Montag, 14. April 2014

Signora Pinella unterwegs in geheimer Mission…

Als kleines Kind hörte ich stundelang die Kassetten mit den Geschichten über die „Fünf Freunde“. Viele von euch liebe Leser werden sie auch noch kennen?! Die fünf Freunde haben im schönen England die verrücktesten Abenteuer mit alten Schiffswracks und geheimen Tunneln erlebt. Umso erfreuter war ich, als ich einen Anruf einer lieben neuen Bekannten erhielt. Sie erklärte mir, dass sie uns eine Führung durch den Vasari-Korridor organisiert hätte. Dabei handelt es sich um einen Geheimgang, der den Palazzo Vecchio, über die Uffizien und die Ponte Vecchio mit dem Palazzo Pitti verbindet. Cosimo I. de Medici liess ihn im Jahre 1565 von seinem Hofarchitekten Giorgio Vasari bauen. Meraviglioso – Wunderbar.
Ich stellte mich also bereits darauf ein, dass ich meine Wanderschuhe und die Stirnlampe montieren und durch den Untergrund und die geheimen Gemäuer von Florenz schleichen könnte. Da sieht man, wie viel ich noch lernen muss. Ein Medici würde nie durch dunkle, muffige und nasse Tunnel gehen. Ein Medici schreitet hocherhabenen Hauptes über den Köpfen des Pöbels hinweg… Also nix mit Stirnlampe… Diese kommt ja schliesslich anderweitig bereits genug zum Einsatz. Denn jedes Mal, wenn ich vergesse, dass ich den Backofen nicht zusammen mit der Waschmaschine und dem Computer verwenden kann, fällt die Sicherung in unserem Appartemento raus und ich muss, da das häufig am Abend passiert, meine Stirnlampe hervorholen und den Schaden beheben. Dabei ist sie wirklich eine grosse Hilfe!
Wir versammelten uns also am morgen früh auf der Strasse zwischen Palazzo Vecchio und Palazzo Pitti, um durch den knapp einen Kilometer langen Gang zu marschieren. Noch ein bisschen muffig, weil ich auf Anweisung von Signore Pinella ohne Stirnlampe und Gummistiefel losziehen musste, erwartete ich, dass wir nun möglichst schnell in die geheimen Gemäuer abtauchen würden. Doch weit gefehlt. Diesen Geheimgang muss man sich verdienen. Unsere liebe Führerin, eine versierte Kunsthistorikerin, geleitete uns zuerst durch die heiligen Hallen der Uffizien. Auch wenn ich mich wiederhole: Meraviglioso. So lustwandelten wir also an den Werken von Botticelli, Michelangelo und Da Vinci vorbei dem Gang entgegen. Man betritt ihn durch eine Tür im oberen Stockwerk der Uffizien und steigt über eine lange Treppe hinab in den Tunnel, in dem sich eine imposante Gemäldesammlung befindet. Ein Kilometer Kunstgeschichte erster Güte. Doch nicht nur die Bilder im Gang beeindrucken, sondern auch der Blick durch die Fenster auf den Arno und die Ponte Vecchio.
Nach dem Überschreiten der Brücke schlängelt sich der Gang quer durch Privathäuser und vorbei an der Kirche Santa Felicita bis zum Palazzo Pitti und endet bei einer völlig unscheinbaren, graublauen Türe gleich neben der Grotta Grande im wunderschönen Boboli Park. 

In den Tunnel hineinzukommen ist jedoch gar nicht so einfach (er kann nur geführt und mit Voranmeldung besichtigt werden). Alle Infos dazu gibt es hier:



Kommentare:

  1. Der Gang ist nicht unterirdisch, sondern nur versteckt? Habe ich das richtig verstanden?
    Spannend..... Fünf Freunde gehörten dazu, nicht?
    Herzlichst
    yase

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    1. Richtig, der Gang wurde quasi auf die Ponte Vecchio gebaut und verläuft erst nach der Brücke durch die Häuser hindurch. Ich dachte eben vorher immer, dass der tief unter Florenz hindurch führt... Tut er aber nicht - was auch damit zu tun hat, dass er nicht in erster Linie zu Fluchtzwecken, sondern für Repräsentative Gelegenheiten gebaut wurde. Die Medicis führten ihre Gäste vom Regierungssitz (Palazzo Vecchio) in den Palazzo Pitti, wo sie wohnten und wollten sie mit dem Gang beeindrucken. Eben, nix mit Schleichen durch den Untergrund...;)

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