Donnerstag, 30. Oktober 2014

Sternenzauber 1.Teil…

Guten Morgen Ihr Lieben! Ich freue mich, dass ich Euch nun endlich verraten kann, an welchem Projekt ich im Moment arbeite. Meine liebe Sorella Madame Gaianna (hier geht es zu ihrem Blog) organisiert einen Weihnachtsmarkt. Ja, die Madame kann das. Die hat schon ganz andere Dinge gestemmt und unter anderem Bundesräte dazu gebracht, Geburtstagskarten für Familienmitglieder zu schreiben, Bälle in schönen, alten Schlössern organisiert, von einem edlen Schuhkonzern Tanzschuhe für die Schüleraufführung ihrer Schule organisiert (als Spende wohlgemerkt) und so weiter. Die Liste ist ewig lang. Also ist so ein Markt quasi ein Spaziergang für sie.
Und weil die Madame so voller Tatendrang war, hat sie die Signora kurzerhand angesteckt und mich überzeugt mit einem kleinen Stand voller hübscher Sachen aus Italien am Markt mit dabei zu sein. Ich bin nun also schon seit Wochen am Perlen aufziehen und knüpfen und auf der Suche nach kleinen Trouvaillen, die ich Euch dann an den Markt mitbringen werde. Was es alles sein wird, zeige ich Euch zu einem späteren Zeitpunkt, da ich ja noch nicht fertig bin mit den Vorbereitungen (hier, hier und hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack).


Für mich ist es das erste Mal, dass ich so etwas mache. Daher bin ich auch sehr aufgeregt. Ich lade Euch alle herzlich ein vorbei zu kommen! Es würde mich freuen, wenn ich viele von Euch einmal persönlich kennen lernen dürfte! Die liebe Kathrin von kuisine.ch wird auch da sein und hat versprochen einmal mehr wundervolle Bilder zu machen. Die mit den Armbändern hat übrigens auch sie gemacht.
Der Markt findet in Schönenwerd statt und ist auch gut mit dem ÖV zu erreichen. Es warten viele wunderbare Stände, leckere Verpflegung und ein stimmungsvoller Ausklang auf die Besucher. Das Motto vom Markt ist übrigens Sternenzauber. Warum mir das besonders gefällt, verrate ich Euch die Tage noch in einem zweiten Post zu diesem Thema!

Nun wünsche ich Euch allen einen zauberhaften, wundervollen Tag und mache mich wieder ans Perlenknüpfen…


Herzlichst, Eure Signora Pinella

Dienstag, 28. Oktober 2014

Süsses für die Seele...

Bisher wurde ich in Florenz ja von Herbstkälte und Nebelblues verschont. Doch mit dem Umstellen der Uhrzeit kam am Wochenende ein eisiger Wind, der das Ende der warmen, goldenen Tage ankündete. Mit dem Wind und der Kälte überkam uns auch ein Hauch Wehmut. Bald schon werden wir Florenz verlassen und was noch viel schlimmer ist, der Signore wird sich einfach so für eine viel zu lange Zeit nach Amerika verabschieden… Meine Mama sagt immer, dass man einen Spaziergang machen soll, wenn man melancholisch sei. Das regeneriere Körper und Geist. Weil Mama Pinella in der Regel bei solchen Dingen richtig liegt, sind der Signore und ich losgezogen und haben die letzten Sonnenstrahlen bei einem Bummel durch die Stadt genossen.
Ich mag das Spazieren auch deshalb so gerne, weil wir dann Zeit haben miteinander zu plaudern und unsere Gedanken auszutauschen. Der Signore erzählt mir dabei immer viele spannende Dinge. Da er ein richtiger Bücherwurm ist, komme ich dann auch regelmässig in Genuss seiner Buchzusammenfassungen, die zwischenzeitlich sehr ausschweifend sein können...

