Freitag, 13. Juni 2014

Die kulinarische Umsetzung des WM-Fiebers oder warum Sport durch den Magen geht

Wenn ich ehrlich bin, mag ich Fussball nicht wirklich. Es ist nicht so, dass ich den Sinn davon nicht verstehe. Aber Fussball gehört zu den Dingen, die mich eher kalt lassen. So ganz stimmt das zwar auch nicht. Denn ich war bereits etliche Male mit dem Signore im Stadion – sogar in Italien. Das wiederum war für den Signore nicht so angenehm, da ich dabei ab und an etwas ausfällig wurde. Denn wenn ich dabei zuschauen muss, wie sich erwachsene Männer winselnd am Boden wälzen, muss ich einfach ein paar Beleidigungen aufs Feld rufen… Das Italienische Vokabular dafür beherrsche ich übrigens schon perfekt. Weil der Signore aber befürchtete, dass sich irgendwann jemand von meinen Kommentaren betupft fühlen könnte, sehen wir uns die Spiele in der Regel Zuhause an.
So haben wir auch am Donnerstagabend in schönster Eintracht den Auftakt der Fussballweltmeisterschaft zusammen Zuhause angeschaut. Ich habe mich über die Tingel-Tangel-Bobs in der Brasilianischen Mannschaft, die Unfähigkeit des Schiedsrichters und die Trikots der Kroaten lustig gemacht. Die rot-weissen-Karos auf den Trikots der Kroaten würden sich übrigens auch perfekt als Vorhänge für eine Alphütte eignen…

Damit der liebe Signore den Auftakt der Meisterschaft auch noch mit etwas Positivem verbinden kann, habe ich entschieden, ihm ein Fussballbuffet aufzutischen. Denn was wäre Fussball ohne Snacks?! In Italien gibt es ja das ganze Jahr überall viel Fussball-Deko zu kaufen. Im Moment ist es aber noch viel extremer als sonst. So bin ich schnell losgedüst und habe die passenden Accessoires Fanschal, Wimpel und so weiter besorgt. Auch wenn ich sonst doch recht patriotisch veranlagt bin, entschied ich mich gleich von Anfang für Italien-Fan-Utensilien. Denn seien wir ehrlich, die kommen vermutlich länger zum Einsatz, als diejenigen für die Schweiz (die ich hier auch gar nicht kaufen könnte).

Zu italienischen Fan-Utensilien gehören auch italienische Snacks. Minipizzen, Grissini, gefüllte Tomaten und Chips erschienen mir passend. Für die Pizza mache ich jeweils einen Teig aus 300 Gramm Weissmehl (oder optional der Hälfte Vollkornmehl), einem halben Päckchen Trockenhefe, einem Schuss Olivenöl (wie wichtig das ist, habe ich bereits hier erklärt), einem halben Teelöffel Salz und Wasser. Das Ganze wird zu einem glatten Teig verknetet und mindestens für zwei Stunden zugedeckt ruhen gelassen.

Ich habe den Teig ausgewallt und die Rondellen für die Minipizzen ausgestochen, diese simpel mit Tomatensauce und Mozzarella gebacken und dann nach dem Backen mit Ruccola und Rohschinken belegt und mit Pfeffer und meinem Lieblingsgewürz mit dem Namen „Gut gelaunt“ von Sonnentor gewürzt.

Aus den Überresten des Teiges habe ich die Grissini ausgewallt, mit etwas Olivenöl bestrichen, ebenfalls mit „Gut gelaunt“ gewürzt und danach kurz in meinem störrischen Backofen (siehe auch hier) goldbraun gebacken.

Und hier noch das Rezept für die gefüllten Tomaten:

Zutaten
Ungefähr 10 Cherrytomaten oder 3 grosse Tomaten (Deckel von den Tomaten abschneiden, danach werden die Tomaten gehöhlt, das Tomateninnere zerkleinern und in die Füllung geben).
2 gehäufte Esslöffel Ricotta
1 gehäufter Esslöffel Paniermehl oder geriebenes, trockenes Brot
8 klein gehackte schwarze Oliven (für den Signore habe ich darauf verzichtet, weil er das nicht mag)
Pfeffer, Knoblauch, Salz und Kräuter zu würzen (das geht bei mir immer nach Gefühl und Geschmack, daher kann ich dazu keine exakten Angaben machen).

Alle Zutaten gut verrühren (die Masse sollte nicht flüssig sein, sondern eine feste Konsistenz haben, je nach Bedarf muss halt noch mehr Ricotta oder Mehl zugegeben werden), in die gehöhlten Tomaten füllen, mit dem Deckel zudecken und für 30 Minuten bei 150 Grad backen (die Cherrytomaten brauchen weniger lange und sollte regelmässig überprüft werden).

Und schon ist alles für den gemütlichen Fussballabend bereit. Also zumindest unser Abend war gemütlich, abgesehen von den stumpfsinnigen Kommentaren der Moderatoren vom Sender RAI-Sport. Der Signore meinte, dass sogar ich das Spiel besser kommentiert hätte. Welche Ehre;) Vor einer solchen Karriere werde ich mich hüten. Das habe ich bereits vor Jahren entschieden, als ich den Kapitän unserer heimischen Mannschaft bei einem Jugendanlass, bei dem er Autogramme verteilte, für einen Jugendarbeiter hielt und ihn dann auch noch fragte, ob er denn erfolgreich sei oder bereits bei den Senioren spiele… Peinlich!!!

Mein Fazit: Offenbar geht nicht nur die Liebe, sondern auch der Sport durch den Magen. So werde auch ich die Meisterschaft ertragen (der Reim war übrigens nicht beabsichtigt;).

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Kommentare:

  1. Die gefüllten Tomaten hören sich sensationell an! Isst man sie warm, oder eher kalt??
    Das muss ich probieren :)
    Herzlichst
    yase

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    1. Liebe Yase,
      bei den Tomaten muss ich kurz ausholen...
      Also, sie schmecken warm und kalt gut.
      Entweder serviere ich sie als Beilage zu einem Essen, dann sind sie natürlich vorzugsweise warm, oder auf einem Apéro-Buffet. Und dann werden sie halt irgendwann mal kalt...
      Liebe Grüsse aus dem Süden!

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  2. Liebe Theresa,
    kann ich Du Euch kommen und dort
    Fußball schauen? Wie herrlich Du alles
    vorbereitet hast! Die Tomaten sehen
    weltklasse aus, sehr lecker.
    Bei uns wird auch Fußball geschaut,
    meistens mit der kompletten Nachbarschaft
    auf einer Leinwand. Die Garagen werden
    WM tauglich gemacht und dann sind wir
    zumindest bei Deutschlandspielen immer
    um die 30 Leute. Das ist sehr lustig.
    Glg Christiane

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    1. Liebe Christiane,

      danke für das Kompliment. Darfst gerne bei uns vorbeischauen;)
      Wir gehen heute auch an ein Public Viewing. Ich musste meinem Mann einfach versprechen, dass ich ganz still und brav bin...;)
      Schön, dass ihr die Spiele zusammen anschaut. Finde solche Rituale und Traditionen wichtig!
      Herzlichst, Signora Pinella

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