Donnerstag, 17. April 2014

Ostern in Florenz und ein politischer Backofen

Ostern wird in Italien zelebriert. In allen Geschäften sind die Schaufenster bunt dekoriert und am Ostersonntag wird es überall Umzüge und Prozessionen geben. Mit den Feiertagen kommen aber (leider) auch die Touristen. In einigermassen nützlicher Frist durch die Stadt zu kommen ist im Moment praktisch unmöglich. Wer irgendwie kann, meidet das Zentrum. Also habe ich mich entschieden Ostern im stillen Kämmerlein zu zelebrieren, indem ich einen Osterfladen backe. Das ist ohnehin jedes Jahr ein fester Bestandteil meines Osterfestes.

Und natürlich das Dekorieren eines Osterbaumes. Da wir Ostern aber mit unseren Lieben Zuhause verbringen, habe ich in diesem Jahr fast ganz darauf verzichtet und mir dafür Pfingstrosen gekauft, die hier schon blühen und meine absoluten Lieblingsblumen sind. Das wunderschöne, rosegoldene Osterei hat mir eine Mitschülerin geschenkt. Ich habe wohl noch nie so ein so schönes Schokoladenei besessen und bringe es einfach nicht über mich, es zu essen.

Auf den Kuchen wollte ich aber trotzdem nicht verzichten… Backen in meiner doch eher „altmodischen“, italienischen Küche ist für mich jeweils eine gewisse Herausforderung. Diese beginnt bereits damit, dass ich mir zuvor überlegen muss, welche elektrischen Geräte noch am laufen sind (wenn es zu viele sind, fällt die Sicherung  raus und dann kommt die Stirnlampe zum Einsatz – das habe ich ja bereits einmal erklärt). Also: Erstens schalte ich möglichst alle anderen elektrischen Geräte aus und den Backofen ein (manchmal frage ich mich, warum dieser nicht auch einfach mit Gas betrieben werden kann wie der Kochherd). Im Zweiten Schritt geht es dann ans Teigrühren usw… Dies erweist sich daher immer wieder als Herausforderung, weil wir in unserer Küche ungefähr zwei funktionierende Steckdosen haben, über die sowohl die Waschmaschine, der Kühlschrank und die Kaffeemaschine mit Strom versorgt werden. Wo soll man da noch einen Mixer einstecken? Die eigentliche und grösste Herausforderung ist dann aber das Backen selber… Unser Backofen ist ein italienisches Modell und daher sehr temperamentvoll. Die Hitze hinzukriegen ist kein Problem – sie richtig zu verteilen aber schon. Aus irgendeinem Grund wird die rechte Seite des Ofens immer wärmer als die Linke? Das klingt jetzt schon fast nach Politik, ist aber so. Da das Backen an und für sich relativ zackig geht, setze ich mich jeweils vor den Ofen, beobachte den Backvorgang ganz genau und wende den Kuchen oder das Brot immer wieder, damit jede Seite gleichmässig gebacken wird. Das ist der Preis, den ich fürs Backen bezahlen muss. Ganz darauf verzichten mag ich aber halt auch nicht.

Die zweite Herausforderung für meinen Osterfladen war der Griess. Mit Sicherheit könnte ich in Italien auch Griess kaufen. Ich habe darauf verzichtet, da in der Schweiz auch noch eine Packung vor sich hingammelt und es mir der Kopf nicht zugab, hier eine weitere anzubrechen. Dazu kommt, dass hier viele Dolcis mit Milchreis zubereitet werden – auch Kuchen. Also entschied ich mich eine alternative Osterfladenvariante mit Reis statt mit Griess zu backen. Ich bin ja mal gespannt, ob das den Signore Pinella freuen wird… Die Sultaninen lasse ich weg, dafür bestreiche ich den Boden nach dem Vorbacken mit Konfitüre. Zu den Sultaninen muss ich ehrlich sagen, dass ich sie einfach nicht mag. Das liegt wahrscheinlich in den Genen. Noch heute wird in unserer Familie immer wieder die Geschichte erzählt, wie wir zum Tee eingeladen waren und es einen Kuchen mit Sultaninen gab. Eines meiner Geschwister habe dann scheinbar, weil es nicht unhöflich sein und die Sultaninen aber auch nicht essen wollte, alle aus dem Kuchen herausgepullt und fein säuberlich unter dem Tisch versteckt.

