Freitag, 27. Juni 2014

Home sweet Home oder warum Nostalgia auch die Schweizer Krankheit genannt wird

Habt ihr gewusst liebe Leserinnen und Leser, dass Heimweh hier in Italien Nostalgia und bei den Franzosen die Schweizer Krankheit heisst? Zumindest war das früher so, als zahlreiche Schweizer als Söldner in fremden Kriegsdiensten ihr Geld verdienten. Was mich betrifft, muss ich ehrlich sagen, dass ich eine ganz typische Schweizerin bin und ab und an von der Nostalgia befallen und geplagt werde…



Viele können das oft gar nicht so wirklich verstehen. Wie kann man über Heimweh klagen, wenn man die Chance erhält, ein Jahr lang in Italien zu leben? Tja, die Signora Pinella kann das. Wie vielleicht bereits in meinem letzten Post deutlich wurde, ist mein Herz in der Schweiz geblieben, während sich mein Magen, meine Augen und mein Hirn weit der italienischen Kultur und Küche geöffnet haben;)

Im Heer von Napoleon Bonaparte stand auf Nostalgia übrigens die Todesstrafe. Wenn ein Soldat daran erkrankte, drohte es ihm bei lebendigem Leibe begraben zu werden. Wohl einfach auch deshalb, weil das Heimweh so unglaublich ansteckend ist. Herr Napoleon hätte für mich ein gaaaaaaanz tiefes Loch graben lassen müssen.

Übrigens hat mir sogar der liebe Signore letzthin gestanden, dass er die gut organisierte Schweiz, seine Freunde und Familie ganz schön vermisse. Während ich von Zuhause aus arbeiten kann, wird er im Beruf täglich mit dem italienischen Chaos konfrontiert… Denn so schön und überwältigend Florenz kulturell auch sein mag und so gut die italienische Küche auch schmeckt, vieles geht hier einfach drunter und drüber. Für zwei Schweizerkinder kann das ganz schön herausfordernd sein…

Und ich weiss, dass man sein Herz nicht an materielle Dinge hängen soll, aber ich vermisse auch unser kleines, aber feines Zuhause in der Schweiz. Die Wohnung ist von ihrer Grösse her ein Zwergenreich – aber eines, das mich glücklich macht, weil ich dort von meinen Dingen umgeben bin und ganz in der Nähe von Freunden, Familie und meiner Arbeit wohne. Jedes Mal wenn wir in der Schweiz sind, mache ich ein paar Bilder, die ich mir dann in Italien ansehen kann…


Und obwohl ich zu Italien in einem etwas zwiespältigen Verhältnis stehe, meinte meine Schwester Madame Gaianna (hier geht es zu ihrem Blog), dass ich sehr gut nach Florenz passe. Vielleicht hat sie damit gar nicht so Unrecht… Denn obwohl ich mich stets als Franzosenkind sah, da nebst Schweizerischem auch Französisches und Deutsches Blut in meinen Adern fliesst, kommt in Italien immer mehr das Quäntchen Italiener Blut in meinen Venen zum Vorschein. Oft werde ich gefragt, ob meine Mama Italienerin sei. Und obwohl sie so aussieht, ist sie es nur zu einem Bruchteil. Genetisch wären aber gewisse Mindestvoraussetzungen schon mal gegeben. Dann der Name. Während mein richtiger Name auf Deutsch einfach nur schrecklich klingt, hängen die Italiener hier ganz selbstverständlich ein A dran und auf einmal klingt er wunderbar und elegant… Ich liebe das!

Dass ich wohl irgendwie nach Italien passen würde, hat der liebe Signore Pinella wohl bereits vor Jahren erkannt. Weil er mich partout nicht mit einem dieser langweiligen Durchschnittskosenamen betiteln wollte, machte er sich seriös auf die Suche nach einem passenden Namen, für den er eine ganze Weile alle Dinge, die er mit mir assoziierte aufschrieb. Irgendwann entstand aus Bella und Pink und Rivella (ja diesem typischen Schweizer Gesöff, in dem ich am liebsten baden würde) Pinella… Was der Signore damals nicht wusste ist, dass Pinella ein italienischer Nachname und ein Spielzug beim Kartenspiel Burraco, das in Italien mit Französischen Karten gespielt wird, ist… Und so schliesst sich der Kreis wieder. Offenbar bin ich eine bunte italienischdeutschfranzösischschweizerische Mischung und es ist wohl absolut verständlich, dass ab und zu zwei oder mehr Herzen in meiner Brust schlagen.