Jedenfalls hat er mir irgendwo auf dem Weg entlang dem Arno, über den Palazzo Pitti und Giardino Boboli und zurück auf die Piazza Signoria seine neusten Erkenntnisse aus einem Buch über Management erläutert. Der Autor schreibe im Buch, dass in unserer Gesellschaft viel zu viel Wert auf das Ausbügeln von Schwächen gelegt werde. Eigentlich sei das aber völlig blödsinnig, da man Schwächen oft maximal und nur mit riesigem Aufwand bis zur Mittelmässigkeit ausbügeln könne. „Man sollte sich also in jedem Lebensbereich auf seine Stärken konzentrieren“, erklärte mir der Signore bei einer Tasse heisser Schokolade im Caffé Rivoire. Denn wenn jeder Mensch in seinen Begabungen optimal gefördert würde, sei das viel wertvoller, als wenn man immer auf den Schwächen herumprügeln würde. Und so würde man sich auch nicht auf lauter unnötige Dinge konzentrieren, die einem sowieso keine Freude bereiten.
Und als ich da so sass, eine Tasse der besten, dickflüssigsten, süssesten, heissen Schokolade vor mir, konnte ich dem Signore absolut zustimmen. Man stelle sich einmal vor was gewesen wäre, wenn Enrico Rivoire, der 1872 in Florenz ansässig wurde, sich entschieden hätte, anstatt Zuckerbäcker Schuster oder Goldschmied zu werden. Der gute Mann hätte allenfalls mittelmässiges Schuhwerk oder minderwertigen Schmuck fabriziert und ich hätte gut 150 Jahre später nicht an einem kalten Herbsttag im Caffé Rivoire sitzen und die hausgemachte Schokolade aus perfekt gerösteten Kakaobohnen trinken können.

Da ich nach der Zauberschokolade aus dem Rivoire wieder glücklich und voller Ideen war, entschied ich mich noch einen drauf zu legen und Apfel-Cookies mit Zimt, Kardamom, Nelken und Vanille zu backen. Denn was streichelt die Seele mehr als diese süssen weihnachtlichen Gewürze. Na ja vielleicht die Musik von Ella und Louis oder Dolly Parton – ja Ihr habt richtig gelesen. Ich mag Country sehr. Den Signore macht das gar nicht glücklich, aber Dolly ist ihm wohl immer noch lieber, als wenn ich Michael Bublé auflege. Dolly singt übrigens einen Song, in dem sie in den ersten Liedzeilen genau den lieben Signore beschreibt. Hier könnt ihr ihn hören;)

Und hier das Rezept für die absolut glücklich machenden Apfel-Cookies:

Zutaten: 50 Gramm weiche Butter, 100 Gramm Rohrzucker, 1 Messerspitze Backpulver, 200 Gramm Mehl,100 Gramm feine Haferflocken, 1 Prise Salz, 1 gehäufter Esslöffel Sesam, 3 Esslöffel gehmalene Haselnüsse, je eine Messerspitze gemahlene Vanille, Zimt, Kardamom und Nelken, 3 Esslöffel Milch und ein klein geschnittener Apfel.

Alle Zutaten gut miteinander zu einem homogenen Teig vermischen, einzelne Kugeln formen, diese auf dem Kuchenblech etwas platt drücken und das Ganze 20 Minuten bei 180 Grad backen. Ich mag es, wenn die Cookies im Kern noch etwas feucht und aussen herum schön knusprig sind.
Ich mache mich nun wieder ans Vorbereiten einer ganz besonderen Sache, auf die ich mich riesig freue. Bald schon kann ich Euch mehr darüber berichten. Und da der Signore bei der Arbeit ist, kann ich gemütlich Dolly dazu hören, lautstark mitsingen und die restlichen Cookies ganz alleine verdrücken;)

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag und dass Ihr Zeit für die Dinge findet, die Ihr wirklich gerne tut und die Euch glücklich machen!


