Donnerstag, 24. April 2014

Virtuelle Ferien im Chianti

Etliche liebe Leserinnen meines Blogs haben mir rückgemeldet, dass ihnen das Lesen virtuelle Ausflüge in eine andere Welt ermögliche, die sie wegen ihrer Kinder und Arbeit im Moment selber nicht machen können. Also habe ich mich entschieden heute über einen Ort zu schreiben, der vermutlich jedes gestresste Mami-Herz und natürlich auch die Herzen aller Weinliebhaber höher schlagen lässt: „Le Filigare – viticoltura & agriturismo in Chianti“
Signore Pinella und ich wurden kürzlich dorthin eingeladen um das Gut kennen zu lernen und den erstklassigen Chianti zu degustieren. Das Gut liegt direkt auf der Grenze zwischen Florenz und Siena etwas ausserhalb von San Donato in Poggio. Wenn ich sage zwischen Florenz und Siena, dann meine ich es auch so. Denn das Haupthaus liegt auf Florentiner Boden und das Gästehaus gehört bereits zu Siena.

Die Anfahrt über einen holperigen Steinweg lohnt sich. Das Gut befindet sich zuoberst auf einem für die Toskana typischen Hügel und von hier aus hat man einen wunderbaren Rundblick über die liebliche Landschaft - beispielsweise vom grossen Pool aus blickt man beim Baden direkt nach San Gimignano.


In „Le Filigare“ werden aber nicht nur Wein und Grappa, sondern auch Olivenöl produziert. So sind Haupt- und Gästehaus umgeben von Olivenbäumen und Rebbergen.

Im Gästehaus können je nach Bedarf Appartements mit einem, zwei oder drei Schlafzimmer gemietet werden. Zu jedem gehört eine eigene Küche und ein Gartensitzplatz. Die Zimmer sind im klassischen, toskanischen Landhausstil eingerichtet.
Ich habe Signore Pinella bereits erklärt, dass er einmal mit mir nach „Le Filigare“ in die Ferien fahren muss, wenn ich auch wieder zu tief in den Mühlen aus Arbeit, Familie und sonstigen Verpflichtungen stecken sollte… Also natürlich nicht nur dann!

Ich hoffe, dass Ihr liebe Leserinnen und Leser den virtuellen Ausflug ins Chianti geniessen und ein bisschen schwelgen konntet!

Herzlichst Eure Signora Pinella


P.S. Informationen zum Weingut und zum Agrotourismus „Le Filigare“ gibt es unter: www.lefiligare.it


Sonntag, 20. April 2014

Forza La Viola! – Signore Pinella spricht Klartext

Weil der Signore sich über meine tendenziöse Darstellung des Fussballs in Italien und besonders über die Aussage geärgert hat, dass Florenz immerzu Juventus Turin unterliege und die Fans ungehobelt seien, lasse ich ihn heute einmal zu Wort kommen:
Nachdem Signora Pinella schon einige Kommentare über den „calcio“ in Italien verfasst hat, möchte ich als eingefleischter Fussbalfan einmal einige Dinge ins rechte Licht rücken...

Lebt und arbeitet man in Florenz, so gibt es kein Vorbeikommen am ACF Fiorentina. Will man in der Kaffeepause (davon gibt es in Italien jeden Tag unzählige...) bei der Arbeit mitreden können, so müssen die letzten Spielresultate, die aktuelle Tabelle der Serie A, sowie die Torschützenlise immer präsent sein im Kopf. Zu heissen Diskussionen führt auch immer wieder der Gesundheitszustand der beiden dauerverletzten Stürmerstars Guiseppe Rossi und Mario Gomez.

Das erste offizielle Match bestritt ACF Fiorentina am 22. September 1929 anlässlich eines Freundschaftsspieles gegen die AS Roma. Bei dieser Partie spielten die Florentiner erstmals in der Geschichte mit violetten Trikots, die mit der Florentiner Lilie (italienisch: Giglio) bestickt waren. Dies führte in der Folge zu den Übernamen la viola (zu Deutsch: die Violette) und 
i gigliati (die Lilien), die bis heute als Bezeichnungen für die Florentiner gebräuchlich sind. Eine nicht ganz so ernste gemeinte Legende besagt, die violette Farbe der Trikots sei ungewollt entstanden. Man habe die ursprünglich rot-weissen Trikots nach dem Match im Fluss Arno gewaschen, worauf sich diese violett verfärbt hätten…