Dazu fällt mir noch ein Witz ein, den ich in Italien immer wieder zu hören bekomme:

Im Himmel von Europa sind
die Engländer die Polizisten
die Franzosen die Köche
die Deutschen die Automechaniker
die Italiener die Liebhaber
und die Schweizer organisieren alles.

In der Hölle von Europa sind
die Deutschen die Polizisten
die Engländer die Köche
die Franzosen die Automechaniker
die Schweizer die Liebhaber
und die Italiener organisieren alles!




Und wenn ich denn schon von der organisierten Schweiz am schwärmen bin, muss ich noch anmerken, dass wir durchaus auch unsere romantischen und verspielten Seiten haben. Eine Vertreterin dieser Spezies ist Gabriela vom Blog „G wie Gabriela“ (hier geht’s zum Blog). Ich habe sie an einem wunderbaren Cottage Markt in Rüeggisberg getroffen, festgestellt, dass wir aus derselben, wunderschönen Stadt kommen und an ihrem Marktstand ein Schild mit der Aufschrift „Because I’m happy“ und eine wunderhübsche Libelle gekauft. Da unser Schweizer Zwergenreich bereits ziemlich voll ist und sich der Signore weigert noch mehr Dinge nach Italien zu zügeln, die wir dann in nur wenigen Monaten wieder Nachhause nehmen müssen, habe ich mich beim Einkaufen bei Gabriela zurück gehalten. Für alle anderen, die noch etwas Platz in ihrem Zuhause haben, lohnt sich ein Besuch auf ihrem Blog mit Sicherheit.

Ich wünsche Euch allen da Draussen ein schönes Wochenende, geniesst Euer Zuhause und die Zeit mit Euren Lieben!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Mittwoch, 25. Juni 2014

Das Beste aus beiden Welten...

...unendlich viel Kultur, weisse Sandstrände, warmes Meer, üppiger Wein und noch üppigeres Essen – das ist mein Leben in Italien. Na ja, zwischendurch wird auch noch gearbeitet. Aber eben, eigentlich ist es sehr schön und inspirierend. Trotzdem sehne ich mich immer wieder nach der Heimat, die vielleicht künstlerisch nicht ganz so hochstehend und deren Wein nicht ganz so vollmundig ist. Dann packen der Signore Pinella und ich unsere sieben Sachen und fahren Nachhause. So verbrachten wir die letzten Tage wieder einmal in der schönen Schweiz.


Weil das Leben ja nicht nur aus süssem Nichtstun bestehen kann, führte mich die Arbeit in dieser Zeit auf das Stanserhorn (weitere Infos dazu gibt es hier). Der Signore durfte mich sogar begleiten. Und auch wenn Meer und Strand wunderbar sind, mit den Bergen können sie eben doch nicht mithalten. Berge wirken auf mich nie bedrohlich, sondern sind für mich das Symbol der absoluten Freiheit. Einfach majestätisch und wunderschön!

Nach unserem Ausflug kam mir die Idee, dass man doch eigentlich das Beste aus den beiden Welten verbinden sollte – zumindest kulinarisch. Ein Klassiker der Florentiner Küche sind Birnen-Peccorino-Tortellini. Birnen und Käse sind ja grundsätzlich ein wunderbares Gespann. Der italienische Käse ist qualitativ sehr hochwertig, meine liebsten Käsesorten sind aber der Alpkäse aus dem Justistal im Berner Oberland und der Schweizer Käseklassiker Greyerzer. Also habe ich das Italienische Rezept mit Schweizer Zutaten umgesetzt.



