Freitag, 12. September 2014

Was Heimat, Freundschaft und Hefeschnecken verbindet…

Vor einer Woche habe ich hier über meine Lieblingsstadt und das Gefühl von Heimat geschrieben. Je länger ich in Florenz bin, umso mehr stelle ich fest, dass ich mich doch auch hier schon ziemlich gut angepasst und eingelebt habe. Dabei haben mir besonders ein paar Rituale geholfen, die ich sehr lieb gewonnen habe und die mir gut tun. Beispielsweise trinke ich jeden Morgen einen Kaffee mit Milchschaum aus meiner heissgeliebten Bambitasse, die ich zu Beginn des Jahres im Kaufhaus „Rinascente“ (siehe auch hier) gekauft habe, zünde dazu eine Duftkerze an und kuschle mich aufs Sofa mit den vielen Kissen. Ich habe mir übrigens noch zwei Neue mit einer Blume genäht. Der Signore war nicht so begeistert, da er meint, dass wir nun wirklich genügend Kissen hätten und ich auch fest vorhabe, alle Exemplare im Dezember in die Schweiz zu zügeln;).

Da mein Alltag in der Regel sehr unstrukturiert ist, versuche ich ihn mir selber so gut wie möglich mit Wochenplänen irgendwie zu gliedern. Denn es bringt nicht nur Vorteile mit sich, wenn man seine Arbeit frei einteilen kann. Ich glaube, dass ich noch nie so viel über Disziplin und mich selber gelernt habe wie in diesem Jahr. Vielleicht ist das auch die grösste Herausforderung, wenn man sich entscheidet ein Jahr lang an einem anderen Ort zu leben und zu arbeiten. Man wird mit sich selber konfrontiert, muss sich selber ertragen und das ist nicht immer einfach – bringt einem aber auch weiter, wenn man denn den Mut hat, sich darauf einzulassen.

Gleichzeitig habe ich in der Zeit in Italien auch festgestellt, welche Qualität Freundschaften haben oder eben auch nicht. Die liebe Signora Rossi (sie hat den Post zu Rom geschrieben, siehe hier) hat immer zu mir gesagt, dass sich das ganz von alleine ergeben wird. Recht hat sie. Die Distanz schärft den Blick und zeigt das Wesentliche. Dafür bin ich eigentlich sehr dankbar. Und ich bin dankbar für die Menschen, welche ihr Leben mit mir teilen, sich auch von der Distanz nicht abschrecken lassen und mir per Mail, SMS oder am Telefon regelmässig aus ihrem Leben erzählen und an meinem teilhaben. Denn das ist vielleicht das grösste Problem an der Distanz, dass man viele Sachen einfach nicht mitbekommt. Ich freue mich daher umso mehr, wenn jemand von sich aus schreibt, mir vielleicht sogar einen Kummer anvertraut und ich nicht nur immer die bin, die aus der grossen, weiten Welt berichten muss. Ich freue mich sogar, wenn mir eine Freundin, die dieses Prinzip besonders gut verstanden hat, schreibt, dass sie gerade Brei für ihr Baby kocht, sich über die Arbeit ärgert oder zu eine Grillparty eingeladen ist. Denn das ist Leben mit seinen Höhen und Tiefen und eben auch allen Dingen dazwischen!
Eine weitere schöne Abwechslung im Italien-Homeoffice-Alltag ist das Backen und Kochen. Einfach auch weil ich hier mehr Zeit habe dafür. Als ich im Eataly (mehr Infos dazu gibt es hier) ein Glas mit Marroni-Marmelade gefunden habe, hatte ich die Idee, dass ich meine heissgeliebten Hefeschnecken, die ich bereits seit der zweiten Klasse selber und immer nach dem gleichen Rezept backe, einmal mit Kastanienkonfitüre und Nüssen füllen könnte - so als herbstliche Modifikation.

