Freitag, 30. Mai 2014

Wie mein Kindheitstraum vom Gardasee wahr wurde

Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Mann und Franz Kafka bereisten bereits den Gardasee und zeigten sich von seiner Schönheit beeindruckt. Ich verbinde den Gardasee aber mit einer ganz anderen Literatin: Mit der Schweizer Autorin Johanna Spyri, welche auch die Heidi-Bücher geschrieben hat. Sie schreibt in ihrem Buch „Heimatlos“ über den Gardasee. Es ist die Geschichte des kleinen Enrico, der verwaist und seine Bestimmung als Geiger am Gardasee sucht und findet.

„Nun machte der Weg eine Wendung, und  Rico stand da wie im Traum und rührte sich nicht mehr. Vor ihm lag funkelnd im hellen Sonnenschein der himmelblaue See mit den warmen, stillen Ufern, und drüben kamen die Berge gegeneinander, in der Mitte lag die sonnige Bucht, und die freundlichen Häuser daran schimmerten herüber.“ So beschreibt Johanna Spyri Enricos Ankunft am Gardasee. 

Das ganze Buch gibt es übrigens hier online zu lesen.
Mama Pinella hat mir als Kind unzählige Bücher vorgelesen. Eben diese Geschichte vom Enrico Trevillo vom Gardasee war auch dabei. Und seither hat mich das Bild von diesem See nicht mehr losgelassen. Ich wusste immer, dass ich irgendwann dorthin will. Offenbar habe ich auch dem lieben Signore Pinella davon berichtet. Und so überraschte er mich mit einer Reise an den Gardasee.
Weil der Signore weiss, wie sehr ich in Italien meine Badewanne vermisse, lud er mich ins wunderschöne Lefay Wellnesshotel ein. Wir haben wirklich ein sehr schönes Badezimmer hier in Florenz, aber eben eine Badewanne fehlt und das ist für mich schrecklich…

Oft ist es ja so, dass man eher enttäuscht ist, wenn man zum ersten Mal Dinge sieht, die man sich vorher nur vorgestellt hatte. Beim Gardasee war das für mich aber das genaue Gegenteil. Ich habe selten in meinem Leben so etwas Schönes gesehen. Ich war richtig verzückt. Und obwohl das Lefay eigentlich nicht unsere Preisklasse ist, werde ich alles dafür tun, dass ich nochmal dorthin zurückkehren kann… Vielen tausend Dank lieber Signore für diese wunderbare Überraschung!

Euch allen wünsche ich ein ebenso entspanntes Wochenende gefüllt mit Bildern voller Sonnenschein und einem himmelblauen See!

Herzlichst, Eure Signora Pinella


P.S. Alle Informationen zum wunderschönen Lefay Spa&Resort gibt es hier.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Grazie Madame Gaianna!

Der hohe Stellenwert der Familie in Italien ist in der ganzen Welt beinahe so bekannt wie Pasta, Pizza und der Fiat 500. Und auch wenn die familiären Banden vielleicht nicht mehr ganz so stark sind wie früher, habe ich bereits etliche Geschichten darüber gehört, dass jemand einen Job nur deshalb bekommen habe, weil sie oder er mit den richtigen Leuten verwandt seien. 
Vetternwirtschaft zu betreiben ist nicht nur allgemein akzeptiert, sondern zeigt die Stärke der Familie. So interessieren sich die Italiener sehr für die Familienverhältnisse der Anderen und fragen einem auch gerne darüber aus, wie viele Geschwister man hat, wie alt sie sind und was sie arbeiten.

Eine meiner Schwestern ist die liebe Madame Gaianna. Sie hat mich ermutigt und mir geholfen meinen Blog einzurichten. Sie selber hat schon lange einen Blog. Dort zeigt sie alle ihre kreativen Ideen. Sie ist die Nähkönigin unserer Familie und hat mich gerade wieder mit vielen schönen, selbstgemachten Geschenken überrascht. Da sie meine Vorliebe für Rosa kennt, hat sie alles liebevoll in dieser Farbe gestaltet. 
Meine Unterstufenlehrerinnen wollten mir meine Rosa-Liebe übrigens immer austreiben. „Das hört dann schon mal auf“, prophezeiten sie mir drohend… Ich finde es schön, dass Sorella Gaianna eine Lehrerin ist, welche ihren Schüler gerne einmal ein bisschen in eine Rosa-Welt entführt. Schliesslich ist das Teenagerleben auch nicht immer einfach und Madame Gaianna hat ein Herz dafür. Und manchmal verwöhnt sie ihre Klassen sogar mit einem Sweet-Table. Oh, was hätte ich darum gegeben eine solche Lehrerin zu haben!
Ich bin immer sehr erstaunt, wie es die Madame Gaianna schafft aus einfachen Mitteln etwas ganz Einzigartiges zu kreieren. Danke liebe Sorella!