Der Teig:
150 Gramm Knöpflimehl (oder Mehl mit dem Stärkegrad 00)
1 Ei
3 Esslöffel Wasser
1 Esslöffel Olivenöl
Die Zutaten zu einem glatten Teig verkneten und diesen dann mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Die Füllung:
150 Gramm Ricotta
6 gehäufte Esslöffel geriebener Greyerzer oder reifer Bergkäse
1 mürbe Birne (diese wird mit der Gabel zerdrückt und der Saft abgegossen, damit die Füllung nicht zu flüssig wird)
Pfeffer, Salz und Alpenkräuter zum Würzen

Alle Zutaten gut vermischen.

Der Pastateig muss zuerst dünn ausgerollt (ich verwende dazu meine original Italienische Pastamaschine) und in kleine Quadrate geschnitten werden.

Die Füllung auf die Quadrate verteilen und alle Seiten mit Wasser bestreichen, damit sie besser zusammen kleben. Danach über die Mitte zu einem Dreieck falten und die gegenüberliegende Ecken zusammen drücken, damit die typische Tortellini Form entsteht.

Die Tortellini danach für ungefähr sieben Minuten ins kochende, leicht gesalzene Wasser geben. Vor dem Servieren wird die Pasta mit warmem Olivenöl, etwas geriebenem Käse und Alpenkräutern angerichtet – e basta. E Guete oder eben Buon Appetito!


Das Rezept ist übrigens besonders für den lieben Signore M. gedacht. Über ihn habe ich bereits hier berichtet. Ich habe ihm letzthin Peccorino-Birnen-Tortellini aus Florenz gebracht und er meinte, dass das eine kulinarische Offenbarung sei… Wenn er das sagt, will das schon etwas heissen! Denn betreffend Kochen hat mich ausser meiner lieben Oma niemand mehr so inspiriert und herausgefordert wie er.

Viel Vergnügen Euch allen da Draussen beim Nachkochen und Geniessen!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Sonntag, 22. Juni 2014

Einmal Engelsbrot, aber bitte mit Salz...

Brot kaufen in Florenz ist ja so eine Sache. Denn hier wird das Brot nicht gesalzen. Und der Signore und ich mögen das gar nicht. Brot muss einfach ein Hauch salzig sein! Also backe ich regelmässig selber Brot in meinem störrischen Ofen (siehe auch hier).


Brot backen ist aus zwei Gründen eine sehr vergnügliche Sache. Erstens geht der Brotteig in Florenz hervorragend auf. Das liegt an der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit, die uns schrecklich leiden lassen, für das Brot aber perfekt sind. Zweitens wird die Trockenhefe in wunderhübschen Tüten mit Engeln und der Aufschrift „PANEANGELI“ verkauft. 


Und hier das Rezept für ein luftiges, italienisches Brot:

500 Gramm Mehl mit dem Stärkegrad 00 (gibt es auch ausserhalb von Italien in gut assortierten Geschäften zu kaufen)
1,5 Kaffeelöffel Salz
1 kleines Päckchen Trockenhefe
3 Deziliter Wasser

Alle Zutaten ordentlich miteinander verkneten, bis ein glatter Teig entsteht. Diesen mindestens zwei Stunden ruhen lassen, danach zu einem Brot formen und auf 200 Grad goldbraun backen.


Dass die Florentiner ihr Brot nicht salzen, hat übrigens einmal mehr mit einem Konflikt mit den Senesi zu tun. Letztere blockierten die Salzzufuhr nach Florenz und die Florentiner entschieden daraufhin, dass sie ihr Brot künftig ohne Salz essen würden. Und so ist das bis heute geblieben… Über die Konflikte zwischen Florenz und Siena habe ich ja bereits hier und hier geschrieben. Was wäre ich froh und dankbar, wenn die Florentiner etwas weniger stolz wären...