Hier das lange erprobte und bewährte Rezept dazu:

Zutaten
Teig: 300 Gramm Weiss- oder Zopfmehl, 1 Kaffeelöffel Salz, 1 Kaffeelöffel Zucker, 50 Gramm weiche Butter, 15 Gramm Hefe und 1,5 Deziliter Milch (je nach Mehlsorte etwas mehr).
Füllung: 200 Gramm Kastanienkonfitüre und 150 Gramm gemahlene Haselnüsse.

Zuerst die Zutaten für den Teig zusammenrühren und verkneten. Danach den Teig ums Doppelte aufgehen lassen.

Wenn der Teig aufgegangen ist, wird er zu einem Viereck ausgerollt und mit der Konfitüre, die mit Haselnüssen vermischt wurde, bestrichen. Danach wird der Teig gerollt und in etwa 1,5 Zentimeter dicke Stücke geschnitten, die zum Backen auf einem Blech verteilt werden. Gebacken wird das Ganze für knapp 20 Minuten bei 220 Grad auf der unteren Ofenhälfte (kommt auch wieder auf den Ofen an, schaut einfach, ob die Schnecken schön goldbraun werden und holt sie dann raus).

Nach dem Backen werden die Hefeschnekchen noch im warmen Zustand mit Zuckerguss bestrichen. Ich mische den hier in Italien gerne mit Limoncello an. Wer keinen Schnaps mag, nimmt einfach Zitronensaft.

Und wenn es dann in der ganzen Wohnung so lecker nach Hefeschnecken riecht, ich meinen Kaffee habe und vielleicht noch ein Lebenszeichen von einer Freundin oder einem Freund oder einem Familienmitglied bekomme, fühle ich mich auch in Italien glücklich und Zuhause. Denn eines habe ich hier gelernt, sich Zuhause fühlen ist eine Herzenshaltung und hat in erster Linie mit dem „Bei sich selber bleiben“ zu tun. Und Nähe zu Menschen wird nicht über die Distanz definiert, sondern über die Offenheit und die Liebe, die wir einander entgegenbringen und vielleicht auch ein kleines bisschen über die Disziplin und Treue. Wenn diese Dinge stimmen, fühlt man sich einander nahe, auch wenn einem hunderte oder tausende Kilometer trennen.
Ich wünsche Euch allen, dass Ihr treue Freunde habt und den Mut und die Kraft aufbringt selber Freunde zu sein! Es lohnt sich... 

Und ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. Hier gibt es noch den passenden Song dazu;) Denn ich hab dem Signore bereits angekündigt, dass das unser Motto wird. Wir gehen voraussichtlich aber nicht in den Wald, sondern ans Meer und vielleicht noch in einen Prada-Outlet, den ich mir einfach unbedingt mal ansehen muss...;)

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Gestern habe ich endlich, mal wieder, viele Stunden mit meinem besten Freund verbringen können. Ganz nah beschreibst du mir hier heute, was Freundschaft ist und wie sie gelebt werden kann......
    Mein bester Freund ist Musicaldarsteller, weg sein also Programm. Manchmal leiden wir darunter, keine Zeit direkt (am Telefon oder face-to-face) zu haben. Aber jetzt weiss ich wieder, worauf es ankommt!
    Hab Dank für deinen Post!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, dass ihr Euch wieder gesehen habt liebe Yase!
      Es geht ja einfach um das an einander Denken und darum, dass man Freundschaften nicht einschlafen lässt, nur weil alles andere gerade wichtiger ist...

      Löschen
  2. Uiii ja, jetzt beginnt die Marroni Saison. Warum nicht mal Hefeschnecken backen mit Marroni Konfi? Ich finds super und würd grad promt so eine Schnecke noch vor dem Zmittag verdrücken...soo fein!

    Und mir hats Spass gemacht mit dir zu Schreiben ;-)
    Meine besten zwei Freundinnen wohnen mittlerweile nicht mehr hier und wir nutzen das Telefon, SMS und Skype darum rege. Aber es ist nichts zu vergleichen mit einem echten Besuch oder einem gemütlichen Treffen irgendwo.

    Wünsch dir viel Spass im Prada Paradis...!