Und wer weiss, vielleicht findet auch Ihr auf www.madamegaianna.blogspot.com die eine oder andere Inspiration?!



Ich wünsche Euch allen einen kreativen Tag!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Montag, 26. Mai 2014

La Bellezza delle Donne – Schönheit zwischen Sein und Schein

Gleich vom ersten Tag an in Florenz wurde ich immer wieder auf der Strasse angesprochen und nach dem Weg gefragt. In Geschäften und Restaurants werde ich nur auf Italienisch zugetextet und letzthin wurde ich sogar vor dem Büro von „Forza Italia“ (der Partei von Silvio Berlusconi) angequatscht und gebeten, ihren Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Florenz zu wählen. (Noch kurz zur Erklärung: Ich lungere normalerweise nicht stundenlang vor Parteibüros herum, aber das Parteibüro von „Forza Italia“ befindet sich direkt bei meiner Bushaltestelle.) Ich falle optisch in der Masse der Florentinerinnen also offenbar nicht sonderlich auf. 
Mein grosser Makel sei, wurde mir bereits ein paar Mal erklärt, dass ich zu  wenig blond sei… Scheinbar ist es für etliche Florentinerinnen unverständlich, dass ich mir die Haare nicht aufhellen lasse. Dazu wurde im Mittelalter übrigens Schwefel verwendet. Denn das sei doch die wahre Schönheit. Una Bella Bionda… 

Ich stelle das auch fest, wenn ich mit der lieben Signora Rossi (sie hat ja bereits hier über ihre Erfahrungen und das Leben in Rom berichtet) unterwegs bin. Sie ist mit ihren blonden Haaren und den himmelblauen Augen der Inbegriff der Bella Bionda. So ist es für sie absolut kein Problem quer über eine mehrspurige, dicht befahrene Strasse mitten in Rom zu spazieren, weil sowieso alle Autofahrer anhalten, um sie anzustarren. Ich wurde bereits mehrere Male Zeugin von diesem Phänomen. Mich fragen die Italiener höchstens, wie lange mich meine schwedische Freundin noch in Italien besuche.
Schönheit definiert sich in Italien aber nicht nur über die Haarfarbe, sondern oft auch über die Haltung, die Attitüde oder eben die „Bella Figura“ – Frau will eine gute Figur abgeben. Das gilt übrigens nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Männer und geht weit über das Äussere hinaus.

Zur "Bella Figura" gehört aber eben auch ein adrettes und gepflegtes Erscheinungsbild. Ich habe wohl noch nie in einem Land eine so hohe Dichte an Geschäften für Kosmetik- und Haarpflegeprodukte wie in Italien gesehen. Das Schöne dabei ist, dass man viele Düfte und Cremes mit ätherischen Ölen findet. Oft auch auf biologischer Basis. So bin ich auch auf das Produkt gestossen, um das es nun geht.
Mir ist aufgefallen, dass man praktisch in jedem Mercato destilliertes Rosenwasser kaufen kann. Das Rosenwasser von Roberts war sogar der italienischen Vogue einen Bericht wert. Offiziell heisst es "Acqua distillata alle Rose" und wurde vom Chemiker und Drogisten Henry Roberts 1843 in Florenz entwickelt. 

Das Wasser eignet sich wunderbar, um es nach der Gesichtsreinigung als Tonic zu verwenden oder um sich damit etwas zu erfrischen. Ich gebe es jeweils in die Handflächen, tupfe es auf Gesicht und Nacken oder reibe damit die Hände ein. Einfach herrlich und mit knapp zwei Euro pro Flasche doch recht günstig. Dazu finde ich die nostalgische Verpackung einfach wunderhübsch und eine hübsche Deko fürs Badezimmer – auch für diejenigen, welche den Rosenduft nicht mögen.
Mir gefällt es, dass viele Frauen hier ihre Weiblichkeit sehr bewusst leben. Sie erinnern mich oft an meine Oma, die immer betonte, dass man in jeder Situation gepflegt aufzutreten habe. Sie sah darin wohl auch einen gesunden Respekt sich selber gegenüber und eine Form der inneren und äusseren Ordnung. Der Italienische Autor Primo Levi schreibt in seinem Buch "Ist das ein Mensch" darüber, dass dieses Bewusstsein und auch der Respekt gegenüber dem eigenen Körper uns Menschen vor der Verrohung bewahre. Das Buch ist übrigens recht schwere Kost, aber sehr empfehlenswert.