Jetzt bin ich abgeschweift. Also Reis statt Griess. Im Grundrezept sind es drei Esslöffel Reis, die etwa 30 Minuten lang in 4 Deziliter Milch gekocht werden. Da ich Risottoreis verwende (es muss einfach ein Rundkorn- und kein Langkornreis sein), habe ich weniger Flüssigkeit hinzugegeben, damit der Kuchen nicht zu nass wird und die Feuchtigkeit nicht das Eiweiss zersetzt.
Da es in Italien bei den Fertigteigen vor allem Pizza- und Blätterteig zu kaufen gibt und ich hier noch nie Mürbeteig gesehen habe, habe ich ihn selber hergestellt. Das würde ich auch in der Schweiz machen, denn das bringt den Vorteil, dass man anstatt von Weissem, Vollkornmehl verwenden kann, das ich persönlich wesentlich lieber mag.

Und hier jetzt noch das ganze Rezept ordentlich zusammengefasst:

Mürbeteig (kleine Portion für einen Kuchen von 15 cm Durchmesser)
-        80 Gramm Vollkornmehl
-        1 Prise Salz
-        40 Gramm kalte Butter
-        1 Esslöffel Zucker
-        Eine Prise geriebene Zitronenschale
-        Ein kleines Ei
Alle Zutaten werden in eine Schüssel gegeben, sorgfältig von Hand zu einem Teig zusammen gefügt und etwa 40 Minuten in den Kühlschrank gestellt.
Danach wird der Teig ausgewallt, in die Form gelegt, mit einer Gabel eingestochen und vorgebacken (wer einen guten Backofen hat, kann auf das Vorbacken verzichten. Ich mache das aber vor allem auch, weil ich nicht will, dass der Boden pampig wird, wenn ich ihn mit Konfitüre bestreiche.)

Guss
-        3 Deziliter Milch aufkochen und mir einer Prise Salz und etwas gemahlenem Vanille würzen. (Meine Schwester hat mir eine Vanillemühle geschenkt, die wie eine Pfeffermühle funktioniert. Das Ding ist genial! Seit ich sie habe, gebe ich bei fast allen Süssspeisen etwas Vanille dazu!)
-        3 Esslöffel Rundkornreis dazu geben und 30 Minuten kochen lassen.
-        50 Gramm Butter, 3 Esslöffel Zucker (ich nehme vorzugsweise den Braunen oder hier in Italien den klein geriebenen Kandiszucker) und eventuell etwas gemahlene Mandeln dazu geben (drauf musste ich leider verzichten, da es fein gemahlene Mandeln oder auch fein gemahlene Haselnüsse wirklich nirgends zu kaufen gibt).

Die Masse leicht auskühlen lassen, danach zwei Eigelb darunter rühren und das Eiweiss von zwei Eiern darunter ziehen und die Masse auf dem Boden verteilen, der zuvor mit Konfitüre bestrichen wurde. Das Ganze kommt etwa für 20 Minuten, bei 200 Grad auf der unteren Ofenhälfte in den Ofen.

Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, wird er mir Puderzucker bestäubt.

Ich wünsche buon Appetito und buona Pasqua!

P.S. Der Signore Pinella hat den Kuchen mittlerweile übrigens probiert und fand ihn auch mit Reis lecker. Sein Kommentar: „Wenn du nichts gesagt hättest, dann hätte ich gar nichts gemerkt…“


Kommentare:

  1. liebi signora! I have to admit: I LOOOVE your blog! aus zur zyt im ne zimli igschränkte radius agierends mami si dini abentür us dr grosse wite wäut e willkommeni abwächslig! d vorstellig vor therese mit stirnlampe gfaut mir bsungers guet ;-) lg, mattli

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    1. Liebs Mattli, das fröit mi, we dir mi Blog ds mentale Reise ermüglechet (du bisch nid ds erschte Mami, wo das rückmäldet). Ha grad die Tage es Päckli für öie Jüngscht zwäg gmacht (nei, nid wie vom Dani vorgschlage es AC Fiorentina Spielerlibli für Babies;). Dörfe mir das nächscht Wuche mal verbi bringe?
      Lg Signora Pinella oder wie sie hieh säge Teresa;)

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    2. sehr gärn :-) mäud di doch per sms oder whattsapp, de finge mir sicher e termin :-)

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  2. Deine Beschreibung des Elektrisch in der Küche erinnert mich an meine Kindheit.... War bei meiner Oma genau so :)
    Der Kuchen hört sich lecker an!
    Herzlichst
    yase

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    1. Ja, meine Küche ist tatsächlich wie eine Reise in die Vergangenheit...
      Dafür hat sie schöne Bodenplatten (die sieht man beim Post über den Mercato Sant Ambrogio;)
      Herzlich Signora Pinella

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