Während grosse italienische Klubs wie etwa Juventus Turin, AC Milan oder AS Roma Fans verteilt über den ganzen Stiefel haben, so ist die Fiorentina vor allem in der Toskana verankert. Ein Arbeitskollege erklärte mir, dass sei genetisch bedingt: „Kommt man in Florenz auf die Welt, so ist man Fan der Fiorentina. Punkt- Ende der Diskussion.“ Als ich mir die kritische Feststellung erlaubte, dass sich doch sicher auch Anhänger von anderen Clubs in der Stadt finden würden, antwortete er naserümpfend: “Korrekt, aber das sind alles Hinzugezogene, die gelten nicht…”

Besonders viel Spott ernten in Florenz die Anhänger des Erzrivalen Juventus Turin, welche hier einfach nur “i gobbi”, (die Buckligen) genannt werden. Dieser Übername beruht darauf, dass die Fußballtrikots von Juventus Turin in den 1950er Jahren einen Buckel auf dem Rücken der Spieler formten, sobald diese zu rennen anfingen.


Es ist klar, dass ganz Florenz in Staatstrauer verfiel, als die Fiorentina vor ein paar Wochen in der Europa League gegen genau diese Gobbi nach einer knappen 1 zu 0 Heimniederlage ausgeschieden ist.
Am 6. April 2014 war es für mich dann soweit. Ich hatte mir ein Ticket ergattert und nahm ausgerüstet mit einem passenden Fan-Schal auf der Tribüne Maratone des altehrwürdigen und 47 500 Plätze fassenden Stadio Artemio Franchi Platz. Das Stadion wurde 1931 gebaut und sollte dringend mal renoviert werden. Doch es herrscht ganz ein besonderer Charme, den topmoderne Arenen nicht bieten können. Dazu trägt sicherlich auch die etwas ungewöhnliche Hymne bei, die jedesmal beim Einlaufen der Spieler gespielt wird https://www.youtube.com/watch?v=yy4oafMOIm0. Sofort fühlt man sich um Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt.

Man sitzt so eng zusammen, dass man spätestens nach dem 3. unbeabsichtigten Ellbogen-Rempler mit dem Sitznachbarn automatisch ins Gespräch kommt… Als ich dann in meinem kargen Italienisch mühsam erklären wollte, dass mein Lieblingsverein zu Hause BSC Young Boys heisst, erntete ich nur ein Schulterzucken: "Noch nie gehört. Das liegt in der Schweiz????? Da gibt es doch den FC Basilea…”


Insgesamt war ich sehr überrascht von der friedlichen Stimmung, weit weg von den vergangenen Beiträgen in den Nachrichtensendungen über italienische Ultras. Vielleicht liegt es auch daran, dass in der Pause die Kolonne bei der Espresso Bar fast doppelt so lange war, wie diejenige beim Bierstand…

Nach einem sehr unterhaltsamen Spiel hat die ACF Fiorentina übrigens 2 zu 1 gegen Udinese Calcio gewonnen. Und ich spiele schon mit dem Gedanken mir eine Saisonkarte für 2014/15 zu kaufen… Ob die Signora Pinella da wohl einverstanden ist?


Alle Infos und Resultate findet Ihr unter: http://en.violachannel.tv

Donnerstag, 17. April 2014

Ostern in Florenz und ein politischer Backofen

Ostern wird in Italien zelebriert. In allen Geschäften sind die Schaufenster bunt dekoriert und am Ostersonntag wird es überall Umzüge und Prozessionen geben. Mit den Feiertagen kommen aber (leider) auch die Touristen. In einigermassen nützlicher Frist durch die Stadt zu kommen ist im Moment praktisch unmöglich. Wer irgendwie kann, meidet das Zentrum. Also habe ich mich entschieden Ostern im stillen Kämmerlein zu zelebrieren, indem ich einen Osterfladen backe. Das ist ohnehin jedes Jahr ein fester Bestandteil meines Osterfestes.

Und natürlich das Dekorieren eines Osterbaumes. Da wir Ostern aber mit unseren Lieben Zuhause verbringen, habe ich in diesem Jahr fast ganz darauf verzichtet und mir dafür Pfingstrosen gekauft, die hier schon blühen und meine absoluten Lieblingsblumen sind. Das wunderschöne, rosegoldene Osterei hat mir eine Mitschülerin geschenkt. Ich habe wohl noch nie so ein so schönes Schokoladenei besessen und bringe es einfach nicht über mich, es zu essen.

