Dienstag, 4. März 2014

Von Vorurteilen und der Poesie essbarer Blüten...


Die italienische Küche ist eine Bauernküche e basta – so dachte ich zumindest bevor wir nach Italien gezogen sind. Vielleicht stimmt das sogar… Also zumindest was die einfache Art der Zubereitung und die Auswahl der Zutaten betrifft. Frisch müssen sie sein, aus der Region und oft wird daran gar nicht gross herumgewerkelt. Doch was sollte daran schlecht sein, wenn eine Küche einfach ist und die Köchin oder der Koch nicht mit hochkomplexen Zubereitungsmethoden gemartert werden?

Dass ich meine Verweigerung gegenüber der italienischen Küche endgültig ablegen konnte, verdanke ich einem Zucchinisalat, den ich neulich in einem Restaurant mit traditioneller italienischer Küche gegessen habe. Die Zucchini wurde dünn gehobelt mit ebenfalls gehobeltem Parmesan hübsch angerichtet serviert. Gewürzt war das Ganze schlicht mit Salz und grob gemahlenem Pfeffer. Und dann kommt es: Anstatt einer popeligen Vinaigrette war ein bisschen Olivenöl mit Trüffelaroma darüber geträufelt worden. Ein Gedicht…

Dieses Erlebnis brachte mich dazu über einen anderen Teil der Zucchini nachzudenken, den man in nördlicheren Gefilden oft gar nicht kaufen kann: Die Blüten. Hier sind sie in jedem Supermarkt günstig zu bekommen (auf dem Markt natürlich noch günstiger und noch frischer). So viel zum Thema Esskultur… Jedenfalls habe ich mir neulich meine ersten Zucchiniblüten geleistet und diese gefüllt zu einem klassischen Florentiner-Steak (das in meinem Fall massiv kleiner ausfiel als bei den Florentinern) und frisch gebackenem Brot serviert.



Bei der Füllung habe ich es mir ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“ einfach gemacht.

Füllung: 250 Gramm Ricotta mit einem Eigelb vermengen und nach belieben mit Salz, Pfeffer und Kräutern abschmecken (ich für meinen Fall habe noch etwas gemahlenen Knoblauch dazu gegeben, einfach weil der für mich auch als Gewürz gilt und ich den Geschmack liebe).

Die Füllung wird vorsichtig mit einem kleinen Löffel in die Zucchiniblüten gepackt (sie reicht je nach Grösse der Blüten ungefähr für 12 Stück) und die Blütenblätter werden darüber geklappt oder an der Spitze sanft zusammen gedreht, damit sie zu bleiben.

 
Sauce: Bevor die Blüten zum Überbacken bei etwa 200 Grad für 20 Minuten in den Ofen kommen, werden sie mit einer Sauce aus geschmolzener Butter (ca. 100 Gramm) und dem Saft einer halben Orange übergossen (erst die süsse Säure der Orange gibt dem Ganzen den richtigen Kick und sorgt dafür, dass die Blüten beim Backen nicht braun werden). Es empfiehlt sich, bereits vor dem Backen etwas Sauce in die Gratinform zu geben, damit sich die Blüten problemlos lösen lassen.

Das Ganze ist ruck zuck zubereitet und entweder eine wunderbare Vorspeise oder Beilage.
Buon appetito!

P.S. Und obwohl ich nie wieder über die italienische Küche die Nase rümpfen wollte, sah ich neulich in einem Schaufenster an der Piazza San Marco etwas Haarsträubende: Pizza, die mit Tomaten, Mozzarella und Pommes Frites belegt war. Wer macht denn sowas? Ich weiss es: Touristenfänger Restaurants, dessen Köche ihre Seelen verkauft (die würden besser einmal Dantes „Divina Comedia“ lesen, dann wüssten sie, dass das böse ausgehen kann) und die italienische Küche verraten haben. Aber eben, dass ist dann auch keine wirkliche italienische „Cucina“!

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