    Ganz liebe Grüsse
    Kuhmagda

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, es geht nichts über einen Besuch. Aber eben, immer ist das halt nicht möglich... Ja, ich habe mich auch gefreut, dass du mir geschrieben hast;) Ich finde es sehr schön, dass man sogar in der Blogger-Welt neue und spannende Menschen kennen lernen kann!

      Löschen
  3. Liebe Therese
    Wie schön, deine Worte.
    Und auch deine Fotos gefallen mir sehr. Bei der Bambitasse habe ich mir zuerst so kitschige vorgestellt (hihi) und war dann sehr positiv überrascht, als ich sie auf dem Foto sah. So schön!
    Ja manchmal tut Distanz auch gut und man findet zu sich selbst. Ich bin sicher, dass dir dieses Jahr sehr gut tut und du später noch oft daran denken wirst. (dann wenn du nicht mehr so viel Zeit zum kochen und backen hast.)
    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir noch nachträglich mal auf meinen Geburtstag oder weiß ich was (es gibt doch immer einen Grund zum feiern) anstoßen würden. Melde dich doch wenn du in der Schweiz bist.
    Herzlichst
    Gabriela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, wir müssen unbedingt noch zum Anstossen abmachen! Ich schicke Dir mal die Daten, wann ich in der Schweiz bin!
      Ich habs vielleicht falsch ausgedrückt wegen der Tasse. Es ist eine Reh-Tasse. Ich hoffe so fest, dass sie auf Weihnachten nochmal ins Sortiment kommt! Ich würde sie gerne verschenken und möchte mir eine als Reserve kaufen....

      Löschen
  4. Einfach nur wunderbar geschrieben! Wie wahr deine Worte doch sind. Nahe ist man den Menschen, mit denen man jederzeit über belangloses schwatzen kann, die aber auch gerne ihr Ohr leihen, wenn es um Herzensangelegenheiten geht. Ich schätze Freunde die offen und ehrlich sind und mir ihr Herz anvertrauen genauso...
    Disziplin ist jedoch eine Eigenschaft, mit der ich leider nicht gesegnet wurde :-(! Da hab ich echt noch was zu lernen. Ich denke, ich kauf mir erst mal diese wunderschöne Bambitasse... mal sehn ob's was nützt ;-)!
    Herzlichst
    Melanie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Von wegen Disziplin, da nützt auch die Bambi-Tasse nichts, wenn es nicht sein soll. Ich habe Tage, an denen es gut klappt und ich super produktiv bin und an anderen Tagen geht einfach gar nichts.
      Die Tasse ist übrigens von Kinto http://www.kinto.co.jp/en/products/drinkware/mugtail/
      Ich wüsste gerne, wo man dieses Porzelan sonst noch her bekommt!

      Löschen
  5. Liebe Signora Pinella
    oft lese ich ja deine Post einfach nur so ohne zu kommentieren. Aber dieser hier hat mich besonders berührt und fühle mich beim Lesen dir sehr nahe obschon einige Kilometer dazwischen liegen.
    Ja, es braucht Mut, aber auch Disziplin und Zeit um echte Freundschaften zu erhalten und pflegen. Aber ich denke auch, dass eine Freundschaft, die schon fast 20 Jahre andauert unersetzbar ist und alle Mühe wert ist. So ist es auch in der Familie, trotz allem lohnt es sich in die Beziehungen zu investieren und halt auch mal unten durch zu gehen ;-)
    Herzlichen Dank!
    Güstella

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Güstella,
      wie ich im Post bereits geschrieben habe, tust du ja wirklich alles dafür, dass unsere Freundschaft nicht einschläft. Das freut mich sehr und ich bin dankbar dafür! Da machen so ein paar Kilometer auch nichts;)
      Herzlichst, Signora Pinella

      Löschen
  6. Wundervoll geschrieben und wie wahr...
    Dankeschön für's teilhaben lassen.

    Deine Maroni-Marmeladen-Schnecken hören sich unverschämt köstlich an.

    Liebe Grüße,
    Nina-Su

    AntwortenLöschen