Auf den Kuchen wollte ich aber trotzdem nicht verzichten… Backen in meiner doch eher „altmodischen“, italienischen Küche ist für mich jeweils eine gewisse Herausforderung. Diese beginnt bereits damit, dass ich mir zuvor überlegen muss, welche elektrischen Geräte noch am laufen sind (wenn es zu viele sind, fällt die Sicherung  raus und dann kommt die Stirnlampe zum Einsatz – das habe ich ja bereits einmal erklärt). Also: Erstens schalte ich möglichst alle anderen elektrischen Geräte aus und den Backofen ein (manchmal frage ich mich, warum dieser nicht auch einfach mit Gas betrieben werden kann wie der Kochherd). Im Zweiten Schritt geht es dann ans Teigrühren usw… Dies erweist sich daher immer wieder als Herausforderung, weil wir in unserer Küche ungefähr zwei funktionierende Steckdosen haben, über die sowohl die Waschmaschine, der Kühlschrank und die Kaffeemaschine mit Strom versorgt werden. Wo soll man da noch einen Mixer einstecken? Die eigentliche und grösste Herausforderung ist dann aber das Backen selber… Unser Backofen ist ein italienisches Modell und daher sehr temperamentvoll. Die Hitze hinzukriegen ist kein Problem – sie richtig zu verteilen aber schon. Aus irgendeinem Grund wird die rechte Seite des Ofens immer wärmer als die Linke? Das klingt jetzt schon fast nach Politik, ist aber so. Da das Backen an und für sich relativ zackig geht, setze ich mich jeweils vor den Ofen, beobachte den Backvorgang ganz genau und wende den Kuchen oder das Brot immer wieder, damit jede Seite gleichmässig gebacken wird. Das ist der Preis, den ich fürs Backen bezahlen muss. Ganz darauf verzichten mag ich aber halt auch nicht.

Die zweite Herausforderung für meinen Osterfladen war der Griess. Mit Sicherheit könnte ich in Italien auch Griess kaufen. Ich habe darauf verzichtet, da in der Schweiz auch noch eine Packung vor sich hingammelt und es mir der Kopf nicht zugab, hier eine weitere anzubrechen. Dazu kommt, dass hier viele Dolcis mit Milchreis zubereitet werden – auch Kuchen. Also entschied ich mich eine alternative Osterfladenvariante mit Reis statt mit Griess zu backen. Ich bin ja mal gespannt, ob das den Signore Pinella freuen wird… Die Sultaninen lasse ich weg, dafür bestreiche ich den Boden nach dem Vorbacken mit Konfitüre. Zu den Sultaninen muss ich ehrlich sagen, dass ich sie einfach nicht mag. Das liegt wahrscheinlich in den Genen. Noch heute wird in unserer Familie immer wieder die Geschichte erzählt, wie wir zum Tee eingeladen waren und es einen Kuchen mit Sultaninen gab. Eines meiner Geschwister habe dann scheinbar, weil es nicht unhöflich sein und die Sultaninen aber auch nicht essen wollte, alle aus dem Kuchen herausgepullt und fein säuberlich unter dem Tisch versteckt.

Jetzt bin ich abgeschweift. Also Reis statt Griess. Im Grundrezept sind es drei Esslöffel Reis, die etwa 30 Minuten lang in 4 Deziliter Milch gekocht werden. Da ich Risottoreis verwende (es muss einfach ein Rundkorn- und kein Langkornreis sein), habe ich weniger Flüssigkeit hinzugegeben, damit der Kuchen nicht zu nass wird und die Feuchtigkeit nicht das Eiweiss zersetzt.
Da es in Italien bei den Fertigteigen vor allem Pizza- und Blätterteig zu kaufen gibt und ich hier noch nie Mürbeteig gesehen habe, habe ich ihn selber hergestellt. Das würde ich auch in der Schweiz machen, denn das bringt den Vorteil, dass man anstatt von Weissem, Vollkornmehl verwenden kann, das ich persönlich wesentlich lieber mag.

Und hier jetzt noch das ganze Rezept ordentlich zusammengefasst:

Mürbeteig (kleine Portion für einen Kuchen von 15 cm Durchmesser)
-        80 Gramm Vollkornmehl
-        1 Prise Salz
-        40 Gramm kalte Butter
-        1 Esslöffel Zucker
-        Eine Prise geriebene Zitronenschale
-        Ein kleines Ei
Alle Zutaten werden in eine Schüssel gegeben, sorgfältig von Hand zu einem Teig zusammen gefügt und etwa 40 Minuten in den Kühlschrank gestellt.
Danach wird der Teig ausgewallt, in die Form gelegt, mit einer Gabel eingestochen und vorgebacken (wer einen guten Backofen hat, kann auf das Vorbacken verzichten. Ich mache das aber vor allem auch, weil ich nicht will, dass der Boden pampig wird, wenn ich ihn mit Konfitüre bestreiche.)