So wünsche ich Euch allen einen schönen Tag voller Rosenduft und dazu eine süsse Portion Eigenliebe (kann ja für einmal auch nicht schaden;)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Freitag, 23. Mai 2014

Compleanno auf Italienisch - jetzt wird gebacken

Mein liebster Feiertag ist Weihnachten. Aber ich mag und ergreife auch jede andere Gelegenheit um zu feiern. Meine Favoriten sind Feste, bei denen man mit Freunden und der Familie zusammen an einem schön dekorierten Tisch etwas isst.


Gestern war es wieder soweit. Wir hatten unsere neuen „Amici“ zu Besuch, um vorzufeiern, weil am Wochenende im Hause Pinella ein Geburtstag ansteht. Ein gelungener Geburtstag besteht für mich aus folgenden Zutaten: 1. Wie bereits erwähnt ein gutes Essen mit lieben Menschen. 2. Ein sogenanntes „Geburtstagstischli“ mit Blumen, Glückwunschkarte und vielleicht einem oder zwei Geschenke. Mama Pinella macht das immer für jedes von uns Kindern. Sie bindet die schönsten Gartenblumensträusse, die es gibt! Und ja, ich stehe dazu, dass ich Geschenke mag. Vor allem dann, wenn sie liebevoll verpackt wurden und ich sehe, dass sich jemand wirklich Mühe gegeben hat. Was überhaupt drin ist, wird dann jeweils zweitrangig. Ich war extrem beeindruckt, dass sich ganz viele liebe Menschen die Mühe gemacht haben, auf irgendeine Art ein Präsent nach Florenz zu schicken oder zu bringen. Da flossen schon ein paar Tränen der Rührung. 3. Eine Torte. Ja die darf nicht fehlen.

Das Tortenbacken in Italien ist ein Genuss (also abgesehen von meinem Backofen, über den ich ja bereits hier berichtet habe). Denn hier kann man in jedem Supermarkt wunderbare Tortendeko kaufen. Und da ich sogar bereits ausgewallten Marzipan gefunden habe, habe ich entschieden, dass ich eine schwedische Prinzessinentorte mit Erdbeer-Vanillefüllung backen will.
Hier das Rezept dazu:

Boden
Anstatt eines Biskuits habe ich einen klassischen Cake-Teig gebacken, damit die Torte beim Schichten stabil bleibt.
-        125 Gramm weiche Butter rühren, bis sich Spitzchen bilden
-        3 Eier, 125 Gramm Zucker und 1 Prise Salz zugeben und zu einer hellen Masse verrühren.
-        Ein Esslöffel Vanillezucker, 1 Esslöffel Backpulver und 1,25 Deziliter Milch dazu geben.
-        250 Gramm Mehl in die Masse sieben und nochmal gründlich verrühren
Ich habe drei kleine Böden in einer runden Form mit 16 Zentimeter Durchmesser gebacken. Der Kuchen wurde daher etwas gar hoch. Ich würde eine etwas grössere Form empfehlen. Da ich eine richtige Prinzessinentorte backen wollte, habe ich die Böden mit Lebensmittelfarbe in verschiedenen Rosatönen eingefärbt.

Füllung:
Für die Füllung habe ich Erdbeeren klein geschnitten, den Boden damit belegt und dann mit Patisseriefüllung, die ich anstatt nur mit Milch noch mit Rahm angerührt habe, gefüllt. Ich habe mir einfach nicht zugetraut, dass ich selber eine Creme hinbekomme, die genügend fest ist. Bevor ich den Marzipan über die Tort gegeben habe, habe ich die ganze Torte auch noch mit der Creme bestrichen. Zum Schluss habe ich meine Kreation mit Schmetterlingen, die ich aus Zuckermasse (die man hier auch überall und in allen Farben kaufen kann – einfach herrlich) ausgestochen habe und Silberkügelchen dekoriert.

Ehrlich gesagt bin ich richtig dem Kuchendeko-Wahn verfallen, nachdem ich realisiert habe, wie viele schöne Zutaten es hier gibt. Ich werde wohl noch mehr Geburtstagskuchen backen!

Euch allen wünsche ich ein wundersüsses Wochenende!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. Die liebe Signora Rossi (siehe auch hier) hat auf ihre Glückwunschkarte einen Spruch von Kurt Tucholsky geschrieben: „Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Ja das stimmt und ich bin dankbar, dass ich liebe Menschen in meinem Leben habe, die mir dieses Gefühl vermitteln – egal, wo ich gerade bin!

Montag, 19. Mai 2014

In Talamone auf den Spuren von 007

Letzthin fuhren der Signore und ich einmal wieder ans Meer. Wir hatten den zweitschlimmsten Hangover unserer Florenz-Zeit (über den Schlimmsten mag ich hier gar nicht berichten) und wollten uns eine frische Brise um die Nase wehen lassen. 