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Donnerstag, 19. Juni 2014

La Florentia – blühendes, beeindruckendes Florenz

Bisher habe ich ein Thema auf meinem Blog völlig vernachlässigt. Denn obwohl ich immer wieder über Florenz schreibe, habe ich Euch nur wenige und punktuell ein paar Bilder davon gezeigt. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich nun doch schon recht lange hier bin und eher mit einem bestimmten Ziel durch die Stadt gehe, anstatt mich auch mal treiben und all die Schönheit auf mich wirken zu lassen. Deshalb habe ich nun die Bilder hervorgekramt, welche ich bei meinem ersten Florenz Aufenthalt im Oktober 2013 gemacht habe. Also quasi mein erster Blick auf meine neue Heimat.
Kennt Ihr das, das man eine Stadt oder einen Ort besucht und sofort ein Gefühl dafür entwickelt? Vor diesem Moment hatte ich bei unserer Ankunft in Florenz besonders Angst. Was, wenn ich ankomme und die "Vibes" einfach schlecht sind? Wenn ich die Stadt nur hässlich und doof finde? Zum Glück machte mir Florenz die Ankunft leicht. Wir waren an einem kalten, nebligen Herbsttag in der Schweiz abgefahren und kamen in Florenz im Sonnenschein und Spätsommer an. Die Stadt schien sich richtig Mühe zu geben, auch ja alles richtig zu machen. Im ersten Restaurant, in das wir uns setzten lief die Platte von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong, auf der sie Stücke von George Gershwin interpretieren – also eine meiner liebsten CDs überhaupt. Das Essen war köstlich und über die ganze Szenerie wachte der azurblaue Himmel.


Florenz hat mir seither auch etliche Male sein anderes Gesicht mit kalten, feuchten Nebeltagen, hochnäsigen Bewohnern (ja, auch wenn es ein Klischee ist, die Florentiner sind kein einfaches Völkchen) und unglaublich nervigen Touristenmassen gezeigt. Der Aufenthalt in Florenz hat sich durch den Beruf vom Signore halt einfach so ergeben. Die Stadt haben wir uns nicht ausgewählt. Und doch realisiere ich von Tag zu Tag immer mehr, dass es ein schöner Ort und eine gute Stadt ist, um ein Jahr lang hier zu leben. Florenz hat mit seinen 366‘000 Einwohnern eine beachtliche Grösse und trotzdem kommt es mir oft eher vor wie ein Dorf. Es kommt bereits ab und zu vor, dass ich in der Stadt oder auf dem Bus Bekannte treffe.

Florenz erinnert mich immer ein bisschen an München. Warum weiss ich nicht und vielleicht ist der Vergleich auch völlig an den Haaren herbeigezogen. Der englische Garten würde dann dem Giardino Bobboli entsprechen, das Rathaus dem Pallazzo Vecchio und so weiter. Universitätsstädte sind es auch beide und die Touristen nerven sowieso überall. Vielleicht hinkt der Vergleich doch nicht so sehr?

Was mir an Florenz besonders gefällt, ist die hohe Dichte an Kunstwerken. Nirgends auf der Welt lassen sich so viele bedeutende Kunstwerke auf so kleinem Raum finden wie in Florenz. So viele weltberühmte Werke, über die in meiner Ausbildung stundenlang referiert wurde, kann ich hier im Original und all ihrer Pracht bewundern. Jedes Mal, wenn ich beispielsweise vor Botticellis Primavera stehe, habe ich das Gefühl, dass ich mich verneigen oder wenigstens die Schuhe ausziehen sollte, um ihm den nötigen Respekt zu zeigen. Völlig blödsinnig, ich weiss… Manchmal beschleicht mich jetzt schon die Angst, dass ich in diesem Jahr etwas verpassen könnte. Gerade heute Morgen wurde mir beispielsweise bewusst, dass der Schweizer Maler Arnold Böcklin in Florenz lebte und arbeitete und in Fiesole begraben wurde. Ich muss also unbedingt Böcklins Grab besichtigen. Und der arme Signore wird bei den meisten dieser Aktionen mitgeschleift, muss sich meine Schwärmereien anhören und dann noch mit mir über die Bedeutung der Werke diskutieren… Poverino…