Guss
-        3 Deziliter Milch aufkochen und mir einer Prise Salz und etwas gemahlenem Vanille würzen. (Meine Schwester hat mir eine Vanillemühle geschenkt, die wie eine Pfeffermühle funktioniert. Das Ding ist genial! Seit ich sie habe, gebe ich bei fast allen Süssspeisen etwas Vanille dazu!)
-        3 Esslöffel Rundkornreis dazu geben und 30 Minuten kochen lassen.
-        50 Gramm Butter, 3 Esslöffel Zucker (ich nehme vorzugsweise den Braunen oder hier in Italien den klein geriebenen Kandiszucker) und eventuell etwas gemahlene Mandeln dazu geben (drauf musste ich leider verzichten, da es fein gemahlene Mandeln oder auch fein gemahlene Haselnüsse wirklich nirgends zu kaufen gibt).

Die Masse leicht auskühlen lassen, danach zwei Eigelb darunter rühren und das Eiweiss von zwei Eiern darunter ziehen und die Masse auf dem Boden verteilen, der zuvor mit Konfitüre bestrichen wurde. Das Ganze kommt etwa für 20 Minuten, bei 200 Grad auf der unteren Ofenhälfte in den Ofen.

Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, wird er mir Puderzucker bestäubt.

Ich wünsche buon Appetito und buona Pasqua!

P.S. Der Signore Pinella hat den Kuchen mittlerweile übrigens probiert und fand ihn auch mit Reis lecker. Sein Kommentar: „Wenn du nichts gesagt hättest, dann hätte ich gar nichts gemerkt…“


Montag, 14. April 2014

Signora Pinella unterwegs in geheimer Mission…

Als kleines Kind hörte ich stundelang die Kassetten mit den Geschichten über die „Fünf Freunde“. Viele von euch liebe Leser werden sie auch noch kennen?! Die fünf Freunde haben im schönen England die verrücktesten Abenteuer mit alten Schiffswracks und geheimen Tunneln erlebt. Umso erfreuter war ich, als ich einen Anruf einer lieben neuen Bekannten erhielt. Sie erklärte mir, dass sie uns eine Führung durch den Vasari-Korridor organisiert hätte. Dabei handelt es sich um einen Geheimgang, der den Palazzo Vecchio, über die Uffizien und die Ponte Vecchio mit dem Palazzo Pitti verbindet. Cosimo I. de Medici liess ihn im Jahre 1565 von seinem Hofarchitekten Giorgio Vasari bauen. Meraviglioso – Wunderbar.
Ich stellte mich also bereits darauf ein, dass ich meine Wanderschuhe und die Stirnlampe montieren und durch den Untergrund und die geheimen Gemäuer von Florenz schleichen könnte. Da sieht man, wie viel ich noch lernen muss. Ein Medici würde nie durch dunkle, muffige und nasse Tunnel gehen. Ein Medici schreitet hocherhabenen Hauptes über den Köpfen des Pöbels hinweg… Also nix mit Stirnlampe… Diese kommt ja schliesslich anderweitig bereits genug zum Einsatz. Denn jedes Mal, wenn ich vergesse, dass ich den Backofen nicht zusammen mit der Waschmaschine und dem Computer verwenden kann, fällt die Sicherung in unserem Appartemento raus und ich muss, da das häufig am Abend passiert, meine Stirnlampe hervorholen und den Schaden beheben. Dabei ist sie wirklich eine grosse Hilfe!
Wir versammelten uns also am morgen früh auf der Strasse zwischen Palazzo Vecchio und Palazzo Pitti, um durch den knapp einen Kilometer langen Gang zu marschieren. Noch ein bisschen muffig, weil ich auf Anweisung von Signore Pinella ohne Stirnlampe und Gummistiefel losziehen musste, erwartete ich, dass wir nun möglichst schnell in die geheimen Gemäuer abtauchen würden. Doch weit gefehlt. Diesen Geheimgang muss man sich verdienen. Unsere liebe Führerin, eine versierte Kunsthistorikerin, geleitete uns zuerst durch die heiligen Hallen der Uffizien. Auch wenn ich mich wiederhole: Meraviglioso. So lustwandelten wir also an den Werken von Botticelli, Michelangelo und Da Vinci vorbei dem Gang entgegen. Man betritt ihn durch eine Tür im oberen Stockwerk der Uffizien und steigt über eine lange Treppe hinab in den Tunnel, in dem sich eine imposante Gemäldesammlung befindet. Ein Kilometer Kunstgeschichte erster Güte. Doch nicht nur die Bilder im Gang beeindrucken, sondern auch der Blick durch die Fenster auf den Arno und die Ponte Vecchio.
Nach dem Überschreiten der Brücke schlängelt sich der Gang quer durch Privathäuser und vorbei an der Kirche Santa Felicita bis zum Palazzo Pitti und endet bei einer völlig unscheinbaren, graublauen Türe gleich neben der Grotta Grande im wunderschönen Boboli Park. 