Herzlichst, Eure Signora Pinella

Freitag, 24. Oktober 2014

„Lingue di Suocera“ - oder warum Mütter (fast) Heilige sind…

Heute habe ich ein Rezept für wahrhaft leckere Schwiegermutterzungen für Euch – ja die Dinger heissen hier in Italien so. Also eigentlich ist ihr Name „Lingue di Suocera“. Für kreative Namensgebungen sind die Italiener ja sozusagen Spezialisten. Ich mag das.
Die Schwiegermütter an und für sich sind ohnehin immer wieder ein Thema. Mir wurde bereits etliche Male erklärt, dass jede Schwiegertochter in den Augen der Schwiegermutter eine Diebin sei und der Familie den Sohn wegnehme. Auch sonst scheint in der italienischen Gesellschaft keine Figur so wichtig zu sein wie die Mama. Während man sich über die Schwiegermama eher lustig macht – es gibt hier auch wirklich leckere Nüsse im Zuckermantel zu kaufen, die „Adormentare Suocera“ heissen (die Idee ist, dass die jungen Männer ihren Schwiegermüttern solche Nüsse beim Besuch ihrer Angebeteten mitbringen, die zukünftige Schwiegermutter vom Zucker müde wird und einschläft und das Liebespaar ein paar ungestörte Stunden miteinander verbringen kann) – ist die Mama schon fast eine Heilige.

Ich backe seit vielen Jahren Schwiegermutterzungen. Einfach weil sie zusammen mit Oliven gut zu einem Glas Wein passen. Letzte Woche kam die liebe Gabriela vom Blog GwieGabriela (hier geht’s zu ihrem Blog) zu einem Glas Wein vorbei und da habe ich eben für sie „Lingue di Suocera“ gebacken. Wir haben den ganzen Abend lang gequatscht und waren uns ziemlich schnell einig, dass das „Schwiegermutter-Phänomen“ durchaus universell sei und sich bei Weitem nicht nur auf Italien beschränke.

Wenn ich dann Mamas wie beispielsweise Gabriela sehe (schaut Euch z.B. einmal auf ihrem Blog an, wie liebevoll sie ihren Kindern jeweils einen Geburtstagstisch vorbereitet), wird mir dann wieder bewusst, was Mütter alles für ihre Kinder auf sich nehmen und warum es vielleicht gar nicht so einfach ist, die Kleinen dann einmal ziehen zu lassen. Der Schlaf kommt zu kurz und die Freizeit auch und sowieso wird man als Mama wohl herzlich wenig nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gefragt. Und trotzdem geben sie jeden Tag ihr Bestes für diese kleinen Wesen. Vielleicht kommt die Idee, dass die Mama eine Heilige sei nicht ganz von ungefähr. Die Mütter in meinem Umfeld hätten alle mindestens einen Orden für ihre Arbeit, jeden Tag einen grossen Strauss Rosen oder zumindest ab und zu ein Glas Wein und Schwiegermutterzungen dazu verdient.

Meine Mama (auch eine dieser Ordensträgerinnen) hat mir als Kind übrigens immer die Geschichte von Ruth und Noemi vorgelesen. Sie waren Schwiegertochter und Schwiegermutter und standen sich sehr nahe. Es gibt eben auch Beispiele von sehr harmonischen Beziehungen zwischen der Mama und der Frau des Sohnes.

Und eines muss man den „Lingue di Suocera“ lassen – auch wenn sie aussehen wie überdimensionierte Plapperzungen, schmecken sie einfach hervorragend. Daher habe ich hier das Rezept für Euch:

Zutaten
200 Gramm Mehl, 1dl Wasser, 7 Gramm Trockenhefe, 3 Esslöffel Olivenöl, 1 Kaffeelöffel Salz und grobes Meersalz zum Bestreuen des Teiges

Zuerst wird aus dem Mehl, der Hefe, dem Salz, dem Öl und dem Wasser ein glatter Teig geknetet. Diesen mindestens eine Stunde lang zugedeckt ruhen lassen. Dann den Teig zerschneiden und mit dem Wallholz zu langgezogenen Fladen ausrollen, diese mit dem grobkörnigen Meersalz bestreuen und etwa für 20 Minuten bei 180 Grad backen (sie sollten nach dem Backen richtig knusprig sein).

Optional können die „Lingue di Suocera“ auch mit Rosmarin, Pfeffer, Knoblauch oder anderen Gewürzen bestreut werden.
Nun wünsche ich Euch allen ein schönes Wochenende. Und besonders den Müttern ein paar entspannte Stunden ganz für sich alleine und den Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern viele gute Gespräche und gegenseitige Dankbarkeit!