Florenz wurde von Cäsar nach der Göttin der Blumen und des Wachstums Florentia getauft. Das passt gut, da Florenz in einer Sumpfregion gelegen, unglaublich feucht und daher sehr grün ist. Ursprünglich war Florenz übrigens ein Militärlager. Das höher gelegene Fiesole, das von den Etruskern gegründet wurde, wird noch heute als die eigentliche Wiege der Florentiner angesehen. „Wir sind Etrusker und keine Römer“, betonen die Florentiner immer wieder. Denn die Etrusker seien bereits viel früher viel höher entwickelt und den Römern sowieso in allem überlegen gewesen. Eben, überlegen sind die lieben Florentiner immer gerne… Jedenfalls ging es mit den Etruskern nach dem Einfall der römischen Truppen ganz schnell bergab und sie lösten sich mehr oder weniger in der römischen Kultur auf.

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt, die als Wiege der Renaissance gilt, hier darf man übrigens immer nur vom Rinascimento sprechen – das ist gaaaaaanz wichtig, im 15. Und 16. Jahrhundert unter der Führung der Medici. Die Medici gelangten durch ihren Geldhandel an die Macht, adelig waren sie nicht. Dieses Manko versuchten sie durch geschickte Heiratspolitik auszugleichen. In dieser Zeit liessen sich auch viele berühmte Künstler wie Michelangelo und Leonardo da Vinci in Florenz nieder. Galileo Galilei war der Hofmathematiker der Medici und Machiavelli ihr Chronist.  

Und so ginge es noch seitenweise weiter… Ich versuche erst gar nicht an, die Geschichte der Stadt komplett darzustellen. Sonst würde dieser Post mehrere Seiten lang. Und eigentlich geht es heute ja vor allem um die Bilder. Ich bin schon froh und dankbar, wenn ich bis Ende Jahr einen Bruchteil der Essenz dieser Stadt erfasst habe.

Ich wünsche Euch allen da Draussen, dass auch Ihr immer wieder die Gelegenheit bekommt, über den Tellerrand hinaus zu blicken! Manchmal tut das ganz gut...

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Sonntag, 15. Juni 2014

Wertvoller als Diamanten…

„Diamonds are a Girl’s best Friend“, sang Marylin Monroe 1953 im Film “Blondinen bevorzugt”, der übrigens eine Musicaladaption ist. Diamanten seien für ein Mädchen deshalb so wichtig, weil sie noch da seien, wenn sie alt und hässlich und der Geliebte zur Frau zurückgekehrt sei, lautet der Text grob zusammengefasst.

Mir kam das Lied letzthin in den Sinn, als ich mich gerade intensiv einem meiner liebsten Florentiner-Hobbies widmete. Ich habe bereits im März hier darüber geschrieben, dass ich auf dem Mercato Sant‘ Ambrogio einen Marktstand mit vielen, vielen, wunderschönen Perlensträngen gefunden habe. Seither bin ich in jeder freien Minute am Perlenketten knüpfen und aufziehen. Es sind zwar „nur“ Süsswasser- Glas und Steinperlen, aber sie machen mein Leben bunt und viel glücklicher als alle Diamanten dieser Welt.

Mein Perlenrausch zieht mittlerweile grosse Kreise in meiner Familie und unter meinen Freundinnen. Meine Mutter, meine Schwestern und meine Nichten können sich genau so gut wie ich stundenlang mit dem Aufziehen von Hals- und Armbändern die Zeit vertreiben. Also muss ich immer für Nachschub sorgen. Praktischerweise kann ich bei dem wunderbaren Marktstand auch gleich noch Elastikband, Fischerfaden, Verschlüsse und verschiedene hübsche Anhänger kaufen. Und hier noch ein Kleiner Tipp von meinem Perlenverkäufer: Wenn eine Nadel zu dick ist, kann stattdessen ein dünner Fischerfaden verwendet werden. Ein kurzes Fischerfadenstück wird in der Mitte geknickt, dann legt man den Fischerfaden um das Elastik oder den Faden, auf den die Perlen aufgezogen werden sollen und zieht die Perlen über den Fischerfaden auf die Perlenschnur.

