Dienstag, 8. Juli 2014

Mit der Oma im Ohr auf dem Mercato delle Pulci

Was hilft, wenn Signora Pinella unglaublich enerviert ist, weil ihr Badezimmer immer wieder unter Wasser steht? Ein Flohmarkt. Denn Chaos ist nicht gleich Chaos. Während ich mittlerweile langsam aber wirklich sehr wütend bin, weil die Nachbarn in der Wohnung über uns offenbar ein Problem mit ihren Wasserrohren haben und jedes Mal wenn sie baden unser Bad auch nass wird, mag ich das organisierte Chaos auf dem Flohmarkt sehr gerne... Also haben mich heute der Flohmarkt an der Piazza dei Ciompi und die Tatsache, dass unsere Nachbarn wenigstens nicht all zu oft zu baden scheinen, sehr glücklich gemacht.

Der Flohmarkt ist in verschiedenen kleinen Baracken – so in der Art Wellblechhütten – untergebracht. Weil der Markt auch schon ein gewisses Alter hat, ranken sich ganz romantisch Kletterpflanzen über die Hütten. Wunderbar.

Mercato delle Pulci heisst Flohmarkt auf Italienisch. Ich mag das Wort Flohmarkt eigentlich nicht, da Flöhe in diesem Zusammenhang ja eher negative Assoziationen wecken. Für mich müsste er Zaubermarkt oder Omas-Dachboden-Wunderkisten-Markt heissen. 

Oh ja, das wäre schön, wenn ich mit meiner lieben Oma über diesen Markt schlendern könnte. Sie würden dann alle Sachen ganz kritisch und prüfend anschauen, aus allem alten Krempel genau das herausgreifen, was wirklich wertvoll ist, und den Fund mit Charme und Beharrlichkeit auf ihren Preis herunterhandeln. Bereits als kleines Kind hat mich meine Oma immer durch die Brockenstuben geschleift und in die verborgenen Geheimnisse des Trödelwühlens eingeführt. Leider werde ich das nie mehr mit ihr machen können. Aber ich setze die Tradition gerne fort und denke dabei an sie. Immer wenn ich auf dem Flohmarkt bin, habe ich ihre Anweisungen in den Ohren. Also ist sie doch irgendwie bei mir. 

Beim Kauf von alten Kleidern, Stoffen und Spitzen hat mir meine Oma eingetrichtert die Stoffbeschaffenheit zu fühlen. Geschirr hat sie umgedreht um zu schauen, wo es produziert wurde – darauf folgte jeweils ein ausführlicher Vortrag über die Porzellankultur – Silberbesteck wurde am Stempel genau auf seine Echtheit geprüft und Bilder wurden umgedreht und nach Stockflecken untersucht. Bei Möbeln achtete die liebe Oma genau auf die Holzsorte, als Tochter eines Zimmermeisters konnte sie das, und das Design.

Der Mercato delle Pulci ist also eine zauberhafte, kleine Welt für mich. Übrigens liegt er beim alten Florentiner Fischmarkt. Einem wunderschönen Bogengewölbe. Wo früher Fisch gehandelt wurde, wird heute Kaffee geschlürft. Ebenfalls einfach bezaubernd.

Als ich auf dem Markt war, ist mir übrigens etwas Unglaubliches passiert. Ich war gerade so schön in das Fotografieren vertieft, als mich eine Horde junger Amerikaner überfiel. Sie seien eine Fotoklasse aus New Jersey und ich solle doch bitte so lieb sein und ein Erinnerungsfoto von ihnen machen, flöteten sie. Danach horchten sie mich aus und wollten wissen, von wo ich denn sei und was ich in Florenz machen würde und so weiter und so fort. Ich beschloss daraufhin das Weite zu suchen, Nachhause zu gehen und Gemüsemuffins für den Signore und mich zum Abendbrot zu backen. Ich serviere die gerne zusammen mit einem Salatteller, etwas Melone und Rohschinken.

Hier das Rezept für die Gemüsemuffins:

100 Gramm weiche Butter und ein Ei schaumig rühren. Ein Deziliter Milch, 300 Gramm Vollkornmehl und ein Esslöffel Backpulver dazu geben und ebenfalls gut verrühren.

300 Gramm Gemüse (Karotten, Zucchini, Lauchzwiebeln, Oliven oder getrocknete Tomaten) ganz klein gehackt und 100 Gramm fein geschnittener Speck (den lasse ich manchmal auch weg) in etwas Olivenöl andünsten. Das Ganze gut mit Kräutern, Salz und Pfeffer würzen und etwas abkühlen lassen. Danach mit dem Teig vermischen, in Muffinsförmchen füllen und für etwa eine halbe Stunde bei 200 Grad backen (obwohl ihr mich bei der Backzeit nicht behaften könnt, da mein Italienischer Backofen störrisch und unzuverlässig ist…).

Nun schicke ich Euch liebe Grüsse aus dem warmen, chaotischen, charmanten Süden!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Liebe Signora Pinella,

    Ich war im letzten Jahr auch auf diesen "Zaubermarkt":-) Ich habe mir dort einige Spitzenbänder gekauft und nun warten sie noch immer darauf, hübsch von mir verarbeitet zu werden. Danke für die schönen Bilder, da komme ich gleich wieder ins träumen und möchte am liebsten wieder nach Florenz fahren.

    Sei ganz lieb und herzlich gegrüsst.
    Rosamine

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    1. Oh das freut mich, dass es dir auch gefallen hat, liebe Rosamine!
      Mir geht es aber auch oft so, dass ich etwas kaufe, weil ich etwas nähen will und dann bleibt es liegen. Der Tag müsste halt noch ein paar Stunden mehr haben...;)

      Herzlichst, Signora Pinella

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