Das gilt übrigens auch für die Väter, Schwiegerväter und Schwiegersöhne da Draussen!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Von goldenen Überraschungen, Antiquitäten, Fussballhymnen, Grosszügigkeit und Zucchinisalat…

So, endlich komme ich dazu, Euch wieder einmal an der wundervollen Welt der Signora Pinella teilhaben zu lassen. In den letzten Tagen war ich so viel unterwegs, dass ich einfach nicht dazu gekommen bin. Einerseits war ich in der Schweiz zum Arbeiten und  anderseits hatten wir dann das ganze Wochenende über Besuch. Das Ganze wurde gestern Abend mit dem Besuch des Champieonsleague-Spiels von AS Roma gegen Bayern-München in Rom abgerundet. 
Im TV mag ich Fussballspiele oder auch andere Sportevents nicht besonders. Ich gehe aber sehr gerne ins Stadion. Alleine weil ich einfach die Stimmung mag. Habt Ihr übrigens gewusst, dass die Championsleaguehymne (hier könnt Ihr sie anhören) nach einem Motiv aus Georg Friedrich Händels Coronation Anthems (siehe hier) komponiert wurde? Als grosse Händel-Verehrerin war also der Teil mit der Hymne mein Highlight des Abends – denn das Spiel war nicht besonders spannend, weil die Römer dermassen von den Bayern über den Tisch gezogen wurden;)

Der Höhepunkt des letzten Wochenendes war der Besuch des Mercato Antiquariato im Giardino della Fortezza. Dieser Park liegt ganz nahe beim Bahnhof von Florenz und der Markt findet an jedem zweiten Wochenende im Monat statt. Wenn jemand wirklich ein Fan von schönen Antiquitäten ist, lohnt sich alleine wegen diesem Mark eine Reise nach Florenz. Jedenfalls habe ich mit unseren Gästen am Sonntagmorgen den Mercato dell‘ Antiquariato besucht und will Euch nun mit Bildern daran teilhaben lassen. Denn der Markt ist wirklich ein Traum und ich hätte dort noch stundenlang verweilen und herumstöbern können! Und ja, ich gebe es zu, dass der Vorschlag für den Marktbesuch etwas eigennützig war. Aber ich habe noch so viele Dinge, die ich in Florenz sehen und besuchen möchte, dass ich mich langsam aber wirklich ranhalten muss. Die Zeit rast und bald ist das Jahr vorbei. Immer öfter sprechen der Signore und ich deshalb auch darüber, wie uns die Zeit verändert hat und welche Dinge, Lebenseinstellungen und Haltungen wir von hier mitnehmen wollen. Ich werde in diesem und in einigen nächsten Posts ein paar Gedanken dazu mit Euch teilen.
Heute geht es mir um das Thema Grosszügigkeit: Der Signore und ich stellen immer wieder fest, dass in Italien die Menschen grosszügiger sind als in der Schweiz. Wenn man zum Essen verabredet ist, wird man häufig eingeladen oder man teilt den Preis einfach durch die Anzahl anwesender Gäste auf. Egal wie teuer das Essen des Einzelnen war, man macht einfach eine Mischrechnung. Kompliziertes, auf den Rappen genaues Abrechnen gibt es nicht. Und die Männer bezahlen. Da kann man sagen, dass das altmodisch und überholt sei. Vielleicht ist es das. Aber ich mag die Haltung dahinter, dass Mann der Frau etwas zu liebe tut. 

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen diese Haltung der Grosszügigkeit gegenüber meinen Mitmenschen mit zu nehmen. Dabei geht es ja gar nicht so sehr darum mit Geld um sich zu werfen, sondern darum dem Anderen etwas Gutes zu tun und es ihm von ganzem Herzen zu gönnen. Mama Pinella erzählte mir, dass die Familie meines Opas oft sehr wenig Geld hatte. Sie seien aber sehr kreative Menschen gewesen und hätten aus dem Wenigen, das sie hatten, etwas Schönes gemacht und das Haus immer voller Gäste gehabt. Das gefällt mir und das erlebe ich auch oft in Italien. Denn seien wir ehrlich, Reichtum definiert sich vor allem über die Herzenshaltung und nicht die Summen auf dem Bankkonto.