Noch zum Thema Perlenliebe: Meine älteste Schwester erklärte mir letzthin, dass etwas mit ihr gar nicht mehr stimmen würde, wenn der Tag kommen sollte, an dem sie sich nicht mehr für Perlen begeistern könne und seien diese auch nur aus Plastik. Sie ist ohnehin die ungeschlagene Perlenqueen in unserer Familie – sie schafft es, diese noch im Spitalbett zu tragen.

Ich mag ja am liebsten kleine, hübsche Armkettchen. Ich trage auch gerne mehrere davon gleichzeitig. Und ich habe festgestellt, dass sie sich auch wunderbar als Geschenk eignen. Jedes Mal wenn ich eine Kette aufziehe, weiss ich schon genau, welcher lieben Freundin oder Verwandten ich sie schenken will und packe dann beim Aufziehen auch besonders viele gute Gedanken hinein. Und ja, der Materialwert mag gering sein und es sind keine Diamanten – aber es steckt vermutlich mehr Liebe darin...


Ich wünsche Euch allen auch einen Kreativitätsrausch, der Kreise zieht – denn nichts macht einem glücklicher…


Herzlichst, Eure Signora Pinella

Freitag, 13. Juni 2014

Die kulinarische Umsetzung des WM-Fiebers oder warum Sport durch den Magen geht

Wenn ich ehrlich bin, mag ich Fussball nicht wirklich. Es ist nicht so, dass ich den Sinn davon nicht verstehe. Aber Fussball gehört zu den Dingen, die mich eher kalt lassen. So ganz stimmt das zwar auch nicht. Denn ich war bereits etliche Male mit dem Signore im Stadion – sogar in Italien. Das wiederum war für den Signore nicht so angenehm, da ich dabei ab und an etwas ausfällig wurde. Denn wenn ich dabei zuschauen muss, wie sich erwachsene Männer winselnd am Boden wälzen, muss ich einfach ein paar Beleidigungen aufs Feld rufen… Das Italienische Vokabular dafür beherrsche ich übrigens schon perfekt. Weil der Signore aber befürchtete, dass sich irgendwann jemand von meinen Kommentaren betupft fühlen könnte, sehen wir uns die Spiele in der Regel Zuhause an.
So haben wir auch am Donnerstagabend in schönster Eintracht den Auftakt der Fussballweltmeisterschaft zusammen Zuhause angeschaut. Ich habe mich über die Tingel-Tangel-Bobs in der Brasilianischen Mannschaft, die Unfähigkeit des Schiedsrichters und die Trikots der Kroaten lustig gemacht. Die rot-weissen-Karos auf den Trikots der Kroaten würden sich übrigens auch perfekt als Vorhänge für eine Alphütte eignen…

Damit der liebe Signore den Auftakt der Meisterschaft auch noch mit etwas Positivem verbinden kann, habe ich entschieden, ihm ein Fussballbuffet aufzutischen. Denn was wäre Fussball ohne Snacks?! In Italien gibt es ja das ganze Jahr überall viel Fussball-Deko zu kaufen. Im Moment ist es aber noch viel extremer als sonst. So bin ich schnell losgedüst und habe die passenden Accessoires Fanschal, Wimpel und so weiter besorgt. Auch wenn ich sonst doch recht patriotisch veranlagt bin, entschied ich mich gleich von Anfang für Italien-Fan-Utensilien. Denn seien wir ehrlich, die kommen vermutlich länger zum Einsatz, als diejenigen für die Schweiz (die ich hier auch gar nicht kaufen könnte).

Zu italienischen Fan-Utensilien gehören auch italienische Snacks. Minipizzen, Grissini, gefüllte Tomaten und Chips erschienen mir passend. Für die Pizza mache ich jeweils einen Teig aus 300 Gramm Weissmehl (oder optional der Hälfte Vollkornmehl), einem halben Päckchen Trockenhefe, einem Schuss Olivenöl (wie wichtig das ist, habe ich bereits hier erklärt), einem halben Teelöffel Salz und Wasser. Das Ganze wird zu einem glatten Teig verknetet und mindestens für zwei Stunden zugedeckt ruhen gelassen.