Noch kurz zur Erklärung, warum wir überhaupt ein bisschen zu viel Alkohol abbekommen haben. Wenn man in Italien zum Essen eingeladen wird, wird nicht nur erwartet, dass man gaaaaaaaaanz vieeeeeel isst (ja wirklich viel zu viel!!!!). Nein, es wird auch getrunken bis zum Abwinken. Und dabei wird immer wieder betont, dass in Italien Alkoholismus kein Problem sei. Das liegt wohl immer im Auge des Betrachters... Es bringt auch nichts, wenn man nach Prosecco und Wein und Limoncello und Grappa sagt, dass man einfach nicht mehr mag. Wer den Wein verschmäht gehört zum Pöbel und ist unhöflich. Leider haben der Signore und ich immer die doofe Vorstellung, dass es für die interkulturelle Kommunikation wichtig sei, kulinarisch mit dem Gastland mitzuhalten (darum essen wir auch immer wieder Lampredotto - das ist gebratener Darm). Dazu kommt, dass wir nie in der Lage sein werden, mit den trinkfesten Italienern mitzuhalten. Im Endeffekt ist es die Mischung aus zu viel und zu schwerem Essen und zu viel Alkohol, die uns nach diesen Einladungen jeweils einen Tag lang leiden lässt... Jedenfalls brauchten wir Meer, frische Luft und Ruhe.
Wir waren also noch etwas übernächtigt und wacklig auf den Beinen, als wir uns entschieden nach Talamone zu fahren. Talamone ist ein hübsches, kleines Küstenstädtchen in der Nähe von Grosetto etwa zwei Autostunden entfernt von Florenz. Der Legende nach entstand der Ort durch Telamon, Sohn des Aiako in der griechischen Mythologie, der hiernach unter dem Felsvorsprung, auf dem der Ort entstand, begraben wurde. Die ersten Siedlungen im Ortsgebiet entstanden durch die Etrusker. Der italienische Guerillakämpfer Giuseppe Garibaldi landete 1860 im Hafen von Talamone um sich mit Waffen auszurüsten. Bei ihrem Rückzug aus Italien während dem zweiten Weltkrieg verminten die deutschen Truppen das ganze Küstengebiet und Städtchen, wodurch Talamone grosse Schäden erlitt.

Doch das alles war nicht der Grund, warum Signore Pinella unbedingt nach Talamone fahren wollte. Talamone ist für den Signore eine Traumdestination, weil ein Teil des James Bond Films „Quantum of Solace“ dort gedreht wurde. Alles was mit James Bond zu tun hat, ist für den Signore interessant und muss bestaunt werden… Hier der Link zum Filmausschnitt. Interessant ist übrigens auch, dass die leichtbekleidete Dame in dieser Szene Gemma heisst – wir erinnern uns, so hiess auch die Frau von Dante. Und nebst Eleonora (wegen Eleonora di Medici), Beatrice (siehe hier) und vielleicht noch Rita (wegen der heiligen Rita), ist Gemma einer der häufigsten Frauennamen in der Toskana. Da hat Regisseur Marc Forster (übrigens auch ein Schweizer) gut recherchiert.
Jedenfalls hat sich die Fahrt nach Talamone mehr als gelohnt. Der Ort ist zauberhaft. Das Meer bricht schäumend über die dunklen, steil abfallenden Vulkanfelsen hinein, es duftet verführerisch nach Blüten, welche überall in üppiger Pracht wachsen und das Städtchen selbst besticht, unter der Herrschaft der mächtigen Bürg, mit pittoreskem Charme. Danke lieber Signore, dass du mit mir dorthin gefahren bist!

Ich hatte übrigens an diesem Tag zum ersten Mal die Gelegenheit meinen neuerworbenen Blazer zu tragen. Endlich habe ich in der Warenhauskette Coin ein richtig italienisches Kleidungsstück gefunden, das mir weder an den Armen zu kurz, noch zu eng ist. Auch die Verkäuferin war sehr höflich.