In den Tunnel hineinzukommen ist jedoch gar nicht so einfach (er kann nur geführt und mit Voranmeldung besichtigt werden). Alle Infos dazu gibt es hier:



Donnerstag, 3. April 2014

Von Pastelltönen und dem AC Fiorentina

Wer braucht sie nicht, die kleinen Inseln der Ruhe im hektischen Alltag oder einfach nur ein Ort, an dem er sich rundum geborgen fühlt? Ich habe einfach so „per fortuna“, wie die Italiener sagen würden, einen solchen Ort im „Teatro dell‘ ozio“ gefunden.


Dabei handelt es sich um einen Konzeptstore, der Teesalon, Chocolateria, Kaffee, Deko- und Möbelshop vereint. Herrlich! Die Süssigkeiten sind ein Gedicht und die Deko ist ein Traum. Als ich Signore Pinella zum ersten Mal in den Shop geschleift habe, fragte er, ob die bei der Konzeption eine mentale Verbindung zu meinem Hirn gehabt und auf irgendeine übersinnliche Art alle meine Wohnträume umgesetzt hätten. Und obwohl ihm der wunderbar duftende, warme Apflekuchen schmeckte, erklärte er mir, dass er sich in so vielen Pastelltönen doch etwas fehl am Platz fühle… Ich habe nun also beschlossen, dass das „Teatro dell‘ ozio“ meine Oase bleibt. Der Signore kann sich ja eine Sportbar suchen, wo Bier ausgeschenkt und laut gegrölt wird (wir wissen ja, in Italien kommt für die Männer zuerst das Auto, dann der Sport und danach die Mama… die Reihenfolge kann natürlich variieren). Also, wenn sich Signore Pinella in Zukunft anschauen will, wie Juventus Turin einmal mehr den AC Fiorentina aufs Kreuz legt und wenn er das nicht im Stadion tun will, das de facto gleich bei uns um die Ecke liegt, dann kann er in seine Bar gehen und ich vergnüge mich im „Teatro dell‘ ozio“. Denn dieses liegt auch gleich um die Ecke von unserem Zuhause. Was bin ich doch wieder für ein Glückskind, das ich so etwas zwei Gehminuten von unserem Appartemento entfernt gefunden habe.


Obwohl ich eigentlich das Thema Calcio auf diesem Blog vermeiden wollte, muss ich dazu auch kurz noch etwas sagen: Als ich letzthin spät am Abend durch unsere Wohnung geisterte, hörte ich plötzlich beunruhigend viele Sirenen. Sirenen an und für sich sind in Italien ja völlig normal und erklingen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber mehrere Sirenen auf einmal und das über mehrere Minuten, das ist auch in Italien beunruhigend. Vor allem dann, wenn nicht das bunte Gemisch aus den „klassischen“ Sirenen, die auf den Polizeiautos angebracht sind, und die typisch italienische Krankenwagensirenen, die wie der Schrei eines Präpupertären-Tarzans klingen, ertönen.

Weil ich also während mehreren Minuten unablässig Polizeisirenen hörte, entschied ich mich nachzusehen. Anders als erwartet bot sich mir nicht der Anblick eines üblen Unfalls. Nein. Am Arno entlang  fuhr ein Konvoi mit Polizeiautos- und Motorrädern (mindestens je zehn Stück) und darauf folgte der schicke, schwarze Bus mit den Spielern von Juventus Turin. Was die Italiener für eine Fan-Kultur haben, wenn es nötig ist den Spielerbus so zu begleiten, will ich gar nicht wissen. Vielleicht ist es ja auch gar nicht nötig und wird einfach gemacht, weil der Calcio so heilig ist…



Zurück zum „Tatro dell‘ Ozio“. Im September 2012 wurde der Konzeptstore eröffnet und ist seither Treffpunkt für hippe Italiener und ab jetzt auch für mich und alle meine lieben Besucherinnen, die werden jetzt dann nämlich systematisch dorthin geschleift … Und wer weiss, vielleicht hat Signore Pinella Recht und es bestand eine Verbindung  oder eine höhere Fügung hat bewirkt, dass ausgerechnet ich im gleichen Quartier wie das „Teatro dell Ozio“ gelandet bin.