Daher mag ich wohl auch Floh- und Antiquitätenmärkte so gerne. Es ist ein schöner Gedanke, altem Krempel nochmal neues Leben einzuhauchen und aus dem das Beste zu machen, was das Leben einem gibt.

Und noch zum Thema Grosszügigkeit. Als ich in die Schweiz kam, wartete eine wunderbare Überraschung auf mich. Die liebe Kuhmagda hatte mir einen goldenen Sparschäler geschickt, den sie einmal in einem Ihrer Blogpostst (hier geht’s zu ihrem Blog) gezeigt hatte. Ich bin fast ausgeflippt vor Freude. Ihr müsst Euch vorstellen, ich bin der lieben Kuhmagda noch nie begegnet und sie macht mir eine solche Überraschung.

Und weil ich einen Teil der Freude mit Euch teilen will, zeige ich Euch hier endlich noch den Zucchinisalat mit Trüffelöl, über den ich schon des Öfteren geschrieben habe.

Dazu schneidet ihr Zucchini mit einem Sparschäler – es geht auch mit einem „Normalen“, ein Goldener, ist natürlich noch besser, da Ihr damit zu absolut, virtuosen Zucchinischneidern werdet – in dünne Streifen. Diese richtet ihr auf einem Teller an und bestreut sie mit gehobeltem Käse. Das Ganze würzt ihr mit Salz und Pfeffer und dann beträufelt Ihr die Streifen mit Trüffelöl. Das ist ein absoluter Traum!
So, ich werde mir nun gerade ganz viele Rezepte überlegen, für die ich etwas schälen muss. Wenn ich schon ein so schönes Küchengerät bekomme, will ich es auch verwenden. Vielen vielen Dank nochmals liebe Kuhmagda! 

Von wegen dem dünn Schneiden. Die liebe Kathrin von Kuisine hat hier einmal ein Rezept für einen gerollten Kuchen gepostet – ich glaube, ich mache heute den.

So, das wars. Ich schicke Euch liebe Grüsse aus dem Süden!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Freitag, 17. Oktober 2014

Una Crema di Vin Santo...

Vor einer Woche habe ich hier geschrieben, dass mein Wochenende wahnsinnig kreativ werde. Das war es dann auch, weil die liebe Kathrin vom Blog www.kuisine.ch zu Besuch kam. Da wurde gekocht und gewerkelt und fotografiert bis zum Umfallen (das könnt Ihr wörtlich nehmen, wir waren am Abend wirklich fix und alle – aber wir haben alle unsere Pläne umgesetzt). Kathrin und ich entschieden uns die Arbeit aufzuteilen. Das heisst, dass ich all mein neues Wissen über die italienische Küche zusammen kramte und sie sich ans Fotografieren machte. So entstand das Rezept für eine wundervolle Vin Santo Creme.
Ich wollte Euch diese Creme schon lange einmal zeigen. Aber das ging nicht, weil ich sie zuvor immer mit Mascarpone zubereitete und sie einfach viel zu schwer war. Die Erleuchtung hatte ich dann bei einem Besuch mit meinem Bruder in Lucca. Dort wurde uns eine sehr fluffige Creme serviert, deren Hauptbestandteil angeblich Mascarpone war. Ich möchte ja wissen, wie die Creme so leicht wurde… Jedenfalls dachte ich dann über Cremen im Allgemeinen nach und kam früh am Morgen zum Schluss, dass eine Vin Santo Creme ebenfalls fluffig und luftig sein müsse. Der Signore befand sich zu dem Zeitpunkt natürlich noch im Schlummerland und war nicht gewillt mit mir über die Konsistenz von Süssspeisen zu sinnieren.

Da wir mit Kathrin aber eine weitere, höchst motivierte Frühaufsteherin zu Besuch hatten, machten wir uns noch in den Schlafanzügen an die Umsetzung des neuen Rezeptes und an das Fotografieren. Solche Aktionen haben wir übrigens bereits als Teenager gemacht. Das ist wohl mit einer der schönsten und besten Gründe kreativ zu sein. Man fühlt sich voller Energie und Tatendrang. Mir gefiel an unserer Aufgabenteilung besonders, dass ich am Herd herumwerkeln konnte und Kathrin den heiklen Teil des Fotografierens übernahm.