Denn normalerweise läuft bei mir der Kleiderkauf in Italien so: Ich komme in das Geschäft, sehe ein Kleidungsstück, das ich gerne hätte und dann rauscht eine völlig überschminkte, todschicke Verkäuferin auf mich zu. „Sie wollen dieses Kleidungsstück“, fragen die Damen dann jeweils überrascht. Grösse S sei aber viel zu klein für mich. Und dann mustern mich die Damen jeweils leicht abschätzend von oben bis unten, gehen einen Schritt zurück, ziehen die Augenbrauen hoch und erklären dann: „Sie brauchen mit Sicherheit Grösse M oder noch besser L.“ Einfach nur deprimierend und auch nicht besonders gut fürs Geschäft. Und was kann ich dafür, dass ich mit meinen stolzen 175 Zentimetern die meisten Italienerinnen um fast einen Kopf überrage. Jedenfalls hat mich mein Blazer nun wieder mit der vielgerühmten italienischen Mode versöhnt.
Liebe Leserinnen und Leser, macht beim nächsten Toskana-Besuch einen Abstecher nach Talamone. Es lohnt sich (auch wenn man ausgeschlafen und top in Form ist;)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Samstag, 17. Mai 2014

Wasser zum Waschen, Wein zum Trinken und ein leckerer Tè freddo

Ein kleiner, erfrischender Gruss zum Wochenende an Euch alle. Da der Signore meinte, dass mein letzter Eintrag ein bisschen, wie soll ich sagen... schwere Kost gewesen sei, fasse ich mich heute kurz und lasse lieber die Bilder sprechen. 
Ja ich weiss, Eistee zu machen ist keine grosse Kunst. Aber seien wir ehrlich, wer denkt in seinem täglichen Leben schon daran? Ich habe das bisher selten getan. Da ich aber einfach partout kein Wasser trinken mag, das einen schrecklichen Chlorgeruch hat, gibt es wohl keine andere Möglichkeit als das Wasser abzukochen (ja doch einen Wasserfilter, aber bisher habe ich keinen wirklich brauchbaren Filter gefunden)? Und wenn das Wasser denn schon heiss ist, kann man auch gleich einen wunderbaren Tee aufgiessen. 
Auf einen Liter Wasser verwende ich einen Beutel Schwarz- und einen Beutel Fruchtschalentee (die ich maximal zwei Minuten ziehen lasse, da der Tee sonst bitter wird), einen Esslöffel Kandiszucker und den Saft einer halben Zitrone. Wenn der heisse Tee abgekühlt ist, stelle ich ihn noch für ein paar Stunden in den Kühlschrank. E basta… schon hat man eine herrliche Erfrischung an einem warmen Sommertag. Eben, eine Kunst ist das nicht. Aber vielleicht eine kleine Inspiration für Euch! Wenn denn das Wetter in den nördlicheren Gefilden auch endlich wärmer werden sollte... 
Das mit dem Trinken ist ja so eine Sache. Anderthalb Liter sollten es täglich ja mindestens sein. Vorzugsweise natürlich Wasser pur. Obwohl mir in Italien bereits wiederholte Male erklärt wurde, dass das Wasser zum Waschen und der Wein zum Trinken sei…


Herzlichst, Eure Signora Pinella

Donnerstag, 15. Mai 2014

Warum Schreiben Gold und Julia in Florenz eine Beatrice ist

Die Julia von Florenz heisst Beatrice und wer nicht viel mit dem Schreiben von (Liebes)briefen am Hut hat, sollte spätestens bei einem Besuch in dieser Stadt damit anfangen. Damit Ihr Liebe Leserinnen und Leser das verstehen könnt, muss ich zuerst etwas ausholen…
Über Dante Alighieri (1265 – 1321) Freigeist und Autor der „Divina Comedia“ habe ich ja schon öfter geschrieben. Häufig wird in Florenz im gleichen Atemzug wie Dante ein zweiter Name genannt: Beatrice. Beatrice ist für Florenz, was Julia für Verona ist. Nach unerfüllter Liebe viel zu früh gestorben – so möchte man zumindest meinen. In Tat und Wahrheit verhielt es sich in dieser Geschichte etwas anders als bei Julia. Denn ob Beatrice überhaupt nur ein Funken romantische Gefühle für Dante hegte und ob sie überhaupt existierte, ist bis heute nicht bekannt.

Das Grab der Beatrice in der kleinen Kirche „Santa Margherita de‘ Cerchi“ ist ein Zufluchtsort für gequälte und liebeskranke Seelen. Vor dem Grab befindet sich ein Korb, der mit Zetteln gefüllt ist. Darauf haben Hilfesuchende in der Hoffnung, dass Beatrice ihnen hilft, ihre Anliegen geschrieben. Ähnlich wie im Film „Letters to Juliette“ in Verona. Obwohl mir nicht bekannt wäre, dass die Bittschreiben an Beatrice von irgendwelchen selbsternannten Sekretärinnen beantwortet werden würden.