Ich habe den Teig ausgewallt und die Rondellen für die Minipizzen ausgestochen, diese simpel mit Tomatensauce und Mozzarella gebacken und dann nach dem Backen mit Ruccola und Rohschinken belegt und mit Pfeffer und meinem Lieblingsgewürz mit dem Namen „Gut gelaunt“ von Sonnentor gewürzt.

Aus den Überresten des Teiges habe ich die Grissini ausgewallt, mit etwas Olivenöl bestrichen, ebenfalls mit „Gut gelaunt“ gewürzt und danach kurz in meinem störrischen Backofen (siehe auch hier) goldbraun gebacken.

Und hier noch das Rezept für die gefüllten Tomaten:

Zutaten
Ungefähr 10 Cherrytomaten oder 3 grosse Tomaten (Deckel von den Tomaten abschneiden, danach werden die Tomaten gehöhlt, das Tomateninnere zerkleinern und in die Füllung geben).
2 gehäufte Esslöffel Ricotta
1 gehäufter Esslöffel Paniermehl oder geriebenes, trockenes Brot
8 klein gehackte schwarze Oliven (für den Signore habe ich darauf verzichtet, weil er das nicht mag)
Pfeffer, Knoblauch, Salz und Kräuter zu würzen (das geht bei mir immer nach Gefühl und Geschmack, daher kann ich dazu keine exakten Angaben machen).

Alle Zutaten gut verrühren (die Masse sollte nicht flüssig sein, sondern eine feste Konsistenz haben, je nach Bedarf muss halt noch mehr Ricotta oder Mehl zugegeben werden), in die gehöhlten Tomaten füllen, mit dem Deckel zudecken und für 30 Minuten bei 150 Grad backen (die Cherrytomaten brauchen weniger lange und sollte regelmässig überprüft werden).

Und schon ist alles für den gemütlichen Fussballabend bereit. Also zumindest unser Abend war gemütlich, abgesehen von den stumpfsinnigen Kommentaren der Moderatoren vom Sender RAI-Sport. Der Signore meinte, dass sogar ich das Spiel besser kommentiert hätte. Welche Ehre;) Vor einer solchen Karriere werde ich mich hüten. Das habe ich bereits vor Jahren entschieden, als ich den Kapitän unserer heimischen Mannschaft bei einem Jugendanlass, bei dem er Autogramme verteilte, für einen Jugendarbeiter hielt und ihn dann auch noch fragte, ob er denn erfolgreich sei oder bereits bei den Senioren spiele… Peinlich!!!

Mein Fazit: Offenbar geht nicht nur die Liebe, sondern auch der Sport durch den Magen. So werde auch ich die Meisterschaft ertragen (der Reim war übrigens nicht beabsichtigt;).

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Donnerstag, 12. Juni 2014

Rosa Gefühle in Siena

Siena und Florenz stehen seit dem frühen Mittelalter in einem ständigen Konkurrenzkampf. Die Differenzen zwischen den Städten waren vor allem politischer und wirtschaftlicher Natur. Ich habe dazu bereits hier betreffend dem Label „Gallo Nero“ eine Geschichte erzählt. Für den Signore und mich ist ein Besuch in all diesen berühmten Städten rund um Florenz Pflicht. Und als wir vor einigen Wochen ohnehin in der Gegend von Siena waren, haben wir diese Stadt für einen Abendspaziergang und ein gutes Essen besucht.
Vielleicht ist es eine Art Glaubensfrage, ob einem Siena oder Florenz besser gefällt. So wie im Mittelalter, als es hiess: „Gehörst du zu den Guelfen oder zu den Ghibellinen?“  Denn im Gegensatz zu Florenz, wo die Papsttreuen Guelfen die Vorherrschaft hatten, wurde Siena von den Kaisertreuen Ghibellinen regiert. Zuerst brachte das der Stadt auch etliche Rechte und Privilegien ein. Doch im Laufe der Zeit und nach etlichen Schlachten unterlangen die Senesi den Florentinern.  Leider. Würde ich sagen. Denn Siena ist eine wunderschöne Stadt.
Florenz ist zwar grösser als Siena und hat eine bessere Infrastruktur. Beispielsweise was den öffentlichen Verkehr anbelangt. Siena wird dagegen nur noch von Regionalzügen angefahren. Trotzdem hat mich Siena vielmehr verzaubert als Florenz. 

