karotte, 1 Stangensellerie, 1 grosse Kartoffel, 3 Esslöffel Tomatenpüree, 500 g Weisskohl, 5 Stücke Weissbrot, 100 Gramm geriebener Käse und 1 Liter Gemüse-Bouillon.

Zubereitung: Ich bereite die Ribollita gerne mit getrockneten Bohnen und Erbsen zu. Diese müssen aber über Nacht eingeweicht werden. Ihr könnt auch welche aus dem Glas verwenden, wenn Ihr nicht die Zeit habt, selber Kichererbsen und weisse Bohnen einzulegen. Diese werden dann zusammen mit allem, kleingeschnittenen Gemüse in Olivenöl angedünstet und mit der Gemüse-Bouillon abgelöscht. Danach noch das Tomatenpüree, etwas Salz und Pfeffer zugeben und alles für mindestens eine Stunde köcheln lassen. Das Besondere an der Ribollita ist ja, dass es keine Suppe, sondern eher ein Mus ist und dass man das Gemüse wirklich verkochen lässt. Wenn die Suppe diesen Zustand erreicht hat, wird das Brot in kleine Stücke geschnitten und darunter gemischt. Vor dem Servieren noch etwas Käse darunter ziehen und schon ist das Gericht fertig. Mir persönlich schmeckt die Ribollita am zweiten Tag, wenn sie nochmals aufgewärmt wurde (Ribollita bedeutet auch die Wiedergekochte) am besten.

Nun wünsche Ich Euch einen schönen und erholsamen Sonntag!

Herzlichst, Eure Signora Pinella