Der Signore meinte schon des Öfteren, dass ich Leute dazu animieren würde, unsere Wohnung in ein Künstler-Atelier zu verwandeln. Wir hatten im Sommer ja bereits eine ganz liebenswürdige Besucherin, die bei uns wohnte, während sie in Florenz zur Sprachschule ging. Am Nachmittag schrieb und zeichnete sie dann für ihre Maturaarbeit (so etwas wie die Abschlussarbeit am Gymnasium), am Abend wurde dann gemeinsam gekocht und nach dem Znacht haben wir Perlenketten gebastelt. Einfach wunderbar. Unsere junge Besucherin erhielt für ihre Arbeit übrigens die Bestnote. Da bin ich mächtig stolz auf sie!!! Da sieht man einmal mehr, wie positiv sich ein kreatives Chaos auf Geist und Seele auswirken kann. Red Bull ist da ein Dreck dagegen;)

Ich stehe ja sowieso nicht so auf Energy-Drinks. Da ist mir ein Glas Vin Santo wesentlich lieber. Vin Santo ist der Dessertwein in der Toskana. Gewonnen wird er aus Chianti Trauben, die entweder bis nach dem ersten Frost an den Reben waren oder geerntet und dann auf Stroh gebettet werden, bis ein leichter Gährungsprozess einsetzt. Der Wein schmeckt süss und hat mit ungefähren 15 Volumenprozenten einen recht hohen Alkoholgehalt. Der Legende nach wurde der Vin Santo bei einem Konzil in Florenz griechischen Geistlichen serviert. Diese meinten, dass der süsse Wein wie Wein aus Xantos schmecken würde. Die Italiener interpretierten Xantos als Santos und fühlten sich geschmeichelt, dass ihr Süsswein als „heiliger Wein“ bezeichnet wurde. Seither trägt der toskanische Süsswein den Namen Vin Santo. Traditionellerweise wird der Vin Santo mit den sogenannten Cantuccini di Prato, einem zweimal gebackenen Mandelgebäck serviert. Hier das Rezept dazu. Weil uns das etwas zu trocken war, haben wir eine Vin Santo Creme kreiert, welche den Wein mit dem Gebäck verbindet.
Und hier das Rezept für die Vin Santo Créme mit Cantuccini:

Zutaten: 3 Esslöffel Vin Santo (optional kann auch Eiswein verwendet werden), 2 Eiweiss, 1 Eigelb, 2 Esslöffel Puderzucker, 1 Vanilleschote, 2 dl Vollrahm

Zuerst das Eiweiss in einer Schüssel und das Eigelb mit dem Puderzucker und einer Messerspitze Vanille in einer anderen schaumig, aber nicht steif rühren. Danach beides zusammen in eine Metallschüssel geben und im Wasserbad (dazu wird in einem grossen Topf Wasser gekocht und die Schüssel ins heisse, nicht mehr kochende Wasser gegeben) rühren, bis die Creme eindickt.
In die erkaltete Creme werden 3 Esslöffel Vin Santo, 2 dl geschlagener Vollrahm und 100 Gramm grob gemahlene Cantuccini eingerührt. Danach die Creme mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen und vor dem servieren nochmal gut umrühren.

Es sieht besonders schön aus, wenn man die Creme in Gläser einfüllt, unten in die Gläser gemahlene Cantuccini füllt, diese nochmal mit etwas Vin Santo tränkt, dann die Creme darüber schichtet und das Ganze mit Cantuccini-Streuseln bestreut. Et voila, schon ist das himmlische Dessert fertig, das unbedingt mit einem Glas Vin Santo serviert werden sollte. Auch hier kann ich einmal mehr die Weine von Le Filigare (siehe auch hier und hier) empfehlen. Die sind einfach unglaublich gut!

So, nun wünsche ich Euch ein schönes Wochenende voller Ideenreichtum und mit einem Hauch kreativem Chaos!

Herzlichst, Eure Signora Pinella