Als der Signore und ich in Siena ankamen, stand die Sonne schon etwas tiefer und tauchte die ganze Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Und wir hatten das grosse Glück Zeugen eines Umzuges der Contrade – des Stadtteils der Oca (Gans) zu werden. Denn der Reiter dieses Stadtteils hatte im Jahr zuvor das berühmte Pferderennen „Palio di Siena“ gewonnen. Nun defilierten alle Mitglieder der Contrade Oca über die Piazza del Campo. Allen voran die Trommler und die Fahnenschwinger. Fahnenschwingen ist mir natürlich seit meiner frühesten Kindheit vertraut. Aber die behäbigen Fahnenschwinger aus dem schweizerischen Berner Oberland können nicht mit den gelenkigen und flinken Italienern mithalten. Wohl einfach auch deshalb nicht, weil wir in der Schweiz zu spät mit der Nachwuchsförderung anfangen. Hier laufen bereits die ganz kleinen Jungen bei den Umzügen mit und schwingen stolz ihre Fahne, die oftmals gleich gross wie sie selber ist.
Den Dom konnten wir uns leider nur noch von Draussen ansehen, da er bereits geschlossen war. Zugegebenermassen ist er um einiges kleiner als der Florentiner-Dom, der mich mit seiner Wucht und Grösse immer wieder sprachlos macht. Mir gefällt das Modell der Senesi aber um einiges besser. Einfach weil er sehr kompakt und harmonisch wirkt. Und weil der weisse Marmor, der sich mit dem schwarzen Steinen abwechselt, von zarten, rosa Streifen durchzogen ist. Die reichen Verzierungen an der Fassade könnte ich stundenlang bewundern…
Und weil die Stadt in mir so ein rosarotes Gefühl auslöste, habe ich mich entschieden, die Bilder von dort zusammen mit den Bildern für ein Rosenwasserrezept zu zeigen. Als ich letzthin hier über ein italienisches Rosenwasser geschrieben habe, fand das grossen Anklang. Als Kind habe ich immer selber nach einem Rezept meiner Oma Rosenwasser hergestellt. Leider konnte ich das Rezept nicht mehr finden. Daher gibt es hier nun eine ganz einfache Variante.
Eigentlich handelt es sich bei richtigem Rosenwasser um ein Abfallprodukt aus der Destillierung von Rosenöl. Da man dazu aber Tonnenweise Rosenblätter braucht, verzichtete ich darauf.

Für mein hausgemachtes Rosenwasser verwende ich duftende Rosenblüten. In der Regel sind alte Sorten dafür besser geeignet. Die Blüten werden mit heissem Wasser im Mischverhältnis von 500 Gramm Blüten auf 1 Liter Wasser übergossen. Dann lässt man das ganze abkühlen und siebt dann das Rosenwasser in einen Behälter ab und stellt es in den Kühlschrank. Im Prinzip hat man so einfach einen Rosentee gewonnen. Bei den aktuellen, heissen Temperaturen ist es eine schöne Erfrischung, wenn man das Rosenwasser in eine Flasche mit Pumpspray füllt und sich immer mal wieder etwas damit einsprüht.
Und um meine Liebe zu Rosa noch zu unterstreichen, habe ich meinen liebsten Nagellack von Loreal für Euch fotografiert. Ich habe ganz viel davon nach Italien mitgenommen, weil ich nicht wusste, ob ich ihn hier kaufen kann. Glücklicherweise gibt es hier noch ein viel grösseres Sortiment davon als in der Schweiz. In verschiedenen Studien wurde übrigens nachgewiesen, dass Rosa beruhigt. Das habe ich schon lange gewusst;)

Ich wünsche Euch allen einmal mehr einen wundervollen, rosaroten Tag!


Herzlichst, Eure Signora Pinella