Um der Wahrheit genüge zu tragen kurz ein paar Fakten zu Dante und Beatrice. Grundsätzlich ist es bis heute umstritten, ob Beatrice wirklich existierte oder nur ein literarisches Wunschgebilde Dantes war. In der kleinen Grabeskirche liegt jedenfalls Bice (Beatrice) Portinari, eine Florentiner Kaufmannstochter, begraben. Einigen Überlieferungen zufolge starb sie mit 27 Jahren im Kindbett. Andere Quellen berichten, sie sei bereits mit 24 Jahren während einer Epidemie ums Leben gekommen. Wenn sie denn wirklich existierte, hat Dante seine Beatrice vielleicht nicht mehr als drei Mal gesehen. Trotzdem hat er sie zu einer der wichtigsten Figuren in seiner „Divina Comedia“ gemacht, in der er von Beatrice vom Fegefeuer in den Himmel geleitet wird. Im realen Leben war Dante mit Gemma di Manetto Donati verheiratet. Sie gebar ihm vier Kinder. Als Dante jedoch aufgrund seiner politischen Überzeugungen ins Exil verbannt wurde, folgte sie ihm nicht. Vermutlich war diese Beziehung weniger romantisch überspannt, als jene zu Beatrice. 
Fakt bleibt, dass es Dante irgendwie zu verpasst haben scheint, seiner Geliebten, wenn die denn existierte, seine Gefühle mitzuteilen. Ist ja auch nicht so einfach. Wer in Florenz trotzdem von grossen Gefühlen übermannt werden sollte und diese niederschreiben möchte, findet praktisch an jeder Ecke eine Cartoleria. In diesen kleinen, hübschen Läden kann man wunderbar Geschenkpapier (dazu ein andermal mehr), Briefpapier, Schreibzeug und sogar Siegel kaufen. Ich mag Siegel sehr. Also ich mag ja das geschrieben Wort sowieso. Und wenn ein Text handgeschrieben und auf schönem Papier daher kommt ist das einfach perfetto… Und wenn denn schon süsse Worte mit viel Liebe niedergeschrieben werden, verdienen sie auch eine schöne Verpackung und ein Siegel, das sie vor neugierigen Blicken schützt. Mir gefällt dieser Gedanke. Also habe ich mich nun mit Wachs und Siegel eingedeckt – schliesslich eignet sich das auch zum Verzieren von Geschenken und nicht nur zum Verschliessen geheimer Liebesbotschaften an den Signore Pinella. Ich glaube, er wäre davon wohl eher etwas irritiert...;)


Ich bin mir ja durchaus der Vorteile von SMS und E-Mail bewusst. Trotzdem ist es persönlicher eine schöne Karte oder einen Brief zu erhalten. Na ja, wenn sie denn ankommen und wenn man sie denn aus dem Briefkasten fischen kann. Bisher haben alle Briefe nämlich ewig gebraucht und wenn sie angekommen sind, brauchte ich eine gewisse Zeit, um sie aus unserem Briefkasten zu holen. Denn einen Schlüssel dazu haben wir bis heute nicht…
Da das Empfangen von Post bei mir nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, habe ich entschieden, dass ich dafür ein paar schöne Ansichtskarten und versiegelte Briefe verschicken werde. Das macht schliesslich auch Freude. Wäre schön, wenn es mir einige von Euch gleichtun und wenn Ihr Euren Lieben einmal wieder auf Papier ein paar nette Worte schreiben würdet… Wie heisst es schon wieder „Reden ist Silber, Schreiben ist Gold?!“;)

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Dienstag, 13. Mai 2014

Wie die Biscotti die Colomba besiegten

Theoretisch bin ich gar kein so grosser Fan von Süssem. Theoretisch. In Italien gibt es jedoch ein Gebäck, das mich immer wieder von meinen Grundsätzen abbringt und von dem auch ich gerne einmal zu viel esse. Cantuccini di Prato oder Biscotti alle Mandorle – und ja, die Namensgebung ist verwirrend… Hier daher kurz die Erklärung: Cantuccini di Prato ist ein doppelt gebackenes, mürbes Mandelgebäck. Biscotti ist der Überbegriff für Plätzchen. Biscotti passt mir aber irgendwie besser ins Konzept – wenn ich nun also von Biscotti schreibe, meine ich das doppelt gebackene, mürbe Mandelgebäck, das eigentlich Cantuccini di Prato heisst. Alles klar? In Italien werden übrigens auch beide Begriffe für ein und dasselbe Gebäck verwendet.

Es war der liebe Signore Pinella, der so nebenbei erwähnt dem Süssen völlig verfallen ist, der mich auf die Idee gebracht hat, einmal wieder Biscotti zu backen (ich habe das schon vor unserem Umzug nach Italien regelmässig gemacht, immer viel zu viel produziert und dann meine Arbeitskollegen genötigt, mir beim Ausbaden der Biscotti-Orgie respektive beim Verdrücken der Dinger behilflich zu sein…). 

Vor dem Entscheid Biscotti zu backen, war die Geschichte mit der Colomba… Kurz vor Ostern habe ich beschlossen, dass es zum Eintauchen in die italienische Kultur dazu gehöre, an Ostern eine Colomba zu essen. Dabei handelt es sich um ein Hefegebäck, das die Form einer Taube hat und wahlweise pur oder mit kandierten Früchten im Teig in Italien zum Osterfest gebacken wird. Weil ich es aber immer verpasste eine etwas hochwertigere Colomba beim Bäcker zu kaufen, besorgte ich dann eine im Tabacchi gleich in unserer Strasse. Stolz darauf bin ich nicht. Jedenfalls bin ich schweren Herzens und mit schlechtem Gewissen, dass ich ein Gebäck gekauft hatte, das in hundert Schichten verpackt (gar nicht ökologisch) und dazu auch noch mit tausenden künstlichen Stoffen zur Haltbarmachung versehen wurde, Nachhause getrottet. Signore Pinella, der nach eigenen Angaben zuvor noch nie eine Colomba gegessen hatte (er ist eben nicht mit einem Bruder aufgewachsen, welcher dem italienischen Gesang und der italienischen Küche verfallen ist und lange Zeit an jedem Osterfest selber eine Colomba gebacken hat) freute sich riesig über meinen Kauf. Und so lebte das erste Vögelchen nur einen Tag. 

Am nächsten Tag meinte der Signore, er möchte doch nochmal eine Colomba und er wolle um keinen Preis eine andere, als die aus dem Tabacchi und er hole sie sonst gleich selber – zurück gekommen ist er dann mit Zweien. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Nach Ostern erhielt man im Tabacchi zwei Colomben (ist das die richtige Mehrzahl?) zum Preis von einer. Also wurden wiederum Hamsterkäufe getätigt (das Ganze wurde dadurch verschmlimmert, dass auch noch Mama Pinella zu Besuch kam und unbedingt eine Colomba als Mitbringsel für den Papa Pinella kaufen wollte und wenn die Dinger denn schon so günstig sind, kann man ja auch gleich ein paar mehr nehmen…).

Die Situation wurde dadurch verschärft, dass wir uns um Ostern herum einen Fernseher zulegten (damit mein Mann auch Zuhause seinen geliebten Calcio sehen kann - er ist schon ein richtiger Italiener;) und der Signore die Colomba, die man einfach nicht ohne zu krümeln essen kann, nun auch im Wohnzimmer vor dem Fernseher verdrückte. Irgendwie weiteten sich die Colomba-Krümel-Spuren immer weiter von der Küche ins Wohnzimmer, dann ins Büro und sogar ins Bad aus. Da wusste ich, dass ich dem Colomba-Wahn etwas entgegen setzen musste, bevor er im Schlafzimmer ankommt. 

Ich muss dazu ehrlicherweise sagen, dass die Colomba trotz unökologischer Verpackung und bösen Inhaltsstoffen ganz gut schmeckte. Aber welcher vernünftige Mensch kann und will fast einen Monat lang das gleiche Gebäck essen? Also musste ich die Colomba mit ihren eigenen Waffen schlagen und etwas finden, das genau so süss und verführerisch ist und den Signore von ihr ablenken würde. Und so sind mir die Cantuccini bzw. Biscotti eingefallen. Ich wusste aus zwei Gründen genau, dass der Signore sich von der Colomba ab und den Biscotti zuwenden würde. Erstens gibt es nur etwas, was er noch mehr oder genau so sehr wie Süssspeisen liebt: Kaffee (ja und natürlich mich – hoffe ich;) Und was passt besser zu Kaffee als Biscotti?! Zweitens freut sich der Signore immer sehr, wenn ich für ihn backe. Und weil er ein viel zu lieber Mensch ist, isst er das Gebackene sogar dann mit viel Liebe und Hingabe, wenn einmal wirklich etwas schief geht bei der Produktion. 
Es war klar, dass das Täubchen einpacken kann, wenn ich meine Geheimwaffe hervorhole. Und wisst Ihr was? Es hat funktioniert und ich habe einmal mehr festgestellt, dass man Biscotti wunderbar selber backen kann. Daher hier das kleine Rezept für Euch (wenn Ihr Eure Arbeitskollegen damit überraschen wollt, macht je nach Teamgrösse das doppelte oder dreifache Rezept – aber bereits dieses ergibt beachtliche Mengen):

Zutaten:
200 Gramm Mandeln
120 Gramm weiche Butter
400 Gramm Mehl
 ½ Päckchen Backpulver
1 Teelöffel Vanillezucker 
 200 Gramm Zucker
 3 Eier

Zubereitung:
Zuerst werden die Eier und der Zucker mit dem Mixer zu einer hellen Masse verrührt, danach werden die restlichen Zutaten (bis auf die Mandeln) dazu gegeben. Wenn sich ein fester Teig gebildet hat, werden die Mandeln, die wahlweise auch etwas mit dem Mörser verkleinert werden können, dazu gemischt.

Danach werden aus dem Teig längliche, flache Stränge (zwischen 5 und 10 Zentimeter breit) geformt. Diese müssen nun für ungefähr 25 Minuten, in der Mitte des Ofens auf 175 Grad gebacken werden. Nach dem ersten Backen die Teigstränge kurz abkühlen lassen, dann mit einem guten Messer (z.B. einem Brotmesser) in diagonale Streifen schneiden, mit einer Schnittseite nach unten aufs Blech legen und nochmals maximal 10 Minuten backen.

Übrigens: Am nächsten Osterfest besorge ich mir das Colomba-Rezept von meinem Bruder und backe den Vogel selber. Dann habe ich Inhaltsstoffe, Verpackung und Produktionsmenge im Griff…

Euch allen da Draussen wünsche ich viel Vergnügen beim Biscotti backen (probiert es aus, es ist wirklich kinderleicht;)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Samstag, 10. Mai 2014

Ein Tag am Meer

Ich mag das Meer – Nein, ich liebe das Meer. Und dass wir nun nur eine knappe Stunde entfernt vom Meer wohnen, ist einer der gewichtigsten Vorteile vom Leben in Florenz. Immer wenn der Signore und ich die Nase von der Stadt voll haben, fahren wir ans Meer, legen uns in den Sand, hören das Rauschen und sehen zu, wie die Wolken über den Himmel treiben. Erholung pur.
So sind wir kürzlich einmal wieder nach Viareggio, einem der typischen Badeorte in der Toskana, gefahren. Im Sommer wird es dort von Touristen nur so wimmeln und die Liegestühle werden eng nebeneinander aufgereiht sein. Im Moment ist es aber noch herrlich ruhig. Ich habe mich also beim Sammeln von Muscheln und Sand (für meine Kerzengläser – scheinbar verhindert der Sand am Boden eines Glases, in das man eine Kerze stellt, dass das Glas durch die Hitze gesprengt wird) vergnügt und später gönnten wir uns in einer Strandbar einen Aperitivo. Die Apéro-Kultur ist eines der Dinge, die ich an Italien einfach liebe. Ein simpler Fruchtsaft, ein Sunbitter oder ein Aperol-Spritz und dazu ein paar Chips, Nüsse oder Oliven hübsch auf einem Teller angerichtet e basta. Mehr braucht es nicht und trotzdem gibt einem das ein Gefühl von unglaublichem Luxus. Dazu kommt, dass man viel bewusster und auch weniger konsumiert, wenn die Chips in einer hübschen Schüssel daher kommen und man nicht einfach die ganze Tüte vor sich hat, aus der zügellos heraus geschaufelt werden kann. 
Die Art einen kleinen Aperitivo zu servieren, ist eines der Dinge, die ich am Ende des Jahres unbedingt Nachhause mitnehmen will. Es ist das Heilmittel nach einem anstrengenden Tag – man kommt Nachhause, bereitet sich ein hübsches Schüsselchen (nein, keine grosse Schüssel) und einen feinen Fruchtsaft in einem schönen Glas zu, geniesst und schon geht es einem besser. Als ich mich letzthin mit Mama Pinella darüber unterhalten habe, wie das geht, wenn ich in Italien meine Familie und Freunde vermisse, habe ich ihr erklärt: „Mama, wenn ich traurig bin, mache ich es mir gemütlich!“ Das hat ihr eingeleuchtet. Denn sei es ein schönes Buch, ein Spaziergang, ein Aperitivo oder eben ein Tag am Meer – alle Zeit, die wir in der Ruhe verbringen und uns auf uns selber besinnen und die Wunder der Schöpfung bestaunen, geben Kraft für den Alltag. Oder wie es die Mitglieder einer meiner Lieblingsband „Fanta4“ einmal in ihrem Song „Tag am Meer“ ausgedrückt haben:


Du spürst die Lebensenergie

die durch Dich durchfließt

das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt

es gibt nichts zu verbessern

nichts, was noch besser wär

außer Dir im Jetzt und Hier

und dem Tag am Meer

und dem Tag am Meer

In dem Sinn wünsche ich Euch lieben Leserinnen und Lesern einen wunderschönen Tag am Meer (auch wenn es nur in Gedanken und Träumen ist;)!



Herzlichst, Eure Signora Pinella